Eine Frage von Kraft und Kadergröße

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„Die Serie gewinnt, wer weniger Fehler macht“: Heidelberg (von links Niklas Ney, Marc Liyanage, Nummer 6, und Sebastian Schmitt)
„Die Serie gewinnt, wer weniger Fehler macht“: Heidelberg (von links Niklas Ney, Marc Liyanage, Nummer 6, und Sebastian Schmitt) war in den ersten beiden Play-off-Spielen fehlerfreier als die Steeples (hier Rayshawn Simmons, mit Ball) und führt nicht von ungefähr mit 2:0. (Foto: SZ- mas)

War das zweite Play-off-Spiel gegen Heidelberg auch das letzte Heimspiel des Teams Ehingen Urspring in der Saison 2018/19? Die Steeples liegen gegen die Academics nun mit 0:2 in Rückstand und müssen im dritten Spiel am Freitagabend in Heidelberg gewinnen, um die Serie fortzusetzen. Die beiden bisherigen Partien geben wenig Anlass zur Hoffnung. Steeples-Trainer Domenik Reinboth sprach nach dem 79:90 in Spiel zwei am Dienstagabend von einem „starken Gegner“ und Academics-Coach Branislav Ignjatovic von einer „sehr reifen Leistung meiner Mannschaft“.

Die Heidelberger präsentierten sich in der JVG-Halle als Spitzenteam, was sie nach Platz zwei in der Hauptrunde auch sind. Ausgebufft, nervenstark und treffsicher wiesen die Academics ein engagiertes und nie aufsteckendes Team Ehingen Urspring in die Schranken. „Die Serie gewinnt, wer weniger Fehler macht“, sagte Reinboth – und da hatten die Badener bisher klare Vorteile, wie auch Steeples-Spielmacher Rayshawn Simmons einräumte. „Heidelberg macht einfach wenig Fehler und bestraft unsere sofort.“

Ney: Starker Ersatz für Heyden

Die Academics profitieren von vielen erfahrenen Spielern und haben zudem den Vorteil einer besser besetzten Bank. Zwar fiel im zweiten Spiel Heidelbergs Kapitän Philipp Heyden kurzfristig verletzt aus, doch für den erkrankten Center gab es Alternativen: allen voran Niklas Ney, dem auch Steeples-Coach Reinboth ein „Riesenspiel“ bescheinigte. Im ersten Spiel in Heidelberg war von dem 2,08 Meter großen Ney kaum etwas zu sehen – bei einer Einsatzzeit von weniger als zehn Minuten verwandelte er nur zwei Freiwürfe –, im zweiten hatte er großen Anteil am Sieg seiner Mannschaft.

Ney war mit 21 Punkten bester Werfer seiner Mannschaft und stand fast 30 Minuten auf dem Feld. Im Zusammenspiel mit dem starken Aufbauspieler Niklas Würzner und Dan Oppland, die beide ihre Ausbeute gegenüber der ersten Partie ebenfalls steigerten, war Ney einer der auffälligsten Spieler. Hinzu kam Marc Liyanage mit mehr Einsatzzeit und mehr Punkten (darunter zwei Dreier in der ersten Halbzeit) sowie die US-Amerikaner Jaleen Smith und Shyron Ely, die neben ihren großen Qualitäten in der Offensive auch für Heidelbergs Defensive enorm wichtig sind. Da fiel nicht ins Gewicht, dass Eric Palm, der im Hauptrunden-Heimspiel gegen Ehingen Urspring mit seinen Dreiern der entscheidende Mann war und auch in der ersten Play-off-Partie zwölf Punkte erzielt hatte, diesmal nur Mitläufer war; dreimal warf Palm am Dienstag auf den Korb, keiner der Versuche war erfolgreich.

Klasse in dieser Fülle haben die Steeples nicht. Am Dienstag hatten sie immerhin wieder acht Spieler aufzubieten, nachdem der mehrere Wochen verletzte Seger Bonifant einsatzfähig war. Bonifant stand fast 25 Minuten auf dem Feld, kam auf zwölf Punkte (bei einer Trefferquote von 71 Prozent), doch ganz der Alte war er nicht – auch weil die Blessur am Sprunggelenk noch nicht ausgeheilt ist. Gezeichnet verließ Bonifant am Dienstagabend Kabine und Halle.

Dennoch: Mit dem schmerzlich vermissten Flügelspieler hatte Trainer Reinboth nicht nur einen zusätzlichen guten Werfer, sondern auch einen Mann mehr für die Rotation – wobei Nachwuchsmann Kevin Strangmeyer nur etwas mehr als zwei Minuten Einsatzzeit erhielt. Jedoch liegen kräftezehrende Wochen hinter den Steeples. Für die entscheidende Saisonphase mit ausschließlich bedeutsamen und meist hart umkämpften Begegnungen nur einen kleinen Kader zu haben, geht früher oder später an die Substanz. „Wir spielen seit ein paar Wochen mit nur sieben Spielern, das machte sich heute bemerkbar“, sagte Rayshawn Simmons nach dem zweiten Play-off-Spiel am Dienstag.

Pech für Ehingen Urspring ist, dass ausgerechnet im Saisonendspurt das Profi-Team unter Verletzungen leidet, sondern auch die U19, die gegen den Abstieg aus der NBBL kämpft. Franklyn Aunitz, Lucas Loth und Tim Martinez kamen in der laufenden ProA-Saison alle schon zum Einsatz und wären in der jetzigen Situation ideal, um anderen mehr Verschnaufpausen zu gönnen – doch die Youngster fallen derzeit verletzt aus.

Zuversicht vor dem dritten Spiel

Das dritte Play-off-Spiel am Freitag beginne bei 0:0, verbreitete Steeples-Teammanager Nico Drmota nach der zweiten Niederlage am Dienstag Zuversicht. Auch Rayshawn Simmons gab sich optimistisch und betonte, dass die Serie noch nicht entschieden sei und man mit Selbstvertrauen nach Heidelberg fahren werde. Er warnte davor, sein Team abzuschreiben. „Keiner erwartet etwas von uns, aber wir haben nichts zu verlieren“, so Simmons. Sollten die Academics aber weiter so konzentriert und entschlossen zu Werke gehen, wird es schwer für die Steeples, dem Gegner den Halbfinaleinzug zu verwehren.

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