Die Enttäuschung über das Play-off-Aus weicht schnell

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 Am Sonntag, zwei Tage nach dem Play-off-Aus in Heidelberg, war den Steeples die Enttäuschung nicht mehr anzumerken. Die Mannsch
Am Sonntag, zwei Tage nach dem Play-off-Aus in Heidelberg, war den Steeples die Enttäuschung nicht mehr anzumerken. Die Mannschaft kam am Sonntagnachmittag in der JVG-Halle zusammen, um gemeinsam mit ihren Fans die Saison ausklingen zu lassen. Dabei wurden auch die Trikots der Profis versteigert – das von Tanner Leissner (Mitte, hier im Gespräch mit Teammanager Nico Drmota) brachte neben dem von Rayshawn Simmons am meisten ein. (Foto: SZ- aw)

Mit der deutlichen 64:89-Niederlage am Freitagabend in Heidelberg sind die Play-offs der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA für das Team Ehingen Urspring bereits nach drei Spielen zu Ende gegangen. Unvermittelt endete für die Steeples somit auch die erfolgreiche Saison 2018/19, die man gern verlängert hätte. Doch der seit Wochen dezimierten Mannschaft von Trainer Domenik Reinboth fehlte letztlich die Kraft, um mehr zu erreichen als das Viertelfinale der Meisterrunde.

Zweieinhalb Minuten vor Schluss der dritten Begegnung der Play-offs sei ihm bewusst gewesen, dass es vorbei war, sagte Steeples-Trainer Domenik Reinboth. Verflogen war beim Stand von 56:79 die Hoffnung auf den ersten Erfolg in der Viertelfinalserie und zumindest auf ein viertes Spiel der Serie gegen Heidelberg. „Bei mehr als 20 Punkten Rückstand muss man sich der Sache stellen“, so Reinboth. Es war auch der Moment, als der Trainer Kevin Yebo und Seger Bonifant ein letztes Mal auswechselte – um ihnen den Beifall der mitgereisten Fans zu gönnen. „Das war eine Ehrung für die Spieler, die voraussichtlich in der nächsten Saison nicht mehr bei uns sind“, sagte Reinboth.

Yebo vor dem nächsten Schritt?

Gern hätte er Kevin Yebo und Seger Bonifant weiter im Team, so Reinboth. Doch die starken Leistungen in dieser Saison weckten andernorts Begehrlichkeiten – und die beiden stehen damit längst nicht die einzigen. Auch bei Aufbauspieler Rayshawn Simmons, dem besten Vorlagengeber der Liga, werde ein Verbleib schwierig werden, so der Trainer, der die weitere Entwicklung seiner Spieler bei größeren Vereinen auch befürwortet. Bonifant und Yebo, die bereits in der vergangenen Saison Teil des Teams waren, hätten es in ihrem zweiten Jahr „auf ein höheres Level“ geschafft und daher wäre ein Wechsel zu einem größeren Verein oder in eine höhere Liga der nächste Schritt.

In den Play-off-Spielen gegen Heidelberg kamen Kevin Yebo und Seger Bonifant nicht mehr an ihre Leistungen der Hauptrunde heran – wie die gesamte Mannschaft. Bonifant kam wegen seiner Knöchelverletzung nicht mehr richtig in Schwung, er wollte aber, nachdem er das erste Spiel der Serie verpasst hatte, unbedingt dabeisein. Dass er am Dienstag in Spiel zwei aufgelaufen war, und trotz der Schmerzen auch in Spiel drei am Freitag, „das war seine Entscheidung“, sagte Teammanager Nico Drmota. „Seger wollte das Team nicht im Stich lassen und das zeigt, was für ein Sportsmann er ist.“

Auch mit Bonifant war der Kader klein, mit acht Spielern war Ehingen Urspring am Freitag in Heidelberg angetreten – nicht zum ersten Mal. Seit Wochen schon treten die Steeples in kleiner Besetzung auf, mal mit sieben, mal mit acht Spielern – und das in der entscheidenden und intensivsten Phase der Saison. Das hinterlässt Spuren. Im drittletzten Hauptrundenspiel in Rostock „fing das an mit den Verletzungen und nach drei, vier Wochen kommt dann die Müdigkeit“, so Reinboth. Der Trainer versuchte gegenzusteuern, mit viel Regeneration und weniger Intensität in den Einheiten, aber die Zeit zwischen den Spielen war zu kurz und in den Partien fehlten Reinboth die Wechsel-Alternativen: So gab es für die wichtigsten Spieler kaum Verschnaufpausen. „Wenn man sieht, dass man in der Verteidigung meist einen Schritt zu spät ist, ist das ein klares Indiz dafür, dass die Luft raus ist“, sagt Domenik Reinboth.

Das beste Spiel der Steeples in den Play-offs war das erste, in dem Reinboths Team auf Augenhöhe war und noch im dritten Viertel geführt hatte. „In dem Spiel hatten wir die beste Chance zu gewinnen. Ein Sieg hätte Kräfte freigesetzt“, sagte der Trainer. Letztlich setzten sich die Academics mit 75:66 durch und entschieden dann auch das zweite Spiel in Ehingen für sich (90:79) – wobei die Heidelberger nur in den ersten Minuten in Rückstand lagen und danach die Partie im Griff hatten. Ähnlich war es am Freitag in Spiel drei, als die Steeples bis zum 9:7 vorlegten, ehe der in Bestbesetzung aufgelaufene Hauptrundenzweite den Ton angab und ungefährdet mit 89:64 gewann. „Heidelberg war in der Serie das bessere Team“, räumte Reinboth unumwunden ein.

Gemeinsam zum Essen

Auch wenn das frühe Viertelfinal-Aus der Steeples keinen der Verantwortlichen überraschte, war die Enttäuschung unmittelbar nach dem Spiel am Freitag groß. Die Stimmung sei im ersten Moment schon sehr gedrückt gewesen“, sagte Domenik Reinboth. Aber man sei dann gemeinsam in Heidelberg noch essen gegangen („Es war egal, wann wir nach Hause kommen“) und da hellte sich die Gemütslage auf, auch weil Spieler und Trainer wussten, dass man als Team mit dem Einzug in die Play-offs das beste Saisonergebnis seit einigen Jahren erreicht hatte. Reinboth: „Die Freude und der Stolz auf das Erreichte überwiegen.“

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