Drei Jahrzehnte Basketball in Ehingen

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 Die Basketballer der TSG Ehingen unter anderem mit Rolf Koch (stehend, ganz rechts) und Nico Drmota (kniend, ganz links).
Die Basketballer der TSG Ehingen unter anderem mit Rolf Koch (stehend, ganz rechts) und Nico Drmota (kniend, ganz links). (Foto: Archiv)
Hans Aierstok

Buchstäblich aus dem Nichts hat Wolfgang Reitzle Ende der 1980er-Jahre bei der TSG Ehingen die Abteilung Basketball ins Leben gerufen. Erstmals für die Saison 1988/89 wurde eine Herren-Mannschaft für den Spielbetrieb in der Kreisliga gemeldet. Hans Aierstock hat für die SZ auf den Beginn des Basketballsports in Ehingen zurückgeblickt.

In sportlicher Hinsicht war der Anfang allerdings sehr schwer. Außer dem Initiator und dann auch ersten Trainer Wolfgang Reitzle hatten die Spieler zunächst wenig Ahnung von der Sportart und es musste anfangs auch viel Lehrgeld bezahlt werden. Trotzdem war das Interesse vor allem auch bei der Jugend sehr groß. Schon in der Saison 1991/92 gab es bei der TSG Ehingen drei Aktiven- und fünf Jugend-Mannschaften. „Von den Minis bis zu den Aktiven“, freut sich heute noch Wolfgang Reitzle über die damals herrschende Resonanz. In den 90er-Jahren gelang für die erste Mannschaft der Aufstieg in die Bezirksliga.

Kurz vor der Jahrtausendwende kam dann Rolf Koch zur TSG Ehingen, dieser läutete einen weiteren Aufschwung ein. Bevor Koch beruflich zur Stadtverwaltung Ehingen wechselte, hatte er bereits eine erfolgreiche sportliche Laufbahn hinter sich. Schon mit der deutschen U16-Kadetten-Nationalmannschaft wurde er bei der Europameisterschaft 1985 Vierter, ebenfalls Vierter wurde er ein Jahr später mit der U18 ebenfalls bei der Europameisterschaft. Zwischen 1986 und 1989 spielte Koch bei Bundesligist Steiner Bayreuth, wurde mit diesem Team zweimal Pokalsieger und 1989 sogar deutscher Meister. Mit dieser Mannschaft spielte er auch im Europapokal. 1989/90 legte er ein Auslandsjahr in den USA ein, studierte am Eckerd College in Florida und spielte in der Hochschul-Mannschaft.

Im Jahr 1990 wechselte Koch nach Württemberg, spielte für den SSV Ulm in der Bundesliga, wurde mit den „Spatzen" deutscher Pokalsieger und spielte dann ebenfalls im Europapokal. Ein absoluter Glücksfall für die TSG Ehingen, dass er zu diesem Verein wechselte. Als Spielertrainer schaffte er in wenigen Jahren den Aufstieg von der Bezirksliga bis in die Regionalliga, dann als Spieler und Trainer-Assistent von Ralph Junge den Aufstieg in die zweite Bundesliga.

„Seit 2003 liegt Ehingen sportlich nicht mehr in der Provinz", titelte die Schwäbische Zeitung in ihrem Jahresrückblick im Dezember 2003. In verhältnismäßig kurzer Zeit hat sie sich in Deutschlands zweithöchste Spielklasse hoch gespielt. Sie fusionierte zum Team Ehingen Urspring. Gemeinsam mit Nico Drmota hat Rolf Koch nach seiner aktiven Zeit beim Zweitligisten Management-Aufgaben übernommen. Ein kometenhafter Aufschwung war gelungen: 2000 Landesliga, 2001 Oberliga, 2002 Regionalliga, 2003 Zweite Bundesliga. Seit dem letzten Landesliga-Spiel (gegen TS Göppingen) in der Saison 2000/2001 haben die Ehinger mit den Jumping Mosquitos auch Cheerleaders.

Zur fast gleichen Zeit wurde auch beim TSV Schelklingen die Sportart Basketball aufgenommen. Edi Gassmann schildert im SZ-Gespräch die Anfänge: „Hans Knieß war der Initiator. Wir spielten im ersten Jahr noch ohne Trainer. Und waren in der Kreisliga Punktelieferant. Unser erster Sieg gelang damals gegen Laupheim. Karl Seitz, bekannt als langjähriger Manager von Ratiopharm Ulm, unterstützte uns, denn seine beiden Söhne spielten in unserem Team, und jetzt ging es aufwärts.“

Nach drei Jahren in der Kreisliga folgten jeweils drei Jahre in Bezirks- und Landesliga. Als dann Jugendliche aus der Basketball Akademie Urspring sich dem TSV Schelklingen anschlossen und Ralph Junge das Training übernahm, spielte anschließend die SG Urspring/Schelklingen zehn Jahre in der Oberliga. Nach dem Balkankrieg kamen noch einige Bosnier zur Mannschaft. Edi Gassmann erinnert sich noch an „heiße Derbys" zwischen Urspring, TSG Ehingen und TSV Schelklingen. Die Urspringer waren inzwischen eigene Wege gegangen. Der TSV Schelklingen hatte zu dieser Zeit sogar zwei Mannschaften im Wettbewerb. Das Zuschauerinteresse war sehr groß. „Wir hatten immer eine dreistellige Zuschauerzahl in der Schelklinger Stadthalle. Ich kann mich einige Male sogar an 160 Zuschauer erinnern", so Edi Gassmann. Als man in der Achstadt den Basketball einstellte, schloss sich Bruder Werner Gassmann noch einige Zeit der TSG Ehingen an. Für Edi Gassmann bleibt nur noch die Erinnerung an eine einst erfolgreiche Zeit.

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