Ehinger ist der jüngste SPD-Chef der Republik

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Der neue SPD-Kreisverbandsvorsitzende Julius Bernickel (3.v.l.) und die Vorstandsmitglieder Regine Lieb, Monika Späth, Stephanie
Der neue SPD-Kreisverbandsvorsitzende Julius Bernickel (3.v.l.) und die Vorstandsmitglieder Regine Lieb, Monika Späth, Stephanie Bernickel, Jonas Unterricker, Michael Kühnemund und Lisa Späth (v.l.) schauen positiv in die Zukunft und freuen sich auf den Neuanfang. (Foto: SZ- kurt efinger)
Schwäbische Zeitung
Kurt Efinger

Julius Bernickel aus Ehingen ist neuer Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Alb-Donau. 51 Mitglieder wählten den 18-jährigen Abiturienten am Samstag in der Gaststätte Wolfert zum Nachfolger von Bernhard Gärtner. Bernickel ist – mit einem Abstand von sechs Jahren zum nächsten – der jüngste Parteikreisvorsitzende in der Republik.

„Lasst mich euch zu Beginn eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte von einem kleinen Jungen, der früh gemerkt hat: Hier läuft nicht alles richtig, hier gibt es zu viele Ungerechtigkeiten. Warum bekommt der türkische Mitschüler in der Grundschule eine Realschulempfehlung und der deutsche Junge eine Gymnasialempfehlung, obwohl beide einen ähnlichen Schnitt haben?“, so begann Julius Bernickel seine Vorstellung als Kandidat für den Kreisvorsitz. Er war der einzige, der sich um die Nachfolge von Bernhad Gärtner bewarb und erhielt am Ende 45 von 51 gültigen Stimmen. Nur Zwei SPD-Mitglieder kreuzten Nein an, nachdem die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis Zweifel an der Eignung des jungen Kandidaten geäußert hatte. „Kann man einem, der gerade 18 Jahre alt geworden ist, dies alles aufladen?“, fragte Mattheis besorgt in die Runde. „Was Hilde macht, ist Demontage des Kandidaten“, reagierte Lutz Deckwitz, der stellvertretende Vorsitzende des Ehinger Ortsvereins, verärgert auf die von der Abgeordneten geäußerten Bedenken.

„Was Julius sagte, hat mir gut gefallen“, sagte der Landtagsabgeordnete Martin Rivoir und bot Bernickel seine Unterstützung an. Dieser hatte seine Kandidatur selbstbewusst so begründet: „Inzwischen ist der Junge 18 Jahre alt, groß gewachsen und macht sein Abitur. Aber das Wichtigste ist: er lebt und brennt für die Politik wie kaum ein anderer. Der Junge aus der Geschichte bin ich, und Politik ist mein Leben.“ In die SPD sei er eingetreten, so der kaum erwachsene Kandidat für den Vorsitz im Kreisverband, weil sie eine Partei sei, welche die Probleme der Gesellschaft erkannt habe und nach Lösungen strebe.

Wie der legendäre Phönix aus der Asche könne die SPD wieder auferstehen, ist Julius Bernickel überzeugt. Mit der SPD als Initiator könne in Deutschland so etwas entstehen wie das Mouvement „République en marche“ des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Voraussetzung dafür, so Bernickel, sei, dass die SPD die Anliegen der Menschen aufgreife und eine Vision ihres Ziels in den Raum stelle. Den Mehrheitsbeschluss der SPD für eine große Koalition mit den Unionsparteien nannte der neue Kreisvorsitzende eine demokratische Entscheidung, mit der man leben müsse. Er spricht sich für die Beibehaltung der in der Partei bewährten Diskussionskultur aus.

Gute Arbeit bescheinigt Julius Bernickel dem Alb-Donau-Kreis beim Breitbandausbau. Die SPD solle allerdings für ein schnelleres Vorankommen sorgen. Im öffentlichen Nahverkehr sieht er Aktionsbedarf beim beschlossenen Regio-S-Bahn-Konzept und bei den Omnibusanbindungen der Dörfer an die Städte. Auch im Bereich der Alterspflege möchte er Verbesserungen durchsetzen, und hofft, mit dem guten Altersgemisch im Kreisvorstand in den kommenden zwei Jahren einiges erreichen zu können.

Zu Stellvertretern des Vorsitzenden wählten die Mitglieder Monika Späth aus Dornstadt und Stephanie Bernickel aus Ehingen, zum Kassenverwalter Jonas Unterricker aus Kirchen und zum Schriftführer Benjamin Hampel aus Blaustein. Beisitzer sind Regine Lieb aus Lonsee, Carsten Held aus Blaubeuren, Michael Kühnemund aus Blaubeuren, Hans Lampe aus Langenau und Lisa Späth aus Beimerstetten.

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