Ehingen gibt Sieg aus der Hand

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Die TSG Ehingen (am Ball Manuel Latinovic) rückt auf Rang zwei vor.
Die TSG Ehingen (am Ball Manuel Latinovic) rückt auf Rang zwei vor. (Foto: SZ- mas)

Die Bezirksliga-Handballer der TSG Ehingen haben einen Sieg im Heimspiel gegen HSG Friedrichshafen-Fischbach knapp verpasst. Die Mannschaft von Trainer Winfried Biberacher führte in dem hart umkämpften Spiel über weite Strecken und hatte kurz vor Schluss zwei Tore Vorsprung, doch den Gästen, die als Meister bereits feststanden, gelang mit dem letzten Wurf der 24:24-Ausgleich.

Die Enttäuschung und der Ärger über einen fahrlässig vergebenen Sieg sowie einige Schiedsrichterentscheidungen stand TSG-Trainer Winfried Biberacher kurz nach der Schlusssirene ins Gesicht geschrieben. Wie schon im Hinrundenduell der beiden Teams stand ein Unentschieden auf der Anzeigetafel, nachdem die Ehinger auch vor heimischem Publikum in den letzten Minuten eine Führung verspielt hatten. „Wir hatten es in der Hand“, sagte Biberacher. „Aber dann verlieren wir zweimal den Ball wegen nichts.“

Als Oskar Bachner das 23:21 erzielt und kurz darauf Simon Klug nach dem Anschlusstreffer der Gäste zum 24:22 getroffen hatte, war der Sieg 70 Sekunden vor Schluss zum Greifen nah. Doch die HSG nutzte zehn Sekunden später eine Unaufmerksamkeit zum 24:23. Bachner vergab einen Siebenmeter und damit das mögliche 25:23, kurz darauf unterband die TSG den Angriff der Gäste mit einem Foul, es gab Freiwurf fünf Sekunden vor Schluss. Ein Versuch blieb dem Tabellenführer – Klemen Kotnik warf und, noch abgefälscht von einem Ehinger Arm, flog der Ball ins Tor – 24:24.

Die Gäste jubelten, obwohl das Ergebnis für sie nur noch statistischen Wert hatte. Doch sie waren nach dem in der Vorwoche gesicherten Meistertitel nicht zum lockeren Saisonausklang in die Längenfeldhalle gekommen, die HSG wollte ihre beeindruckende Serie – neun Siege in Folge, zehn Spiele ungeschlagen, letzte Niederlage am 8. Dezember – ausbauen, das wurde schnell klar. Auf der anderen Seite stand die TSG, die darauf aus war, ihre gute Bilanz der vergangenen Wochen – fünf Siege in zuletzt sechs Partien – weiter zu verbessern.

Heraus kam eine rassige Begegnung, in der sich die derzeit stärksten Mannschaften der Liga 60 Minuten lang alles abverlangten und sich nichts schenkten. Beide Teams stützten sich auf eine starke Abwehr, wobei sich die 3:2:1-Variante der Ehinger als ebenso wirksam erwies wie die 6:0-Formation der Gäste. Gleichwohl hatte die TSG von Beginn an die Nase vorn: Tim Biberacher und Manuel Latinovic, die an diesem Abend besten Torschützen, legten zum 3:1 vor, auch beim 5:3 gab es eine Zwei-Tore-Führung, ehe Friedrichshafen-Fischbach ausglich. Wieder legte die TSG zwei Tore zwischen sich und den Gegner (7:5, 8:6), erneut zog die HSG gleich. In Rückstand geriet der Gastgeber nur einmal, beim 12:13 kurz vor der Pause. Latinovic beendete Durchgang eins mit dem 13:13.

Auch nach dem Seitenwechsel erzielte Ehingen das erste Tor, in der 40. Minute hatte man sogar erstmals drei Tore Vorsprung (18:15). Doch der Tabellenführer war nicht bereit, klein beizugeben. Die HSG wechselte wieder Torhüter David Pietsch ein, der in der ersten Halbzeit etliche Paraden gezeigt hatte – wie auf Ehinger Seite Tristan Klein und Johannes Reichle, die ebenfalls ein guter Rückhalt waren. In dieser Phase war Klein aber machtlos, die Gäste benötigten drei Minuten, um den Rückstand wettzumachen (18:18). Bis zum 21:21 legte die TSG vor, die HSG glich aus. Beim Stand von 23:21 hätten die Ehinger nach klarem Foul an Bachner einen Strafwurf erhalten müssen, doch der Unparteiische, streng im Ahnden von Meinungsäußerungen, aber großzügig bei Fouls, ließ weiterspielen. Kurz darauf, beim Stand von 24:23, erhielt die TSG doch noch einen Siebenmeter, den sie nicht nutzte. Und so ging der Mannschaft noch ein Punkt durch die Lappen.

Erneut kleines Aufgebot

Es sei am Ende auch eine Sache der Kräfte gewesen, sagte Trainer Biberacher, der erneut nur einen kleinen Kader mit acht Feldspielern hatte – kurzfristig war noch Lucas Fiesel ausgefallen. Dennoch „haben wir wieder super gespielt“, lobte Winfried Biberacher seine Spieler, die auch wieder viel Applaus vom Publikum erhielten. Auch wenn es für die TSG nicht zum Sieg gegen Friedrichshafen-Fischbach gereicht hatte, eine Belohnung gab es dennoch: Weil Ulm & Wiblingen in Lauterach verlor, rückten die Ehinger dank des besseren direkten Vergleichs an die Spitze eines punktgleichen Trios und auf Rang zwei.

Sollte Biberachers Team am letzten Spieltag bei Schlusslicht Bregenz siegen, würde die TSG die Runde auf Rang zwei beenden – es wäre das beste Ergebnis seit etlichen Jahren.

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