Besucheransturm in der Galerie Schrade

Lesedauer: 6 Min
Barbara Fußmann, Klaus Fußmann und Melanie Klier (v.l.) bei der Vernissage.
Barbara Fußmann, Klaus Fußmann und Melanie Klier (v.l.) bei der Vernissage. (Foto: SZ- Hog)
Friedrich Hog

Einen Besucheransturm erlebte am Sonntag die Vernissage von Klaus Fußmann in der Galerie Schrade im barocken Schloss Mochental. Die Beliebtheit des Berliner Professors zeigte sich auch daran, dass er viele Autogramme geben musste. Seine viele Landschaften und Blumen thematisierende Malerei umspannt inzwischen 75 Jahre, und wurde im Laufe der Zeit immer offener und unbesorgter. Durchzogen ist sein Werk, sowohl bei Aquarellen als auch bei Öl auf Leinwand, von enorm feinfühligem Gespür für Farben, Licht und Schatten.

Galerist Ewald Schrade beschließt das aktuelle Jahr mit einem „Paukenschlag“, wie er es selbst in seiner Begrüßung formulierte. Das „grandiose Ereignis“ ist „der Antrittsbesuch“ und die Ausstellung von Klaus Fußmann. Melanie Klier aus München zeichnete für die Besucher den Lebensweg des 1938 in Nordrhein-Westfalen geborenen Künstlers nach, der jetzt in Berlin und an der Ostsee lebt. 1962 trat er als Student in die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin ein, 1974 trat er dort seine Professur an, die er 36 Jahre lang aktiv ausübte. „Fußmann trotzte mit seinem variantenreichen Ausdruck stets dem Mainstream, er hat am Zeitgeist vorbei gemalt“, so umschrieb die Kunstexpertin den hochgewachsenen Maler Klaus Fußmann. Wenn man ihn nach seinen Landschaftsbildern, Stillleben und Blumenaquarellen frage, so antworte er „alles hieran ist Kunst“. Und das bestätigt Klier, indem sie dem Künstler attestiert, „Küstenstimmung greifbar, erlebbar und spürbar zu machen“. Seine rätselhaften Landschaften fordern ihr zufolge auf, näher hinzuschauen. Menschen würden in seiner Malerei zum Teil eines Ganzen. „Indem er Heimat entdeckt, transportiert er die Eindrücke in seinen Bildern besser, als würde jemand diese Landschaft selbst sehen“. Ein echter Ritterschlag der Expertin für den renommierten Künstler, dem sie eine zarte Freisetzung von Farbtönen bescheinigt.

Klier stellte Fußmann als Freiluftmaler dar, der expressiv Licht- und Schattenwirkung auf seine Landschaftsbilder übertrage. Dennoch sei er auch ein Skeptiker der Malerei. Im Bild „Drei Generationen“ etwa zeige er drei Frauen in unterschiedlichem Lebensalter vor einem Weizenfeld, lodernde Strohfeuer symbolisierten die drei Lebensphasen. Das Bild „Flugzeug“ habe aufgrund schwarzverkohlter Wiese beängstigende Wirkung, zumal britische Flieger anrauschten, und alles zum Abschuss freigegeben sei. „Der Knabe und der Zwerg“, als erstes Werk im Treppenhaus zu sehen, zeige den Jungen, der mit der Panflöte dem Sturm Paroli bietet. „Ungefiltert fängt der Plein- Air-Maler Fußmann das Licht der Landschaft Schleswig-Holsteins ein“, so Klier, und bezeichnet den Künstler als „Augenmensch“. Besonders sei dies im Bild „Narzissen und Tulpen“ zu beobachten, wo drei Horizonte zu sehen sind, bei „Mohn“, wo vieles sich überlappt, oder bei „Astern“ mit Farbtupfern, die zu Gruppen gebündelt zum Eintauchen einladen, wie Klier sagt. Und die Vergänglichkeit sei ihm wichtig, der Untergang sei für Fußmann eine echte Wahrheit. Herausgehoben hat sie das Werk „Herrentorte“, mit dem der Künstler nach eigenen Worten irritieren wollte, was ihm bei einem kritischen Betrachter tatsächlich gelungen sei.

Ewald Schrade entließ das Publikum mit den Worten: „Hinein in das Vergnügen der Farbe und Malerei.“ Er unterstrich, dass bei Ausstellungen in der „oberen Liga“ nach wie vor viel Interesse besteht. Der Künstler selbst sieht die Natur als Ideengeber, wobei er es nicht dem Zufall überlasse, wo er malt. Das sei vielmehr im Vorfeld geplant, die Anstöße kämen aus der Literatur, der Natur und eigener Erfahrung, wie das frühkindlich geprägte Bild „Flugzeug“. „Ich passe mich beim Malen dem Wetter an, manches speichere ich und arbeite es im Atelier auf, bei Aquarellen ist meist alles direkt vom Gegenüber abgenommen. Mein Spätwerk ist offener, ich male jetzt unbesorgter“, so Fußmann. 60 seiner Schüler haben sich als Künstler durchgesetzt, viele andere arbeiten als Lehrer und Teilzeitmaler. Noch bis 22. Dezember sind die wertvollen Bilder von Klaus Fußmann im Schloss Mochental zu bewundern.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen