Der Kampf gegen den Krebs geht weiter

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Carola Gieselmann, Fabienne Schochter und Chefarzt Ulf Göretzlehner bei den Brustgesprächen.
Carola Gieselmann, Fabienne Schochter und Chefarzt Ulf Göretzlehner bei den Brustgesprächen. (Foto: SZ- kö)

Rund 80 Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen können brusterhaltend operiert werden. Wenn das nicht geht, und die Patientin eine neue Brust haben möchte, hilft der Gynäkologe oder die plastische Chirurgie. Für Brustaufbau mit Implantaten ist der Gynäkologe zuständig, für den Aufbau mit Eigengewebe die plastische Chirurgie.

„Wir am Ehinger Brustzentrum müssen diese Technik anbieten“, sagte der Organisator bei den neunten Brustgesprächen, Chefarzt der Gynäkologie, Dr. Ulf Göretzlehner.

Dr. Carola Gieselmann, Fachärztin für plastische Chirurgie am Kreiskrankenhaus Ehingen, hat die Vorgehensweise beim Aufbau mit Eigengewebe erklärt.

Sie hat am Marienhospital in Stuttgart umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt. Am häufigsten wird die DIEP Lappenplastik angewandt, sagte Gieselmann. Dabei wird aus dem Bauchraum Haut und Fettgewebe, aber kein Muskel entnommen und unter dem Mikroskop in die Brust eingearbeitet. Die Bauchdecke wird dabei auch noch gestrafft, der Nabel wieder eingefügt. Eine andere Methode ist die mit dem Latissimus Dorsi, ein Rückenmuskel. Der Vorteil: Die Blutversorgung bleibt bei dem Eingriff erhalten. Die Funktion des Muskels im Rücken übernehmen andere Muskeln.

Bei sehr schlanken Frauen wird das Gewebe für die neue Brust aus der Innenseite beider Oberschenkel genommen. „Auch hier geht die Muskelkraft im Bein nicht verloren. Die Brustwarze wird mit der einen Hälfte der gesunden Brustwarze geformt, der Warzenhof tätowiert. Die gesunde Brust muss angeglichen werden“, erklärte die Chirurgin. Das alles ist nicht möglich bei zu hohem BMI oder starker Nikotinabhängigkeit.

Das ästhetische Resultat wird gut, die Sensibilität ist aber nicht mehr die gleiche wie vorher. Es ist keine leichte Operation, sie dauert vier Stunden.

Fabienne Schochter ist Fachärztin an der Uniklinik Ulm, ihr Thema die moderne Behandlung von Gebärmutter- und Eierstockkrebs. Blutungen nach der Menopause sind ein Hinweis auf Krebs der Gebärmutter, eine Ausschabung klärt den Befund, eine Totaloperation mit anschließender Bestrahlung oder Chemotherapie folgen. Die Operation erfolgt vaginal oder durch Bauchschnitt.

Beckenlymphknoten und die an der Hauptschlagader werden bei aggressiven Tumoren entfernt, Das Problem sind anschließend Lymphödeme in den Beinen. Studien, ob das Entfernen wirklich nötig ist, sind nicht eindeutig. Sehr viel seltenerer, aber auch gefährlicher, ist der Krebs der Eierstöcke und oft auch tödlich, weil er schwer zu erkennen ist, es gibt keine Frühsymptome.

Die einzige Möglichkeit der frühzeitigen Erkennung ist der Ultraschall, der aber nicht von allen Krankenkassen gezahlt wird. Hier warnte Göretzlehner die Frauen: „Sie bringen ihr Auto regelmäßig zum TÜV, gönnen Sie sich diese zusätzliche Untersuchung bei der Vorsorge einmal im Jahr.“

Fabienne Schochter stellte auch zwei neue Medikamente gegen Krebs vor, die aber beide noch in Studien erprobt werden. „Wir setzen unsere Hoffnung darauf, aber diese Hoffnung muss sich noch bestätigen.“ Chefärztin für Psychiatrie vom ZfP Südwürttemberg Hildegard Heinemann, sprach über die Betreuung und Einbeziehung von Angehörigen bei Krebspatienten.

Sabine Ermisch zeigte an einem Model, wie sich die krebstherapierte Frau am besten schminkt und wie wichtig das für sie ist. „Es fällt oft schwer, das eigene Spiegelbild zu ertragen. Gehen Sie raus, leben Sie, genießen Sie die guten Tage. Die Frage, warum Sie, kann Ihnen niemand beantworten“, gab sie den Frauen mit auf den Weg.

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