Die Euphorie der VfB-Fans hält sich in Grenzen

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Beim 6:0-Erfolg über den FC Nürnberg gab es für die VfB Stuttgart-Spieler (v.l. Nicolas Gonzalez, Philipp Klement und Silas Wama
Beim 6:0-Erfolg über den FC Nürnberg gab es für die VfB Stuttgart-Spieler (v.l. Nicolas Gonzalez, Philipp Klement und Silas Wamangituka) wie auch für die Fans einiges zu bejubeln. Doch insgesamt zeigen sich die Fans in der Region skeptisch, wie es mit der Mannschaft in der nächsten Saison weitergeht. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Hans Aierstok

Nur ein kleiner Schritt trennt den VfB Stuttgart vom Wiederaufstieg in die Bundesliga. Bei aller Freude über die wohl sichere Rückkehr ins Oberhaus hält sich jedoch die Euphorie einiger Anhänger in der Region in Grenzen.

Die hohen Siege gegen Sandhausen und Nürnberg decken zwar viele Enttäuschungen zu. Doch allzu oft hat der VfB Stuttgart im Laufe der Verbandsrunde und vor allem auch nach dem Wiederbeginn seine Anhänger zweifeln lassen, ob diese Mannschaft überhaupt den Willen hatte, wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Doch es gibt auch die Aussage: Der VfB gehört einfach in die Bundesliga. Die Schwäbische Zeitung hat sich deshalb bei Anhängern des VfB Stuttgart im Raum Ehingen umgehört und erfahren, wie die Stimmung ist, wie sie den wohl sicheren Aufstieg der Stuttgarter sehen und was sie sich von der kommenden Saison versprechen.

Michael Bochtler, derzeit Trainer des Verbandsligisten SSV Ehingen-Süd und von 1992 bis 1998 selbst Aktiver beim VfB Stuttgart, sagt: „Nach zwei hohen Siegen hat sich der VfB Stuttgart eine hervorragende Situation geschaffen und er wird am Sonntag gegen Darmstadt 98 einen positiven Schlusspunkt hinter die Saison setzen. Letztlich war das Ziel vom ersten Spieltag an der Aufstieg und die Verantwortlichen haben die Planung voran getrieben. Doch einige Zugänge sind notwendig, denn die Bundesliga ist ein anderes Kaliber. Der eine oder andere wird aufhören und eventuelle Lücken müssen geschlossen werden.“

Munderkingens Felix Schelkle, redet Tacheles: „Noch nie war ich von einer Saison so enttäuscht, seit ich 16 Jahre eine Dauerkarte in Stuttgart habe. Die Saison war furchtbar. Es war höchst selten eine Mannschaft und man wusste nicht, wer überhaupt der Chef war. Die Siege gegen Sandhausen und Nürnberg darf man nicht überbewerten. Mit dem Kader hat der VfB Stuttgart eigentlich nichts in der Bundesliga verloren. Zu oft waren unverständlicherweise Mario Gomez und Holger Badstuber nicht im Team. Der VfB hat 17 Punkte gegen die letzten Fünf abgegeben und an jedem Spieltag anders gespielt. Sehr oft haben Spieler ihre Leistung nicht abgerufen. Ich werde aber jetzt natürlich meine Dauerkarte verlängern, denn der Aufstieg war lebensnotwendig. Falls es wieder nicht klappt, besteht jedoch die Gefahr, dass sich einige Sponsoren zurückziehen.“

Fritz Bleher aus Ehingen, regelmäßiger Besucher der Heimspiele der TSG Ehingen, erklärt: „Ich bin etwas skeptisch, denn der VfB Stuttgart hat zuletzt gerade zwei gute Spiele abgeliefert, in sehr vielen Spielen aber enttäuscht. Ich frage mich, ob die Stuttgarter genug Geld haben, um echte Verstärkungen zu verpflichten. Die vielen Trainerwechsel haben sicher viel Geld gekostet, das jetzt fehlen dürfte. Jeder Aufsteiger hat es schwer. Der VfB Stuttgart gehört in die Bundesliga, doch ich hoffe, dass es auch der Hamburger SV noch schafft, denn auch ein Hamburger Verein muss erstklassig sein.“

Auch Altlandrat Heinz Seiffert ist erklärter Anhänger des VfB Stuttgart. Er sagt: „Ich freue mich über den nun wohl sicheren Aufstieg, doch in der zurückliegenden Saison gab es bei den Stuttgartern viel Schatten. Als Fan des VfB musste man öfters gute Nerven haben, doch: Ende gut, alles gut! In der Bundesliga wird ganz anderer Fußball gespielt und ich habe Zweifel, ob es am Ende zum Klassenerhalt reicht. Ich hoffe vor allem, dass sie jetzt auch einmal länger an ihrem Trainer festhalten. Die Spiele gegen Osnabrück und Kiel habe ich gleich gar nicht angeschaut und nach der Niederlage in Karlsruhe dachte ich, dass nun Schluss mit den Aufstiegsträumen sei. Bei den vielen Berg- und Talfahrten hatte ich manchmal den Eindruck, dass die Stuttgarter gar nicht aufsteigen wollten. Als ich nach dem 6:0 in Nürnberg noch die Schlussphase in Heidenheim im Fernsehen gesehen habe, wusste ich, dass das Ziel erreicht war. Wichtig ist nun, dass nach einem Aufstieg auch der Start in die Verbandsrunde positiv verläuft.“

Treuer VfB-Anhänger ist auch Edwin Maucher aus Ehingen. Er sagt: „Die Leistungssteigerung in den letzten beiden Spielen gegen Sandhausen und Nürnberg habe ich kaum mehr erwartet. Die Freude ist natürlich groß. Doch es wird schwierig, in der Bundesliga zu bestehen, denn die Qualität der Mannschaft ist nicht so hoch. Die Stuttgarter wurden oft mit dem Druck nicht fertig und keiner nahm das Heft in die Hand. Ohne Verstärkung kann der VfB Stuttgart in der Bundesliga nicht bestehen. Vor den beiden klaren Siegen hatte ich bei fünf Partien manchmal den Eindruck, dass die Mannschaft überhaupt nicht aufsteigen wolle. Der Trainer hat viel Arbeit an der Mannschaft vor sich. Als Anhänger des VfB Stuttgart hatte man vor allem beim Re-Start ein schweres Los. Doch jetzt bin ich froh und glücklich, dass der Aufstieg geschafft wurde. Ein guter Start wäre wichtig, dass die Mannschaft nicht gleich von Anfang an unter Druck stehen wird.“

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