Das Alfamobil ermutigt zum Schreiben und Lesen lernen

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 Juliane Averdung, Peter Schmitz, Simon Voß, Ursula von Helldorff und Thomas Wolf (v.l.) am Stand des Alfamobils.
Juliane Averdung, Peter Schmitz, Simon Voß, Ursula von Helldorff und Thomas Wolf (v.l.) am Stand des Alfamobils. (Foto: SZ- kö)

„Nur Mut – der nächste Schritt lohnt sich – Besser Lesen und Schreiben lernen“ stand auf dem Bus aus Münster, der am Dienstagmorgen auf dem Marktplatz stand. Mit dem Alfamobil unterwegs waren Juliane Averdung und Simon Voß, die das Umfeld von Analphabeten ansprechen wollen, damit sie die Betroffenen ermutigen, nächste Schritte zur Alphabetisierung in Angrifft nehmen.

Diese Menschen haben oft negative Erfahrungen in ihrer Schulzeit gemacht, haben häufig die Schule wechseln müssen, wurden gemobbt, hatten Angst vor Strafen, es gab Probleme im Elternhaus. Daraus entstanden Versagensängste, sie hatten als Kind kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schwierigkeiten beim Erlernen der Schriftsprache wurden nicht individuell in Angriff genommen. Man entwickelte Strategien, um die Schwäche zu kaschieren. Erkennen kann man diese Menschen, weil sie auf Briefe nicht reagieren, Ausreden haben wie „ich habe meine Brille vergessen“ oder „ich habe meine Hand verstaucht“, wenn sie etwas schreiben sollen. Mit dem Alfamobil unterwegs ist auch Peter Schmitz, er war Analphabet, ging neun Jahre in eine große Klasse, seine Legasthenie wurde dort nicht erkannt, geschweige denn behandelt. Bei schriftlichen Angelegenheiten half seine Mutter. Eine Unterschrift leisten konnte er.

„Ich habe nach der Schule 25 Jahre in einer Fabrik gearbeitet, da spielte das keine Rolle“, erzählte Schmitz. Als dann diese Fabrik Konkurs machte und er beim Jobcenter bekannte, dass er Probleme mit dem Schreiben und Lesen hat, wurde er vier Jahre in einen Schreibkurs geschickt. „Da hat man mir geholfen, heute ist die Welt größer für mich geworden“, sagte Schmitz. Früher war es ihm in Gesellschaft peinlich, seine Schwäche zuzugeben. Heute arbeitet er in einem Fahrradcenter, kann dort alle anfallenden Arbeiten übernehmen. Beim Alfamobil will er bei der Aufklärung helfen und betroffenen Menschen sagen, dass es sich lohnt, Schreiben und Lesen zu lernen. „Die Schriftsprache hilft mir enorm weiter, Tablet, Smartphone, Computer – das ist alles kein Problem für mich mehr. Ich würde mir wünschen, dass Analphabetismus in der Gesellschaft kein Tabuthema mehr ist“, erklärte Schmitz.

In Deutschland schätzt man die Zahl der Betroffenen auf sieben Millionen, davon 56 Prozent mit Deutsch als Muttersprache. Das Alfamobil ist im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung deutschlandweit unterwegs, verteilt Infomaterial nicht nur an Betroffene, auch an Ärzte, Jobcenter, Apotheken, Krankenhäuser, Banken. 140 Stationen laufen Juliane Averdung und Simon Voß 2018 an. Bei ihnen am Stand waren auch Ursula von Helldorff, Moderatorin der Lokalen Agenda Soziales, die die Aktion in die Wege geleitet hatte und Thomas Wolf, der den Alfa-Treff, den es demnächst zwei Mal die Woche kostenlos in der Oberschaffnei montags und mittwochs geben wird, leitet.

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