Ehinger Turniersieger HBC Nantes: Gegenentwurf zu Paris St. Germain

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Hatten ihren Spaß in Ehingen: die Handballer von Nantes um ihren Kapitän Rock Feliho (3. v. r.), der zum besten Spieler des Spa
Hatten ihren Spaß in Ehingen: die Handballer von Nantes um ihren Kapitän Rock Feliho (3. v. r.), der zum besten Spieler des Sparkassen-Cups 2018 gewählt wurde. (Foto: SZ- mas)

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Keine Mannschaft in der Geschichte des internationalen Handballturniers hat eine bessere Bilanz als der HBC Nantes. Dreimal war der französische Spitzenklub dabei, gewann bisher alle Spiele und holte dreimal den Cup. Für Nantes war die Turnierteilnahme jeweils ein erster kleiner Höhepunkt am Anfang einer erfolgreichen Saison.

„Nachdem wir zum ersten Mal hier waren, sind wir später ins Achtelfinale der Champions League gekommen, im zweiten Jahr wollten wir ins Viertelfinale und kamen dann sogar ins Finale“, sagte Rock Feliho, Kapitän und Abwehrchef des HBC. Fast wäre sogar der Sieg im wichtigsten Wettbewerb des europäischen Vereinshandballs herausgesprungen. „Wir hatten unsere Chance.“ Die Niederlage im Champions-League-Finale gegen Montpellier sei schmerzhaft gewesen, sagte Feliho. „Wir hätten sie schlagen können, wir hatten sie vorher auch schon geschlagen. Wenigstens gut, dass eine französische Mannschaft gewonnen hat.“

Rock Feliho spielt, mit einer Unterbrechung von wenigen Monaten, seit 2010 bei Nantes, wohin er nach vier Jahren in Deutschland (TGS Münster, HBW Balingen-Weilstetten) gewechselt war. Der seit Montag 36-Jährige hat die Entwicklung zu einem europäischen Spitzenklub miterlebt, war ein wichtiger Bestandteil. Anders als beim französischen Rivalen Paris Saint-Germain, den sich Investoren aus Katar ausgesucht hatten und innerhalb kurzer Zeit große Erfolge erzielten, war der Weg von Nantes länger. „Aber wir haben uns jedes Jahr ein neues Ziel gesetzt und es erreicht“, so Feliho. Manchmal sogar schneller als erwartet, wie in der vergangenen Saison den Einzug ins Final Four der Champions League.

„Ein ganzer Haufen Arbeit“

Beim Finalturnier gewann der HBC Nantes sogar im Halbfinale gegen Paris, den Gegenentwurf zu Nantes. „Das sind zwei verschiedene Modelle. Wir haben nicht den gleichen Etat wie Paris und PSG hat die besten Spieler der Welt“, sagt Feliho. Auch in der Champions Trophy, einem Wettbewerb der vier besten französischen Teams, ließ der HBC 2017 Paris hinter sich, auch den nationalen Pokal holte die Mannschaft von Trainer Thierry Anti. Nur in der Meisterschaft landete man hinter Paris (sowie Meister Montpellier) auf Rang drei. „Das alles war kein Glück, da steckt Arbeit dahinter, ein ganzer Haufen Arbeit“, so der Kapitän.

Rock Feliho hat es nie bereut, die Bundesliga verlassen und in seine Heimat zurückgekehrt zu sein. „Was mir in Deutschland nicht gefällt, ist, dass man viel zu viele Spiele hat“, sagt er. Die Bundesliga ist mit 18 Vereinen deutlich größer als die französische Starligue (14). Anderes vermisst er, der Stellenwert des Vereinshandballs sei nicht so groß wie in Deutschland. Noch nicht. „Die Leute lieben die Nationalmannschaft“, so Feliho, aber auf die Zuschauerzahlen in vielen Hallen wirkt es sich nicht aus. Nantes ist da eine Ausnahme, die Spiele sind gut besucht. Rock Feliho sieht aber die gesamte Liga auf einem guten Weg, auch dank der großen Erfolge der vergangenen Jahre.

Wie weit der HBC Nantes in seinen Wettbewerben 2018/19 kommt, wird sich zeigen. Wenn der Sieg beim Sparkassen-Cup ein gutes Omen ist, darf man von der Mannschaft einiges erwarten. Das Turnier in Ehingen hat auch deutlich gemacht, was den HBC auszeichnet: Es ist ein eingespieltes, homogenes Team mit Profis, die sich nicht nur im Spiel verstehen. Die Ausgelassenheit, mit der die Mannschaft den Cup-Gewinn in der Längenfeldhalle um ihren Kapitän Feliho feierte, der zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war, lässt auf ein gutes Binnenklima schließen.

Spieler, Trainer, aber auch die Verantwortlichen des französischen Erstligisten haben den erneuten Aufenthalt in Ehingen genossen. Kurz nach dem erneuten Cup-Erfolg schrieb der Vereinspräsident Gaël Pelletier auf seiner Facebookseite: „Le H“, wie sich der HBC Nantes kurz und bündig nennt, habe sich Wallau-Massenheim, Kiel und Veszprém angeschlossen, die drei Mal in Folge den Cup gewonnen haben. Das nächste Ziel sei nun ein vierter Triumph in der Längenfeldhalle.

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