Ein unerwartetes Spitzenspiel

Lesedauer: 7 Min
 Entschlossenheit zeichnete die Steeples (im Bild Kevin Yebo) zuletzt in den entscheidenden Phasen eines Spiels aus – nun steht
Entschlossenheit zeichnete die Steeples (im Bild Kevin Yebo) zuletzt in den entscheidenden Phasen eines Spiels aus – nun steht dem Team Ehingen Urspring eine große Prüfung bevor: das Spiel gegen den noch ungeschlagenen Spitzenreiter Chemnitz. (Foto: SZ- mas)

Die jüngsten Erfolge des Teams Ehingen Urspring verleihen dem Heimspiel der Steeples am Sonntag, 9. Dezember, 17 Uhr, gegen die Niners Chemnitz einen vor Monaten nicht erwarteten Anstrich: Die Begegnung in der JVG-Halle in Ehingen ist das Top-Spiel des Wochenendes in der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA. Dabei treffen der vor Beginn des Spieltags Tabellendritte und der Erste aufeinander.

Dass sich am 13. Spieltag der ProA-Hauptrunde in Ehingen zwei der drei bisher erfolgreichsten Mannschaften gegenüberstehen würden, war vor der Saison nicht zu erwarten – zumindest nicht vom Gastgeber, der in den vergangenen beiden Spielzeiten stets gegen den Abstieg kämpfte. Anders bei den Niners aus Chemnitz, die außer in der zurückliegenden Saison 2017/18 im oberen Tabellendrittel zu finden waren und über kurz oder lang in die Bundesliga wollen. Womöglich gelingt dies bereits im Frühjahr 2019. „Hamburg und Chemnitz waren vor der Saison die großen Favoriten“, sagt Steeples-Trainer Domenik Reinboth. Beide belegen derzeit auch die ersten beiden Plätzen, doch während die Towers aus Hamburg bereits drei Spiele verloren haben, ließen die Niners bisher nichts aus: elf Spiele, elf Siege. Chemnitz sei „der klare Titelfavorit“, so Reinboth.

Verletzungspech bei Chemnitz

Dabei waren es zumeist keine rauschenden Siege der Chemnitzer, wie zuletzt beim Schlusslicht Hanau (73:68) oder auch schon gegen die ebenfalls schwach gestarteten Lions aus Karlsruhe (79:76) und Aufsteiger Schalke 04 (82:78). Reihenweise enge Spiele zu gewinnen, sei aber auch eine Qualität, sagt Domenik Reinboth. „Es ist leicht gesagt, das sei Glück. Aber für mich ist es kein Glück, sondern Können.“ Elfmal ungeschlagen zu bleiben, auch gegen Hamburg und in Trier nicht zu verlieren, „das macht man nicht einfach so“. Schon gar nicht, wenn eine Mannschaft von Verletzungspech betroffen ist. Gegen Hanau fehlten bei Chemnitz der vom BBL-Klub Bremerhaven gekommene Ivan Elliott sowie die vom Vierten der Vorsaion Köln verpflichteten Matt Vest und Lukas Wank. Alle drei sind wichtige Spieler.

Doch auch ohne dieses Trio steckt viel Klasse in der Mannschaft – dafür stehen allein Niners-Topscorer Malte Ziegenhagen, ein treffsicherer Werfer aus der Distanz, und Virgil Matthews, der von 2010 bis 2014 für die Steeples aktiv war und im Sommer nach einigen Monaten in Nürnberg zu den Chemnitzern zurückkehrte. Domenik Reinboth freut sich aufs Wiedersehen mit Matthews, der für den Steeples-Chefcoach nicht nur eine „Ehinger Legende“ ist, sondern der noch immer, trotz seiner bereits 35 Jahre, ein prägender Spieler sei. Dies belegt auch der Einsatz von Matthews, der für die Niners in dieser Saison mehr als 26 Minuten pro Partie auf dem Feld steht.

Die Vorfreude auf das Spiel am Sonntag ist bei Domenik Reinboth und den Steeples aber nicht nur wegen Virgil Matthews riesig. Die Erfolge des Teams Ehingen Urspring in den vergangenen Wochen und die Tatsache, dass es in der ProA-Tabelle auf Rang drei geführt wird, steigern Lust und Motivation weiter. Dass die Steeples aktuell zu den besten Mannschaften der Liga zählen, lässt sich auch aus den vielen Zahlen und Daten ablesen, die die Liga erhebt. Bei der Punktausbeute, den direkten Korbvorlagen, bei den Offensivrebounds und in der Effektivität – ein Wert, bei Positives (unter anderen Blocks, Steals) und Negatives (etwa Ballverluste) miteinander verrechnet werden – belegt Ehingen Urspring Platz eins in der ProA. Reinboth weiß die Werte aber auch einzuordnen, denn im Grunde weisen sie nur auf Stärken und Schwächen einer Mannschaft hin. „Am Ende sind das alles nur statistische Zahlen“, so der Steeples-Trainer. „Aber sie geben einem auch Selbstvertrauen.“

Und daran mangelt es beim bisherigen Überraschungsteam dieser ProA-Saison nicht. Ohne Selbstvertrauen hätten die Steeples zuletzt in Paderborn wohl nicht gewonnen, sondern wohl nicht einmal die Verlängerung erreicht. Am Ende waren es zwei Verlängerungen, zweimal fünf Minuten extra, ehe der am Ende doch deutliche 113:100-Sieg des Teams Ehingen Urspring feststand. In den Tagen nach dem Kraftakt gegen Paderborn stand daher die Regeneration im Vordergrund, erst Mitte der Woche begann die intensive Vorbereitung auf die Partie gegen den Tabellenführer aus Chemnitz.

Die Steeples werden in Bestbesetzung auflaufen, fit und gut vorbereitet, wobei sich der Ansporn fast von selbst ergibt. „Die Motivation, gegen ein ungeschlagenes Team zu spielen, ist groß“, sagt Reinboth. Noch größer ist der Reiz, die erste Mannschaft zu sein, die den Top-Favoriten in dieser Saison schlägt. Auszuschließen ist das nicht, zumal die Ausgangslage günstig ist für die Steeples: Von ihnen wird weniger erwartet als von den Niners. Reinboth: „Wir haben nicht so viel zu verlieren wie unser Gegner.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen