Ehinger Grünen-Chef hilft Flüchtlingen auf Lesbos

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Der Ehinger Benedikt Maier (links) bereitet auf Lesbos zusammen mit anderen Freiwilligen Essen für die vielen Flüchtlinge zu.
Der Ehinger Benedikt Maier (links) bereitet auf Lesbos zusammen mit anderen Freiwilligen Essen für die vielen Flüchtlinge zu. (Foto: Fotos: pr)
Schwäbische Zeitung
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Die Lage auf den Inseln vor der türkischen Küste ist seit Wochen extrem angespannt – vor allem auf der griechischen Insel Lesbos kommen immer wieder neue Flüchtlinge an. Die Behörden dort sind überfordert, die Inselbewohner ratlos. Mittendrin als freiwilliger Helfer ist der Ehinger Benedikt Maier, der seit dem 3. Oktober zehn Tage lang dort auf eigene Kosten helfen möchte.

„Ich habe über Twitter nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich mich in der Flüchtlingshilfe engagieren kann. Dann bin ich auf einen Hinweis zu der Insel Lesbos gestoßen, weil dort vieles im Argen liegt“, erklärt Benedikt Maier, der noch bis zum 13. Oktober auf der Insel ist. Spontan hat der Ehinger dann auf eigene Faust und Kosten einen Flug und ein Hotel gebucht – und ist nun seit dem 3. Oktober mittendrin im europäischen Flüchtlingsdrama. „Es gibt hier keine Organisation, die sich um die Menschen kümmert. Es gibt lediglich ein Lager, rund fünf Kilometer vom Hafen entfernt“, sagt Maier. Viele der Flüchtlinge, die am Hafen auf der Insel Lesbos ankommen, haben den Weg über die Türkei nach Griechenland gefunden. „Von dort aus hoffen alle, weiter nach Athen zu kommen, um dann weiter ins restliche Europa zu ziehen“, erklärt Benedikt Maier. Die Situation am Hafen sei indes total unübersichtlich. „Die Dimensionen der Flucht am Hafen sind extrem. Die meisten Flüchtlinge kommen mit kleinen Booten aus der Türkei an. Am Hafen selbst gibt es beispielsweise kein Militär und keine Polizei, die sich um die ankommenden Menschen kümmern“, erklärt Maier.

Diese Aufgabe übernehmen die vielen freiwilligen Helfer, die laut Maier aus der ganzen Welt nach Lesbos gekommen sind, um sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. „Neben vielen Griechen sind US-Amerikaner, Briten, aber auch Dänen und Deutsche unter den Helfern“, sagt Maier. Viele Freiwillige, so Maier, bleiben für ein paar Tage, andere, wie er, haben sich dazu entschlossen, zehn Tage oder mehr zu helfen. Zu den Hauptaufgaben, die Maier zu bewältigen hat, gehört die Essensversorgung der Flüchtlinge. „In unserem Helfercamp kochen wir für die Menschen und bringen das Essen dann mit gemieteten Autos zum Hafen“, erklärt der Ehinger Student.

Am Hafen selbst kommt Maier dann immer wieder mit den Flüchtlingen ins Gespräch, redet über die Flucht und die Einzelschicksale der Menschen, die alle für die Hoffnung auf ein besseres und friedliches Leben ihre Heimat aufgegeben haben. „Bisher war jedes Gespräch für mich eine bereichernde Erfahrung. Die Menschen am Hafen sind alle freundlich und vor allem dankbar, dass ihnen geholfen wird. All diese Menschen befinden sich an keinem schönen Zeitpunkt ihres Lebens“, betont der Ehinger.

Als Deutscher werde er zudem immer gefragt, wie es denn in Deutschland ist. „Die Flüchtlinge haben gehört, dass Deutschland alle aufnimmt. Darum ist Deutschland immer auch ihr erstes Ziel. Oft erwarten die Menschen von mir als Deutschem, dass ich ihnen eine definitive Aussage darüber machen kann. Ich weiß aber auch, dass Deutschland an der Grenze der Aufnahmekapazität ist. Deswegen versuche ich immer, diplomatisch zu antworten“, so Maier.

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