Bürgerbus könnte Mobilität verbessern

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Alfons Köhler moderierte die Versammlung zur Verbesserung der Mobilität auf der Alb.
Alfons Köhler moderierte die Versammlung zur Verbesserung der Mobilität auf der Alb. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Mit der Möglichkeit, auf der Ehinger Alb Lücken im öffentlichen Personennahverkehr mit einem Bürgerbus auszugleichen, haben sich am Dienstag in Dächingen 26 Personen befasst. Davon kamen 13 aus Dächingen, zehn aus Mundingen und drei aus anderen Orten.

Zur Diskussion der Sachlage und zur Einbringung von Verbesserungsvorschlägen hatte der Dächinger Ortsvorsteher, Stadtrat und Gastwirt Alfons Köhler eingeladen. Zuvor hatten sich schon die Ortschaftsräte der sechs Ehinger Albteilorte Altsteußlingen, Dächingen, Erbstetten, Frankenhofen, Granheim und Mundingen mit dem Thema befasst.

„Der öffentliche Personennahverkehr ist ausgereizt und als Schulbus an seiner Leistungsgrenze angekommen“, stellte Mundingens Ortsvorsteher Rolf Scherb fest, nachdem Alfons Köhler die von den Versammlungsteilnehmern auf runden Karten notierten Meinungsbeiträge auf einer Schautafel den Begriffen Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen zugeordnet hatte. „Wie begegnet man der Landflucht?“, lautete eine zwischen zahlreichen Situationsbeschreibungen sich findende Frage.

„Der jetzige ÖPNV kann vieles nicht leisten“, stellte Alfons Köhler dem Hinweis einer Versammlungsteilnehmerin entgegen, dass der Rufbus funktioniere. Was damit nicht abgedeckt werden kann, sind mangels passender Sitze und Begleitpersonen Fahrten zum Kindergarten, zu außerunterrichtlichen Schulangeboten, zu kulturellen Veranstaltungen und zu Arztterminen.

Carsharing, Apps und Webseiten für Mitfahrgelegenheiten brachte Köhler ins Spiel. In Granheim werde eine zu diesem Zweck gegründete Initiativgruppe Ende Januar dazu konkrete Vorschläge erarbeiten, teilte Granheims Ortsvorsteher Franz Denzel mit. „Wären die Leute bereit, solche Angebote anzunehmen?“, fragte Köhler nach der Vermutung eines Teilnehmers: „Wer nicht motorisiert ist, ist auch nicht vernetzt.“

„Wir bestellen so einen Bus und probieren es ein halbes Jahr“, schlug Rolf Scherb die Beschaffung eines Fahrzeugs mit acht Fahrgastplätzen vor. Dazu wäre allerdings die Bereitschaft einiger Mitbürger zu unentgeltlichen Fahrdienstleistungen Voraussetzung. „Bei den Tafelläden funktioniert es“, warf Lutz Deckwitz aus Mühlen ein. „Wenn wir auf der Alb jemanden finden, der das Fahrzeug bewegt, können wir es angehen“, gab sich Köhler bezüglich der Nutzung zuversichtlich.

Die Beschaffung des Wagens müsse mit den zuständigen Behörden der Stadtverwaltung und des Landratsamts abgesprochen werden. „Das wäre eine Investition in Lebensqualität“, sagte Köhler nicht zuletzt in Bezug auf die Teilnahme am Dorferneuerungswettbewerb der Europäischen Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung und Dorferneuerung. Dazu hat der für den ländlichen Raum zuständige Landesminister Peter Hauk die Ehinger Alb angemeldet und dies dem Dächinger Ortsvorsteher mitgeteilt. Alfons Köhler regte die in seinem Dorf erprobte Aufstellung von Mitfahrbänken in anderen Orten an.

Zwar fänden sich dort nicht bei jedem Wetter mitfahrwillige Personen ein, gab er zu. Seit die Dächinger Jugend aber vor kurzem auf die pfiffige und erfolgreiche Idee gekommen sei, auf und bei der Mitfahrbank in der Ziegelstraße Autofahrer auf sich aufmerksam zu machen, um am Ehinger Bahnhof einen Zug zur Weiterreise zu erreichen, werde das Angebot vermehrt angenommen. Weil sich alle frühzeitig angestellt hatten, verpasste keiner den Zug.

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