Bosse warnen vor IG-Metall-Forderungen

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Die Friedenspflicht der IG Metall endet am 31. Dezember. Es könnten wieder Streiks drohen, wie hier vor dem Ehinger Liebherr-Wer
Die Friedenspflicht der IG Metall endet am 31. Dezember. Es könnten wieder Streiks drohen, wie hier vor dem Ehinger Liebherr-Werk im Mai dieses Jahres. (Foto: SZ-Archiv Götz)
Schwäbische Zeitung

Vor den nächsten Gesprächsrunden bei den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie warnen die Arbeitgeber vor den überzogenen Forderungen der IG Metall. „Die Möglichkeit für eine Arbeitszeitverkürzung ist überhaupt nicht gegeben. Wir gefährden unseren bislang gut funktionierenden Standort, wenn wir bei einem schon grassierenden Fachkräftemangel auf wertvolle Einsatzstunden der Mitarbeiter verzichten“, sagten Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Das sieht auch Liebherr-Chef Mario Trunzer so.

Die Metall- und Elektroindustrie stehe vor großen Herausforderungen im technologischen Wandel. Hier gelte es zusammenzuarbeiten, schließlich betreffe die Digitalisierung jedes Unternehmen, und diese müssten neue Geschäftsmodelle, neue Arbeitsorganisationen und neue Wertschöpfungsketten entwickeln. Dafür müssten die Unternehmen viel Geld investieren: in neue Techniken, in neue Maschinen, neue Abläufe, neue Wertschöpfungsstrukturen und in die Qualifizierung der Mitarbeiter.

Zudem könne die angestrebte Regelung mit einem teilweisen Entgeltausgleich für bestimmte Beschäftigtengruppen (Beschäftigte mit Kindern, mit Pflegebedarf oder in Schichtarbeit) bei verkürzter Arbeitszeit wohl kaum als gerecht bezeichnet werden. Wenn eine Mutter ohne Tarifausgleich schon lange auf vier Tage reduziert habe und nun ein männlicher Kollege ebenfalls von fünf auf vier Tage gehe und mehr Geld dafür bekäme, werde dies von der Belegschaft sicher nicht als gerecht empfunden werden.

Luft für Investitionen

Auch die IG Metall-Forderung nach einer sechsprozentigen Entgelterhöhung sei bei Weitem überzogen und brächte viele Unternehmen an den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit. Dann fehle erst recht die Luft für Investitionen, wie es hieß. Die M+E-Industrie der Region befinde sich auf einem soliden Wachstumskurs.

Dies beträfe aber nicht alle Bereiche und schon gar nicht jeden Betrieb. Jüngste Veröffentlichungen in Medien über einige Unternehmen der Region verdeutlichten, wie eng prosperierende Unternehmen und ein sehr wettbewerbsintensiver Weltmarkt mit geringen Gewinnmargen miteinander verbunden sind. So blieben den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Durchschnitt 3,20 Euro pro 100 Euro Umsatz als Gewinn übrig.

Die meisten Probleme mit befristeter Teilzeit

Mario Trunzer, Geschäftsführer des Liebherr-Werks Ehingen GmbH und Vorsitzender der Südwestmetal- Bezirksgruppe Ulm, sagt: „Mit der Forderung nach befristeter Teilzeit mit 28 Wochenstunden haben wir die meisten Probleme. Ein Geschäftsbetrieb ist mit einer solchen Regelung nicht vernünftig planbar. Die Umsetzungsprobleme müssen dann alle anderen Mitarbeiter ausbaden, die dieser Regelung nicht unterliegen. Letztlich leidet angesichts der Fachkräfteproblematik die Wettbewerbsfähigkeit darunter. Gründe dafür sind die hohe Kostenbelastung und die hohen Planungs- und Umsetzungsanstrengungen. Das wird selbst bei allerbester Planung nie reibungslos laufen. Unsere Wettbewerber würden sich darüber freuen“, so Trunzer.

„Außerdem würde sich der auf die Stunde umgerechnete Lohn der Entgeltausgleichsberechtigten erhöhen. Das wäre sehr ungerecht gegenüber allen anderen Arbeitnehmern – vor allem jenen, die den ungeplanten Ausfall ausgleichen müssten und unseren bereits beschäftigten 160 Teilzeitbeschäftigten. Bei einer Fachkraftquote von 95 Prozent in unserem Betrieb und dem allgemeinen Fachkräftemangel ist es vollkommen illusorisch, dies durch eine Einstellung ausgleichen zu wollen. Der berechtigte Mitarbeiter diktiert quasi sein Anliegen einfach allen anderen, die es ausgleichen müssen. In den Teams würde Unfrieden entstehen. Wegfallende Ressourcen müssen von Kollegen kompensiert werden. Oder der Arbeitgeber stellt eine befristete Teilzeitkraft ein, die es angesichts des Fachkräftemangels nicht gibt und die erst wieder aufwendig eingearbeitet werden muss“, betont der Ehinger Liebherr-Chef.

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