Der zehnte Sieg – und dennoch keine Euphorie

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Fans vom Team Ehingen Urspring begleiteten ihr Team nach Nürnberg.
Fans vom Team Ehingen Urspring begleiteten ihr Team nach Nürnberg. (Foto: Sport Zink / Imago)

Das Team Ehingen Urspring eilt mit Riesenschritten seinem Saisonziel, dem Verbleib in der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA, entgegen. Mit dem 88:67-Sieg am Freitag bei den Nürnberg Falcons rückten die in der Rückrunde noch ungeschlagenen Steeples auf den sechsten Tabellenplatz und somit auf einen Play-off-Rang vor, doch von einer Teilnahme an der Meisterrunde will Trainer Domenik Reinboth nach wie vor nichts wissen. Für ihn zählt weiter nur der Nichtabstieg. Reinboths Freude über den Sieg in Nürnberg war dennoch groß, zumal es auch ein besonderer für ihn war.

Zum zweiten Mal hatte Domenik Reinboth mit den Steeples seinem früheren Lehrmeister aus gemeinsamen Zeiten in Urspring, Ralph Junge, ein Schnippchen geschlagen. Das Hinrundenspiel in eigener Halle hatte Ehingen Urspring mit 90:77 für sich entschieden, nun folgte ein noch deutlicherer Erfolg – und das einen Tag nach Reinboths 36. Geburtstag. Ein schöneres Geschenk hätten ihm seine Spieler kaum überreichen können. Zumal das 88:67 gegen die Falcons am Freitag der zehnte Saisonsieg war. „Zehn Siege waren das gesetzte Ziel“, sagte Reinboth. „In den vergangenen beiden Jahren ProA haben wir diese Zahl knapp verfehlt.“ Neun waren es 2016/17, acht in der zurückliegenden Saison. Beide Male stiegen die Steeples nicht ab – im Frühjahr 2018 allerdings nur aufgrund des freiwilligen Rückzugs der Rheinstars Köln.

Zehn Siege, so eine Faustregel in der ProA, sind nötig, um sich sportlich die weitere Zugehörigkeit zur ProA zu sichern. Immer wieder haben die Verantwortlichen des Teams Ehingen Urspring in den vergangenen Wochen betont, dass diese Wegmarke angesichts der sehr ausgeglichenen Liga diesmal nicht reichen könnte. Trainer Reinboth sah sich durch den Sieg von Schlusslicht Hanau über den vor dem Spieltag Tabellendritten Heidelberg bestätigt. Zwar ist der Vorsprung der Steeples auf die Abstiegszone mit zwölf Punkten (und dem bisher besseren direkten Vergleich gegen den Vorletzten Baunach und Hanau) unverändert groß, doch Trainer halten sich gern an die Statistik – und so lange rechnerisch alles möglich ist, waltet die Vorsicht. Auf die Frage, ob man in der Tabelle nun nach oben blicke, antwortete Domenik Reinboth bei der Pressekonferenz nach dem Spiel in Nürnberg. „Nein, wir schauen hinter aus und wollen den Abstand zu den hinteren Plätzen beibehalten.“

Jedoch spricht aktuell nichts dafür, dass Reinboths Mannschaft ihre bisherige Ausbeute nicht noch aufstocken und sie bis zum Ende der Hauptrunde Ende März eher im Kampf um einen der acht Play-off-Plätze mitmischen wird, als noch Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. Darauf deuten auch die Worte des früheren Steeples-Trainers Ralph Junge in der Pressekonferenz nach der Niederlage seiner Falcons am Freitag hin. „Glückwunsch an die Ehinger. Sie spielen aktuell wohl den besten Basketball als Mannschaft.“

Auf die zweite Halbzeit im Spiel der Steeples in Nürnberg, insbesondere auf das dritte Viertel, traf dies uneingeschränkt zu. Vor rund 800 Zuschauern in der provisorischen Spielstätte der Falcons am Flughafen nahm Ehingen Urspring die Mannschaft des Gastgebers zwischen Minute 20 und 30 mit 28:7 auseinander und wendete damit nach dem 41:42-Halbzeitrückstand nicht nur das Spiel, sondern zog deutlich davon. Die in den vergangenen Wochen oft gescholtene Verteidigung erledigt ihre Aufgabe nahezu perfekt, hielt den Gegner meist vom Korb fern oder zwang ihn oft zu Würfen aus ungünstigen Positionen. „Wir haben kaum Punkte zugelassen und nachdem in der Offensive der erste Dreier von Tanner Leissner fiel, war auch da der Knoten geplatzt“, sagte Reinboth. „Defensiv haben wir nicht nachgelassen und dann war klar, dass wir nicht mehr zu halten waren.“

Dies traf besonders auf Tanner Leissner zu, der noch eine Woche zuvor in Hagen mit einer blutenden Risswunde im Gesicht vorzeitig das Spielfeld verlassen musste. Davon war nichts mehr zu merken, gegen Nürnberg ging der US-Amerikaner in der Abwehr gegen die „großen Jungs“ des Gegners wieder mit der Einsatzfreude zu Werke, die ihn auszeichnet. In der Offensive hatte Leissner ein besseres Händchen als gegen Hagen, als ihm nur zwei Punkte gelangen. Diesmal war Tanner Leissner mit 27 Punkten der beste Werfer auf dem Feld – 20 in der zweiten Halbzeit, davon allein 13 Punkte im dritten Viertel (darunter drei Dreier). Der 23-Jährige war maßgeblich am Umschwung beteiligt. „In der zweiten Halbzeit haben wir die Würfe getroffen und in der Defensive deutlich intensiver agiert“, sagte Leissner, der aber auch den ersten 20 Minuten nicht vergaß. Da „haben wir ein paar Probleme gehabt.“

Darauf wies auch Trainer Reinboth hin. „In der ersten Halbzeit waren wir gar nicht gut, sind nicht in den Rhythmus gekommen. Wir haben zwar getroffen, aber wenig von dem umgesetzt, was wir machen wollten.“ Dennoch gewannen die Steeples das erste Viertel knapp (23:20) und waren zur Halbzeit nur knapp in Rückstand (41:42). Noch eine kritische Phase gab es im vierten Viertel, als für Steeples-Guard Rayshawn Simmons das Spiel nach dem zweiten unsportlichen Foul beendet war und Nürnberg innerhalb kurzer Zeit von 58:80 auf 65:80 verkürzte. Erinnerungen wurden wach an die Partie in Hagen, als Ehingen Urspring im Schlussabschnitt einen 17-Punkte-Vorsprung fast noch verspielt hätte. Diesmal lief es anders, obwohl die Mannschaft durch die krankheitsbedingten Ausfälle von Kevin Strangmeyer und Franklyn Aunitz dezimiert war. Der junge Gianni Otto sprang für Simmons in die Bresche und führte das Team, Dominique Uhl, der in der Schlussphase den mit vier Fouls belasteten Kevin Yebo ersetzte, erzielte in der Schlussphase vier Punkte. Außerdem hatten die Steeples ja noch Tanner Leissner, der defensiv und offensiv dafür sorgte, dass der zehnte Saisonsieg nicht mehr in Gefahr geriet.

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