Ein besonderes „Altärle“

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Das „Altärle“.
Das „Altärle“. (Foto: stadt)
Schwäbische Zeitung

In den Sammlungen des Ehinger Museums befindet sich auch das hier abgebildete Barockaltärchen mit der Inventarnummer 651. Dem Inventar zufolge ist es um 1700 entstanden und wurde vor 1933 vom Bezirksaltertumsverein für 15 Mark von einem Ehinger Schreinermeister angekauft.

Das Altärchen ist circa 35 Zentimeter breit, 57 Zentimeter hoch und 21 Zentimeter tief. Es ist aus Holz gefertigt und relativ aufwendig mit Marmorierungen und Vergoldungen farbig gefasst. In jüngerer Zeit wurde es offenbar restauriert. Einzelne Teile, wie das bekrönende Kreuz, sind später ergänzt worden.

Auf einem mehrstufigen Unterbau erhebt sich der eigentliche Altartisch, der auf seinem Antependium das Christusmonogramm IHS zeigt. Im Mittelteil des dahinter angeordneten Altaraufbaues ist, rot gefasst, das Herz Jesu zu sehen, was an die 1712 bis 1719 errichtete ehemalige Kollegien- und spätere Konviktskirche denken lässt. Die Benediktiner von Zwiefalten haben diese dem Herzen Jesu geweiht, das deshalb im dortigen Bildprogramm häufig zu finden ist. Es spricht also einiges dafür, dass es sich um das Modell eines Altars handelt, der möglicherweise für die Kirche des Benediktinerkollegs in Ehingen vorgesehen war.

Wie sich auch in Ehingen mehrfach belegen lässt, war die Anfertigung derartiger Altarmodelle durchaus üblich. So fertigte der Ehinger Stuckateur Franz Xaver Hänle im Auftrag des Magistrats 1765 und 1774 jeweils ein Modell für einen neuen Hochaltar in die Stadtpfarrkirche St. Blasius. Und noch 1798 wollte sich die Spitalverwaltung erst anhand eines Modells überzeugen, dass mit Fidel Ritter (um 1733-1808) und dem Ehinger Schreiner Johann Harscher die richtigen Künstler und Handwerker für den neuen Altar in der Riedkapelle bei Dächingen gefunden waren. In dieselbe Richtung weist auch, dass sich im Nachlass Fidel Ritters 1808, neben mehreren Plastiken, auch ein „Altärle“ befand.

Von wem das hier vorgestellte Modell stammt, ist bisher nicht bekannt. Realisiert wurde der Entwurf jedenfalls in der Ehingen Kollegienkirche nicht. Mittelpunkt des dortigen Hochaltars bildete das bis heute erhaltene Bild des „Lanzenstichs“ von Melchior Steidl (1657-1727) aus Innsbruck.

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