Ehingen ist eine nach Plan angelegte Stadt

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Reinhold Ege informierte über die Stadtgeschichte.
Reinhold Ege informierte über die Stadtgeschichte. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Den Rahmen des angekündigten Stammtischs der Ehinger Museumsgesellschaft gesprengt hat der Andrang am Mittwoch im voll besetzten großen Nebenzimmer des Gasthauses Schwert. Rund 60 an der Geschichte ihrer Stadt interessierte Ehinger ließen sich durch Reinhold Ege von der planmäßigen Anlage im Mittelalter überzeugen.

30 Jahre arbeitete der 1948 in Ehingen geborene Reinhold Ege in Sindelfingen als Stadtplaner. Im Lauf seines Studiums kamen ihm 1975 Zweifel an der gängigen Meinung, die untere Stadt sei der ursprüngliche Teil Ehingens. Auf dem Gänsberg hat er das 961 in einer Tauschurkunde des Bistums Chur und des Klosters Schwarzach erwähnte Ehinga als schon annähernd 200 Jahre vor der Stadtgründung bestehendes Marktdorf verortet.

Damit tritt Ege der von dem Heimatforscher Franz Michael Weber in seinem 1955 erschienenen Buch „Ehingen. Geschichte einer oberschwäbischen Donaustadt“ vertretenen Auffassung entgegen, das heutige Ehingen sei „von der wilden Wurzel hier und der überlegten Planung da“ entstanden und die Ansiedlung habe sich in der Schmiechniederung an der Stelle der heutigen Unteren Stadt befunden. Gestützt sieht sich Reinhold Ege durch das 2001 erschienene Buch „Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung“ von Klaus Humpert und Martin Schenk. Darin vertritt der mehrfach preisgekrönte Architekt Humpert die These, mittelalterliche Städte seien nicht „natürlich“ gewachsen, sondern von Städtebauern nach einem festgelegten Schema geplant worden. Im Jahr 1990 hatte Humpert im Stadtgrundriss von Freiburg Messspuren, Modulreihen und Radien entdeckt, die er als Hinweis verstand, dass geometrische Messstrukturen dem Stadtgrundriss zugrunde liegen. Untersuchungen in anderen mittelalterlichen Städten zeigen nach Humpert dieselben oder ähnliche geometrische Phänomene. Die Schlussfolgerung ist Ergebnis der Untersuchung von Städten wie Freiburg, Villingen, Offenburg, Rottweil, Esslingen am Neckar, München und Lübeck.

Reinhold Ege geht davon aus, dass ein Graf von Berg zur Stadtplanung einen Geometer das ebene Gelände oberhalb des Schmiechtals und nordöstlich des Dorfes Ehinga mithilfe der Viertelsmethode auf einem Dreieck vermessen ließ. Dabei sei zur Absteckung rechter Winkel das römische Vermessungsinstrument Groma benutzt worden. Ebenso sei nach 1343 die Planung der unteren Stadt mit Hilfe von Konstruktionskreisen erfolgt. Zur Nutzung als Mühlekanal habe man die Schmiech verlegt. Fernwirkung habe die geradlinige Anordnung der Ehinger Kirchen gehabt. Bei der Planung der Bahnhofstraße seien im 19. Jahrhundert noch einmal mittelalterliche Gestaltungsprinzipien zur Anwendung gekommen. „Man sieht nur, was man weiß“, gab Reinhold Ege als Begründung dafür an, dass sich die Planungsmethode bei einer Stadtbegehung nicht unmittelbar erschließt.

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