Die Eltern allein schaffen’s nicht

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Mann schaut in die Kamera
SZ-Redakteur Reiner Schick (Foto: SZ)
Schwäbische Zeitung

„Ich selber habe in der Donau schwimmen gelernt.“ Mit diesem verbalen Bauchplatscher hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Frühjahr für (Negativ)-Schlagzeilen gesorgt. Mit der flapsigen Bemerkung verharmloste der Landesvater nicht nur ein ernstes Problem, sondern er machte sich sogar über den Bildungsplan seiner eigenen Regierung lustig, der Schwimmunterricht in Grundschulen festlegt.

Natürlich ist es zunächst mal Aufgabe der Eltern, ihre Kinder verantwortungsbewusst zu erziehen – dazu gehört auch, ihnen (über)lebenswichtige Dinge beizubringen. Allerdings sind die Zeiten, in denen Klein-Winnie unbeschwert in der Donau plantschen konnte, mit den heutigen kaum noch zu vergleichen. Die Gesellschaft hat sich gewandelt: Leistungs-, Zeit- und Finanzdruck bestimmen den Alltag vieler Familien. Da wird’s schwierig, auch noch privaten Schwimmunterricht unterzubringen – so er überhaupt angeboten wird – und diesen zu finanzieren. Deshalb ist die Unterstützung von Bund, Land und Kommunen gefordert.

Natürlich gibt es schon Fördermittel für Schwimmhallen, aber offensichtlich reicht das nicht. Blickt man auf den Großraum Ehingen, engagieren sich Städte wie Ehingen oder Erbach oder Gemeinden wie Oberdischingen nahezu vorbildlich, doch auch das vergleichsweise bescheidene Engagement Öpfingens verdient Respekt. Noch aber gibt es zu viele weiße Flecken, in denen Schwimmen als Schulfach schlicht an den örtlichen Gegebenheiten scheitert.

Und natürlich haben nicht alle Gemeinden die gleichen finanziellen Möglichkeiten, manchen steht das Wasser förmlich zum Hals. Trotzdem: Es sollte möglich sein – etwa durch Kooperationen – allen Grundschulkindern zumindest ähnliche Chancen auf Schwimmunterricht einzuräumen. Verweise auf die eigene, Jahrzehnte zurückliegende Kindheit helfen jedenfalls nicht weiter. Sie taugen allenfalls für den Stammtisch.

r.schick@schwaebische.de

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