Ehinger Einzelhandel legt um Millionen zu

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IHK-Studie: Besucherzahlen in Innenstädten
Viele Städte der Region werden nach Messungen der IHK besser besucht - ausgerechnet für eine Großstadt gilt das nicht.
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Die Innenstädte der Region stehen vor großen Veränderungen. Sie sind „unter Zugzwang“, wie die IHK Ulm in ihrem aktuellen Einzelhandelskompendium, das alle fünf Jahre erscheint, deutlich macht. Analysiert wurden 18 Kommunen im Bereich der IHK Ulm, darunter auch die Große Kreisstadt Ehingen.

Ehingen ist mit 25796 Einwohnern die größte Stadt im Alb-Donau-Kreis und gilt aus Sicht der IHK als klassisches Mittelzentrum. Der Einzelhandel hat in Ehingen drei Hauptstandorte. Neben der Innenstadt den Bereich um Möbel Borst und das Alb-Donau-Center mit benachbartem Handel (Baumarkt und Modepark). Darüber hinaus gibt es noch den Bereich Adolffstraße, der laut Genehmigungsverfahren zur Innenstadt zählt. „Wir rechnen dieses Gebiet in unserer Untersuchung nicht zur Innenstadt, da es auf der anderen Seite der Bahnlinie liegt und es daher kaum fußläufige Beziehungen zur Innenstadt gibt. Darüber hinaus gibt es in Ehingen weitere Streulagen, meist mit Sortimenten der Nahversorgung“, sagt Röll.

Zentralität steigern

Ehingen konnte die Zentralität gegenüber der letzten Untersuchung um 21,8 Punkte auf 182,2 steigern. Eine Steigerung in dieser Größenordnung ist ungewöhnlich. „Das ist eine super Zahl. Ehingen hat die höchste Zentralität im Alb-Donau-Kreis. Einfacher gesagt, Ehingen holt weitaus mehr Geld in die Stadt, als die Bürger Ehingens ausgeben könnten“, erklärt Röll den hohen Wert. Bei 25 Millionen Euro Kaufkraftzuwachs gegenüber dem Jahr 2013 konnte der Handel seine Umsätze in Ehingen um 60 Millionen Euro steigern. „Dies dürfte in erster Linie auf höhere Umsätze in den Bereichen Alb-Donau-Center und Möbel Borst zurückzuführen sein. Flächenerweiterungen trugen nur im geringeren Maß zur Steigerung bei. Durch die starken Standorte im Außenbereich trägt die Innenstadt nur zum Teil zur erfreulichen Entwicklung bei“, so der Einzelhandelsexperte, der betont: „Diese Zahl ist ausschließlich für den Einzelhandel. Autohäuser, als Beispiel, rechnen wir da nicht mit rein.“

In unserem Vergleich liegt die Ehinger Innenstadt im Bereich Mode, Schuhe und Sport an vierter Stelle“

Während die Frequenz an einem Donnerstag mit 4522 Passanten fast identisch mit der Zählung aus dem Jahr 2013 ist, ist der Samstagwert mit 3737 Passanten um 62 Prozent höher ausgefallen. „Dabei scheint es sich nicht um eine generelle Steigerung zu handeln. Einige Innenstadthändler klagen über fehlende Frequenzen und Frequenzabbrüche abseits des Marktplatzes und eine Verkürzung der Lauflage. Besonders betroffen ist die Hauptstraße ab dem Landratsamt. In unserem Vergleich liegt die Ehinger Innenstadt im Bereich Mode, Schuhe und Sport an vierter Stelle“, macht Röll deutlich.

Dennoch ist die Innenstadt ein beliebter Treffpunkt. Feste und Aktionen werden gut angenommen. Beispielhaft sei das Filmfestival auf dem Marktplatz, das zwar laut Röll keine Kunden bringt, aber die Innenstadt als Ziel in den Fokus rückt. Um Verbesserungen voranzubringen, hat die Stadt einen „Dialog Innenstadtentwicklung“ begonnen. Vertreter von Stadt, Handel und Gastronomie diskutieren die Probleme und suchen nach Lösungen für die Innenstadt der Zukunft. „Im Prinzip können wir sagen, dass der Ehinger Einzelhandel gegenüber dem Jahr 2013 60 Millionen Euro mehr in der Kasse hat“, sagt Röll, der sich durch den Bau der Volksbank-Höfe in der Innenstadt eine noch höhere Frequenz verspricht. „Davon sollten wir schon ausgehen. Die Volksbank-Höfe werden die Innenstadt stärken. Wichtig ist, dass dort aber der Branchenmix stimmt, ansonsten wird der Umsatz nur verlagert“, sagt Röll.

Experiment in Ehingen

Der Experte kann sich in Ehingen auch ein Experiment vorstellen. „Ehingen ist groß genug, um über pfiffige Ideen nachzudenken. In der Innenstadt würde ich mir ein Experimentierfeld wünschen. Sprich einen Laden, der nur für drei Monate vermietet wird. Klappt diese Geschäftsidee dann, kann der Laden an anderer Stelle in Ehingen dauerhaft betrieben werden. Das nennt sich Pop-Up-Store und wird bereits erfolgreich betrieben“, so Röll.

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