Die Angelei schließt ihre Türen

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Marius Thies wird zum Ende des Jahres sein Geschäft für Angelbedarf in Ehingen aufgeben.
Marius Thies wird zum Ende des Jahres sein Geschäft für Angelbedarf in Ehingen aufgeben. (Foto: SZ- dkd)
Schwäbische Zeitung
David Drenovak
Redakteur

Der Ehinger Angelladen „Die Angelei“ schließt zum Ende des Jahres. Einzelhändler Marius Thies reagiert damit auf den stetigen Druck des Internethandels, der die ganze Branche durchrüttelt. Seine organisierten Angelreisen wird der Ehinger aber weiterhin veranstalten.

Es ist das Ende eines Traums. Vor rund zweieinhalb Jahren hat Rettungssanitäter Marius Thies seinen Laden „Die Angelei“ in der Ehinger Hauptstraße eröffnet. Zweieinhalb Jahre hat er seinen Kunden vom Haken über verschiedenste Köder bis hin zur vollausgestatteten Rute alles rund ums Angeln angeboten. Neben zahllosen Ausrüstungsstücken, haben einige Kunden auch seine All-Inclusiv-Angeltouren nach Nordeuropa gebucht.

Aber jetzt ist Schluss. Zumindest mit dem Laden. Thies streicht die Segel und wechselt zurück in seinen alten Beruf. „Während ich den Laden betrieben habe, habe ich nur noch 50 Prozent im Rettungsdienst gearbeitet. Jetzt werde ich das wieder Vollzeit machen“, sagt Thies.

Aus seinem Traum ist zwar kein Alptraum geworden, aber ein Laden muss sich eben auch rechnen, erklärt er. Es sei ihm gelungen, eine gute Stammkundschaft aufzubauen. Der Druck, den die Branche jedoch durch den Internethandel erfährt, sei enorm und habe besonders im vergangenen Jahr aufgrund des Preiskampfs zweier Internet-Großhändler zugenommen. „Ich höre das von Kollegen auf Messen und sogar von den Außendienstmitarbeitern großer Marken. Selbst letztere spüren die Konkurrenz und dann kommen noch die Billigprodukte aus Fernost“, berichtet Thies, der bis zum Schluss auf die Qualität seiner Ware gesetzt hat.

Mit seiner Kundschaft sei er generell sehr zufrieden gewesen. Vielleicht habe er es einfach nicht geschafft, die Angler der Region mit seinem Sortiment zu überzeugen, obwohl er es speziell auf die Anfragen seiner Kunden angepasst hat. Immerhin gebe es große Vereine im direkten Umfeld, wie Erbach, Dellmensingen, Rottenacker und natürlich auch Ehingen.

„Was mich sehr geärgert hat, wenn jemand in den Laden gekommen ist, sich teilweise bis zu zehn verschiedene Ruten zeigen und erklären hat lassen und am Schluss ganz offen sagt, dass er wegen fünf Euro weniger im Internet kauft.“ Als Geschäftsmann habe er seine Margen zwar immer rentabel gewählt. Da er jedoch selbst Angler ist, habe er das immer auch maßvoll getan. Nur vom Verkauf von Lebendködern, die wie er sagt „leider“ sein Verkaufsschlager waren, könne er den Laden nicht weiter betreiben.

„Auch wenn ich jetzt zu mache, hat es immer viel Spaß gemacht. Ich habe gute Kontakte aufgebaut und mit Vielen interessante Gespräche rund ums Angeln geführt“, sagt Thies. Deswegen wolle er sich auch nochmals explizit bei seinen Stammkunden, seiner Vermieterin und seiner Familie bedanken, die ihn immer unterstützt haben. Ab 2. Oktober startet der Abverkauf mit entsprechenden Rabatten. So wolle er mit guten Angeboten ein Stück weit dem Weihnachtsgeschäft vorgreifen. „Wir schauen, wie es läuft, aber spätestens Ende Dezember ist dann zu“, sagt Marius Thies doch ein wenig wehmütig.

Wenn die Angelei geschlossen ist, ist der nächste deutlich kleinere Angelladen in Laupheim. Und wer dort nicht fündig wird, muss entweder nach Ulm, Mengen oder Reutlingen. Die Angelreisen nach Nordeuropa, die Marius Thies zusammen mit seinem Vater organisiert, gehen aber wie bereits erwähnt weiter. Denn den Spaß an seinem Hobby hat der passionierte Angler nicht verloren.

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