Das Leben in seiner Vergänglichkeit

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Arbeiten aus Samen von Pflanzen, die niemand in seinem Garten haben will, und Zweigen, alten Zeitungen, Erde, Asche und Graphit sind die Werke von Angela M. Flaig und Josef Bücheler aus Rottweil, die am Sonntag in der Städtischen Galerie eröffnet wurde.

„Es geht in diesen um nichts Geringeres als das Leben und seine Vergänglichkeit“, sagte Volker Sonntag bei seiner Einführung in die Ausstellung. „Sie haben mit ihren ungewöhnlichen Werken zu Weiterentwicklung der deutschen Kunst beigetragen. Die Schönheit des Unscheinbaren vermittelt einen neuen Blick auf die Kunst und unsere Welt“, fand Oberbürgermeister Alexander Baumann bei der Begrüßung der Gäste, darunter auch Doris Nöth, die mit ihren Arbeiten die Städtische Galerie initiiert hatte und Doris Organas, die noch vor ihrer Elternzeit die Ausstellung auf den Weg gebracht hatte.

Die Leichtigkeit der Materialien von Angela M. Flaig harmonieren wunderbar mit den lichtdurchfluteten Räumen der Galerie und bilden in ihrer Einfachheit einen reizvollen Kontrast zur Stuckdecke. Die zu Schalen oder in geometrischen Formen angeordneten Samen von Disteln, Weideröschen und Löwenzahn fordern vom Betrachter Zeit, um die ästhetische Schönheit von dem erleben zu können, was wir sonst nicht beachten, sagte Sonntag in seiner Einführung.

Ein unglaublicher Reichtum an Formen würde sich entfalten, so Sonntag. „Flugsamen sind ihr bevorzugtes Material von allem, was wir in unseren Gärten nicht haben wollen, und dem wir mit der Spritze zu Leibe rücken. Schwerelos und immateriell, so zart, dass man meint eine Berührung würde es zerstören“, erklärte Sonntag den Gästen. Die Samen werden erst beim Absterben der Blüte freigesetzt, so sei der Titel der Ausstellung „Werden und Vergehen“ kein Widerspruch, sagte er weiter.

Josef Büchelers Arbeiten im zweiten Stock der Galerie sind ebenso, wie die seiner Frau, von tiefreligiöser Haltung geprägt. Er montiert seine Werke aus Zweigen, die er mit leimgetränkten alten Zeitungen beklebt, Erde, Asche und Graphit hinzufügt. „Die Zweige stehen für das Ende und Erneuerung.“

Der ganze Baum in seiner Einheit ist darin enthalten. Äußere Kraft biegt das Wachstum zusammen, die innere Kraft bewahrt die Eigenständigkeit. Den festgewachsenen Bäumen wachsen Flügel“, erklärte Sonntag. Eine Reihe von Objekten in einem zweiten Raum ist zu schützende Hüllen, wie der Mantel des Heiligen Martin oder der Umhang der Jungfrau Maria geformt. „Alle Arbeiten leben vom Wechselspiel der Kräfte. Büchelers großes Thema ist die innere Freiheit und der Wille sich nicht biegen zu lassen“, so Sonntag.

Druck auf Papier hat Bücheler schon in seinen Schulheften ausgeübt und drei Mal so viele gebraucht wie seine Klassenkameraden, heute nimmt er mehrere Lagen Büttenpapier und durchsticht es mit einem Bleistift, die so entstehenden Motive ergeben einen reizvollen Kontrast zu den Skulpturen des Künstlers.

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