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Mit dem Glombigen Doschdig hat die Hochzeit der Ehinger Fasnet begonnen. Die Narren in Kügeleshausen sind los.

Bereits am frühen Morgen purzelten die Realschüler höchst aufgekratzt geschminkt und im Häs aus dem Schulbus, um es mit den Ehinger Narren in der Schule mal so richtig krachen zu lassen. Doch erst musste zwei Stunden normaler Unterricht durchgestanden werden, ehe der Spaß begann. Die Narrenzunft Spritzenmuck in großer Besetzung mit Narrenrätin Elvira Mall und dem Spritzenmuck an der Spitze ging zuerst in die Klassen, um über die Ehinger Fasnet zu informieren. Doch dann endlich – die Matemusiker zogen von Klassenraum zu Klassenraum und holten die Schüler ab in die Mensa. Dort schunkelten Rektor Alexander Bochtler, sein Konrektor Markus Brenner mit den Narren zu den Ehinger Fasntesliedern, die Schüler taten es ihnen gleich. „Fasnet ist Spaß und Freude, keine Sauferei“ gab ihnen Elvira Mall noch mit auf den Weg. Und ab ging es für die Schüler in die Freiheit.

„Es ist Fasnet und heut gibt’s Freibier“, so begrüßte Braumeister Ulrich Zimmermann die Narren beim Empfang in der Berg Brauerei. Die Biersteuer werde aber trotzdem beglichen, sagte er – wer also wolle, dass es dem Land gut gehe, der solle viel trinken. Zunftmeister Peter Kienle bedankte sich im Namen der Narrenzunft Spritzenmuck für die Gastfreundschaft Jahr für Jahr. Dann spielte die Mate-Kapelle auf und es wurde geschunkelt, getrunken und die Narren stärkten sich mit Leberkäswecken für einen fulminanten Glombigen.

Mit einem ganz neuen Treibstoff sind die Büttel mit ihren Dixies beim Landratsamt erheblich flotter als früher vorgefahren. Es handelt sich um ein Gemisch aus Wasser, Alkohol, Kohlensäure mit Schwarzwurst durchsetzt, haben sie Landrat Heiner Scheffold und der neuen Chefin der Zulassungsstelle Jasmin Barth erzählt. Seine besondere Spritzigkeit bekommt er durch ein spezielles Büttel-Enzym. „Die Zeiten des Verbrennungsmotors sind endgültig vorbei“ haben sie erkannt und sich an die Forschung gemacht. Scheffold warnte, „wenn der neue Treibstoff stinkt, geben wir sofort Feinstaubalarm.“ Die Damen von der Zulassungsstelle wollten zuerst mal die Fahrtauglichkeit der Büttel testen und mixten einen besonderen Drink für sie – ebenfalls aus Bier und Schwarzwurst – und servierten den in Likörgläschen mit einem hübschen Schirmchen verziert, aber ein echter Büttel schluckt klaglos wirklich alles. Für 40 Jahre bei den Bütteln wurden Johannes Locher und Matthäus Romer ausgezeichnet, Mark Banderitsch bekam den Wanderorden vom rollenden Reifen.

Das Finanzamt war die nächste Station der Büttel, um ihre Kfz-Steuer zu entrichten. Sehr peinlich war es ihnen, dass in den vergangenen Jahren aus ihren Reihen jemand Geld zur Seite geschafft hatte, vielleicht sei auch jemand von Finanzamt beteiligt gewesen, vermuteten sie. Auf jeden Fall sprangen, als ein Taxi kam, eilends einige Büttel hinein und brausten davon. Spürnasen wurden unter den Bütteln gesucht, die bei der Suche nach Panama-Papers behilflich sind. Mit einem Test sollte eine Auswahl getroffen werden, Aspiranten mussten blind in verschiedenen Schachteln tasten, Watte, Unterhosen, Papierschnitzel, Klopapier, BHs, Watte und Papier gab es zu fühlen. Finanzamtchef Hubert Schelkle war so begeistert von dem Testergebnis, dass er beinah vergaß, den Bütteln die Kfz-Steuer abzuknöpfen, wenn Joachim Schmucker ihn nicht erinnert hätte.

