Ehingens Oberbürgermeister spricht über die anstehende Wahl

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Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann an seinem Schreibtisch im Rathaus.
Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann an seinem Schreibtisch im Rathaus. (Foto: SZ- götz)
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Seit acht Jahren ist Alexander Baumann nun Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Ehingen. Am 23. September ist in Ehingen wieder OB-Wahl, bei der Baumann sich zur Wiederwahl stellen wird. Im großen SZ-Interview mit SZ-Redaktionsleiter Tobias Götz spricht das Stadtoberhaupt über aktuelle Themen, wirft aber auch einen Blick auf seine erste Amtszeit und in die Zukunft der Donaustadt.

Herr Baumann, beginnen wir mit den aktuellen Dingen, die Ehingen beschäftigen. Das Bauvorhaben in der Unteren Stadt neben dem Hotel Adler liegt auf Eis. Sie haben immer davon gesprochen, dass das die Initialzündung zur Wohnbebauung der Unteren Stadt ist. Wie sehr nervt Sie es, dass dort nichts passiert?

Zunächst einmal sind wir nicht mehr Eigentümer des Grundstücks, sondern haben dieses vor geraumer Zeit an den Investor, ein renommiertes Unternehmen aus Ulm, verkauft, damit er dieses mit Wohnungen bebaut. Dass das Grundstück nun brach liegt, kann kein Dauerzustand sein. Ich bin enttäuscht, dass gegebene Zusagen nicht eingehalten wurden und derzeit nichts vorangeht.

Was ist mit den Grundstücken unterhalb der Liebfrauenkirche und gegenüber des Adlers?

Die Hauptstraße 177/179, also das Grundstück unterhalb der Kirche, wird in naher Zukunft bebaut. Da geht es in den nächsten Wochen mit der Wohnbebauung los. Das Grundstück gegenüber dem Hotel Adler muss man im Kontext mit weiteren Gebäuden betrachten.

Das Thema Wohnraum ist nicht nur in Ehingen ein Top-Thema. Können Sie es daher verstehen, dass sich im Gemeinderat eine größere Diskussion um das Brotbeck-Projekt auf dem Schelle-Areal entwickelt hat?

Wenn jemand innerorts Wohnraum schaffen möchte, wird das von mir natürlich positiv gesehen. Dass es über das Vorhaben eine Debatte gab, kann ich angesichts der für Ehingen nicht alltäglichen Dimension nachvollziehen. In der ganzen Diskussion um das Brotbeck-Projekt im Gemeinderat kam mir zu kurz, dass hier auch in Teilen sozialgeförderter Wohnraum geschaffen wird. Wir haben aber trotz einer Diskussion über andere Details eine klare Mehrheit im Gemeinderat für dieses Vorhaben, das genau an dieser Stelle richtig und gut ist.

Das Zeppelingelände ist fast bebaut, für mehrgeschossigen Wohnraum in der Nähe der Innenstadt wird es langsam eng. Nun wurde das Bauhof-Gelände ins Spiel gebracht.

Ganz bebaut ist das Zeppelingelände noch nicht. Wenige Flächen sind noch frei. Das Bauhof-Gelände ist einer Prüfung unterzogen worden. Wir haben berechnet, was eine komplette Verlegung des Bauhofs kosten würde und welche Verkaufserlöse sich aus dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück ergeben könnten. Wirtschaftlich ist das nicht darstellbar und deshalb werden wir in der nächsten Gemeinderatssitzung über den Bauhof beraten.

Wo sehen Sie perspektivisch Wohnbebauung in Stadtnähe?

Naja, das letzte große zusammenhängende Grundstück ist das ehemalige Schlecker-Areal an der Alamannenstraße. Das Grundstück gehört der Stadt. Konkrete Planungen dafür gibt es aktuell aber nicht, zumal an etlichen anderen Stellen in der Stadt Wohnungen gebaut werden.

Das Landwirtschaftsministerium hat vor wenigen Tagen die Diskussion über innerstädtische, unbebaute Grundstücke ins Rollen gebracht. Hier war sogar von Enteignung die Rede.

Von Enteignung halte ich prinzipiell nichts. Wir haben in Ehingen beispielsweise unbebaute Grundstücke in älteren Wohngebieten wie am Längenfeld oder im Berkacher Grund. Diese Flächen wurden in den 70er- und 80er-Jahren gekauft und zum Teil gegen Bauplätze getauscht, ohne Bauzwang. Einige Eigentümer behalten nun diese Bauplätze entweder für die Enkel oder sagen sogar, dass sie aktuell nicht wissen, was sie mit dem Geld machen würden.

Der aktuelle Bauboom fordert auch Ihre Verwaltung – speziell natürlich das Bauamt.

Das stimmt. Zum Durchschnaufen bleibt aktuell wenig Zeit. Gerade beim Bau sind auch die Anforderungen gestiegen. Die Genehmigungsverfahren werden komplexer, die Rechtsvorschriften nehmen zu. Trotz der vielen Arbeit ist es natürlich erfreulich, dass viele Menschen in Ehingen bauen und wohnen möchten. Das zeigt, dass die Stadt attraktiv ist. Bereits mit dem Stellenplan 2018 haben wir auf einen Engpass reagiert und eine zusätzliche Stelle im Bauamt geschaffen.

Wie schauts im Rosengarten aus?

Es entstehen im vierten Bauabschnitt gerade rund 50 Bauplätze. Zusammen mit den Teilorten kommen wir aktuell auf rund 80 Bauplätze, die erschlossen werden. Die Nachfrage ist so hoch, dass wir intern schon am fünften Bauabschnitt planen.

Lange war der Breitbandausbau ein großes Thema. Mittlerweile scheint es so, als ob das alles nebenher läuft.

Der Breitbandausbau ist eine große Infrastrukturmaßnahme und bindet Kapazitäten - das ist klar. Aber ich bin sehr froh darüber, wie es läuft. Aktuell laufen die Leitungen von Kirchen bis nach Dächingen, dort geht es weiter nach Frankenhofen. Im Prinzip kommen jeden Tag viele Meter Leerrohre und Glasfaser dazu.

Beim Blick aus Ihrem Fenster sehen Sie die große Baustelle der Donau-Iller Bank, die dort die Volksbank-Höfe entstehen lassen wird. Was erhoffen Sie sich von diesem innerstädtischen Projekt?

Ich lege große Erwartungen in das Projekt und verbreite auch überall großen Optimismus. Ich freue mich auf weitere Gastronomie, die sicher den Marktplatz beleben wird und die dort entstehenden Wohnungen. Ebenso gut ist es, dass die Bank das Bucks Höfle mit einbezieht und noch attraktiver machen möchte. Das ganze Projekt wird der Innenstadt eine Steigerung der Attraktivität bringen.

Herr Baumann, Sie sind nun seit acht Jahren Oberbürgermeister der Stadt Ehingen und möchten dies gerne weitere acht Jahre sein. Vor acht Jahren war das Thema Bürgerbeteiligung ein zentrales Wahlkampfthema von Ihnen.

Und das ist mir auch heute noch extrem wichtig. Immer dann, wenn bei großen Themen Bürgerbeteiligung notwendig ist, machen wir das auch, beispielsweise jüngst bei der Diskussion um den neuen Liebherr-Parkplatz. Aber auch bei kleineren Dingen, wie beispielsweise beim kleinen Waldstück am Büchele, war es mir wichtig, die Bürger über das zu informieren, was wir dort tun. Es gibt aber auch Verfahren, bei denen wir nicht jeden nach seiner Meinung fragen können. Wir behalten weiterhin das Gemeinwohl im Blick und stellen Individualinteressen hinten an. Mit den Konzepten zur familienfreundlichen Stadt, dem Stadtentwicklungskonzept oder der Nachhaltigen Stadt haben wir viele Bürger bei den ganzen Prozessen mitgenommen und werden das auch in Zukunft tun.

Gibt es in den vergangenen acht Jahren Leuchtturmprojekte, die Ihnen spontan einfallen?

Schon bei meinem Amtsantritt war der Wunsch aus der Bevölkerung nach einem Bürgerhaus vorhanden. Das haben wir mit der Oberschaffnei umgesetzt. Wir haben diesen Wunsch als zentrales Anliegen der Bürgerschaft erfasst und umgesetzt. Auch dass Ehingen nachhaltiger wird, stand in meinem Wahlprogramm von vor acht Jahren. Mit der Nachhaltigen Stadt als komplexes Thema haben wir da einen großen Schritt gemacht. Wir haben viele Photovoltaik-Anlagen auf den städtischen Gebäuden installiert, betreiben Blockheizkraftwerke oder Holzhackschnitzelanlagen. Unseren Fuhrpark haben wir um E-Mobilität erweitert. Es wird also viel in Ehingen getan. Und mit dem Businesspark haben wir gezeigt, dass wir auch auf unerwartete Herausforderungen reagieren können.

Abbau der Schulden stand auch in Ihrem Wahlprogramm. Das hat ganz gut funktioniert.

Den 17. Dezember 2013 werde ich deswegen auch nie vergessen. Denn seit diesem Tag ist Ehingen schuldenfrei.

Als Sie vor acht Jahren angetreten sind, standen Dinge wie das Kinderhaus Rosengarten noch längst nicht auf der Agenda.

Ja, gerade im Betreuungsbereich hat sich viel verändert. Wir haben das Kinderhaus im Rosengarten gebaut und schon erweitert, das Projekt mit der Erweiterung des Kindergartens Ulrika Nisch auf den Weg gebracht. Durchgängige Betreuung von 7 bis 17 Uhr ist Realität. All das führt dazu, Familie und Beruf besser vereinbaren und Ehingen zurecht eine familienfreundliche Stadt nennen zu können.

Auch in Ihrem Wahlprospekt stand, dass Sie die Chancen des Biosphärengebiets nutzen wollen.

Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern auf der Alb ist uns das glaube ich ganz gut gelungen. Alleine wenn man sieht, wie sich der Besinnungsweg und das Infozentrum in den vergangenen Jahren entwickelt haben und welche Wertigkeit die Alb bekommen hat, ist das eine schöne Bestätigung.

Als Sie 2010 Oberbürgermeister von Ehingen wurden, konnten Sie, wie viele andere, nicht ahnen, dass das Drogeriemarktimperium von Anton Schlecker im Jahr 2012 zusammenbricht und Pleite geht. Wie schaut es jetzt, sechs Jahre später, aus?

Damals war das für uns alle ein Schreck und Schock, denn zunächst wussten wir nicht, was die Schlecker-Pleite für unsere Stadt bedeutet. Heute, sechs Jahre später, können wir feststellen, dass wir aus der Krise eine Chance für uns genutzt haben.

Dann wurde das Projekt Business-Park Ehingen Donau (BED) auf den Weg gebracht. Bis heute hält die Stadt 51 Prozent der Anteile. War die Entscheidung, die Schlecker-Konzernzentrale zu kaufen, die schwierigste ihrer bisherigen Amtszeit?

Es war jedenfalls eine Entscheidung die erheblicher Vorarbeit bedurfte und es mussten neue Wege beschritten werden, die nicht frei von Risiken waren. Heute können wir sagen, dass wir die absolut richtige Entscheidung getroffen haben.

Es kursieren Gerüchte in Ehingen, wonach die Stadt ständig Geld in den laufenden Betrieb des BED nachschießen muss. Stimmt das?

Nein. Wir geben kein Geld in den laufenden Betrieb. Wir haben unsere 51 Prozent. Und diese 51 Prozent haben sich, wenn man es genau betrachtet, in ihrer Werthaltigkeit deutlich erhöht. Das Unternehmen BED läuft sehr gut und in absehbarer Zeit wird es schwarze Zahlen schreiben. Und das nach wenigen Jahren am Markt.

Hätten sie vor acht Jahren gedacht, dass wir in Ehingen eine Halle wie die am Johann-Vanotti-Gymnasium haben werden?

Nicht wirklich. Wobei 2010 schon klar war, dass der Bedarf in Ehingen vorhanden ist. Der Alb-Donau-Kreis mit seinem Bedarf und seiner Beteiligung für die beruflichen Gymnasien hat die Erweiterung beschleunigt. Die Halle ist ein deutlicher Gewinn für die Sportstadt Ehingen.

Vieles ist in den acht Jahren sehr gut gelaufen. Was war indes Ihr größter Tiefschlag während Ihrer ersten Amtszeit?

Einen richtigen Tiefschlag hat es meiner Meinung nach in den acht Jahren nicht gegeben. Es gab Phasen, in denen meine Arbeit schwieriger war, beispielsweise, als wir eine Zeit lang gleichzeitig ohne Stadtbaumeister und Kulturamtsleitung auskommen mussten. Das war von der Arbeitsbelastung her grenzwertig.

Was hat Sie in den vergangen acht Jahren geärgert?

Dass die Entwicklung in der Unteren Stadt nicht so schnell gegangen ist, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Ist das eines der größeren Vorhaben, sollten Sie wiedergewählt werden?

Auf jeden Fall. Die Entwicklung der Unteren Stadt, aber auch der Ehinger Innenstadt, wird uns intensiv in der Zukunft beschäftigen und ich bin überzeugt, dass die Entwicklung unserer Ortsteile in den Innenbereichen noch vorangetrieben werden kann.

Die Innenstadt Ehingens ist doch gut aufgestellt. Ein ordentlicher Branchenmix, kaum Leerstände und sogar ein Mix aus Filialisten und inhabergeführten Geschäften.

Das stimmt schon, dennoch müssen wir auch die Innenstadt ständig weiter entwickeln und ihre Chancen nutzen. Gemeinsam mit den Geschäften und der Gastronomie müssen wir dafür sorgen, dass die Innenstadt lebendig bleibt.

Können Sie da konkreter werden?

Wir führen derzeit intensive Gespräche mit dem Handel und der Gastronomie. Dabei geht es um Dinge wie der Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Konkrete Planungen werden aus dem Ideenpool entwickelt, liegen aber noch nicht vor. Es gibt vielversprechende Ansätze.

Herr Baumann, die Anzahl Ihrer Gegenkandidaten hält sich derzeit in Grenzen. Bisher sind Sie der einzige Bewerber. Wie sieht denn Ihr Wahlkampf aus?

Unabhängig von der Zahl der Bewerber wird es zur Wahl wieder ein Prospekt geben, das aktuell in Arbeit ist. Gegen Ende der Ferien werde ich meine Dialogtour starten und dabei auf die verschiedensten Arten und Weisen mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Das kann klassisch in einer Wirtschaft sein, oder auch bei einer Radtour.

Wann ist die offizielle Kandidatenvorstellung in der Ehinger Lindenhalle und wann endet die Bewerbungsfrist?

Am 12. September ist Kandidatenvorstellung in der Lindenhalle. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 28. August.

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