Hunderte von kunterbunten Mäschkerle waren zur Kinderfasnet in die Lindenhalle gekommen. Mit Bebbe Manz sangen sie das Matelied, übten die Narrenrufe der einzelnen Gruppen und begrüßten begeistert den Pfannamate, der ihnen reichlich Kügele zuwarf. Auch Spritzenmuck und Gefolge sowie die Kügele und Hexen schunkelten zusammen mit den kleinen und größeren teilweise sehr phantasievoll kostümierten Kindern. Tessa Bottenschein und Thommy Kramer kündigten eine große Süßigkeiten-Party an – zum Schluss bekamen die Kinder vor der Bühne einen wahren Bonbonregen ab. Die Dämonenkinder waren zu einer Räuberbande geworden und tanzten um ein Feuer einen wilden Räubertanz. Zum Narrensamen der Kügele hatten sich die Muckenspritzer- Büttel- und Matekinder gesellt, zusammen haben sie eine ganz leckere Fasnetsuppe gekocht. Die größeren Kügele luden ein zur Beach-Party am Planschbecken. Die wilden Weiber luden zu einer Bam-Bam-Party ein, die Jungdämonen machen Party zu allen fünf Jahreszeiten, im Frühling mit ganz viel Verliebtsein und Herzblubbern, im Sommer am Strand, im Regen im Herbst und beim Skifahren im Winter. Die allergrößte Party aber wird zur fünften Jahreszeit gefeiert, wenn es aus dem Lautsprecher tönt, „da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt“.

Für 16 Uhr hatten die Büttel am Marktplatz ein besonders Event angekündigt. Ein Thronsessel wurde vor dem Rathaus installiert, ein Schild forderte auf: „Beschützt die Erde, es ist der einzige Planet, auf dem es Bier gibt“. Raketen verkündeten den Beginn des Spektakels: Star Wars auf Büttel zugeschnitten. Planet Prost mit der Bierhauptstadt Kügeleshausen wurde von einem mächtigen König regiert, der allein die Bierrezeptur besaß. Vom Rathausbalkon gab es Regieanweisungen für die Zuschauer, die das Volk des Königs darstellten. In der zweiten Szene war ein Überfall von Darth Vader geplant, der das Bierrezept erobern wollte, in der dritten Szene stürzte feindliche Agenten in den Thronsaal. Doch die Schlönis auf Pferd, Schwan und Adler retten König und Bierrezept. Mit einem Freudefeuerwerk und einem kräftigen Schluck Bier wurde das gefeiert.

Eine richtige Blamage haben die Muckenspritzer wieder am Ochsenberg erlebt. Als das kleine Mädchen dem Spritzenmuck zurief, dass das doch nur Mucken sind, die um den Liebfrauenturm schwirren, stellten die Muckenspritzer wie die Feuerwehrmänner vor 159 Jahren die Löschversuche ein und zogen blamiert von dannen. Zusammen mit der Mate-Kapelle und dem Spielmannszug schunkelten sie mit den Kügele und den Hexen, bis es Richtung Marktplatz ging.

Dort schlug dann die Stunde der Kügele, die mit ihrem Tanz auf den Höhepunkt des Abends einstimmten: das Zeremoniell zum Erwecken des Groggadälers, der in den Untiefen des Groggensees schlummert.

Tausende Zuschauer waren rund um den Groggensee versammelt, um den Höhepunkt der Ehinger Fasnet zu verfolgen, die Ausgrabung am Ehinger Groggensee. Zusammen erweckten die Anwesenden den Groggadäler, in Booten durchsuchten die Dämonen mit Fackeln den See. Die Wilden Weiber stärkten das Untier mit ihrem leuchtenden Trank, den sie zuvor zubereitet hatte – der Dämonenchef war wiederhergestellt. Dann erleuchtete ein fulminantes Feuerwerk den Himmel über Ehingen.

Dann wurde der Schultes Alexander Baumann entmachtet. Er übergab dem Spritzenmuck den Rathausschlüssel und die Hexen räumten das Rathaus. Jetzt nahm die Party in Kügeleshausen seinen Lauf.

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