Aus Verbands- und Landesliga: Gefährdete Teams sammeln Punkte

Lesedauer: 8 Min
Schwäbische Zeitung

Statt des erhofften ersten Sieges nach der Winterpause der Fußball-Verbandsliga stand der SSV Ehingen-Süd am Ende des Heimspiels gegen Neckarrems mit nur einem Punkt da – knapp 150 Zuschauer am Kunstrasenplatz am Wenzelstein hatten bei Dauerregen auch keine Tore zu beklatschen. Es war das erste torlose Unentschieden von Süd in der Verbandsliga und nach den teils hohen Ergebnissen der Kirchbierlinger in der Vorbereitung nicht zu erwarten. Hat man nach den starken Auftritten zuletzt gegen Gmünd (5:19 und Ravensburg (4:2) die Neckarremser, die man in der Vorrunde auswärts mit 2:0 geschlagen hatte, vielleicht ein wenig auf die leichte Schulter genommen? Wie auch immer, Süd-Trainer Michael Bochtler sagte nach dem Spiel, dass ihn schon beim Aufwärmen seiner Mannschaft „ein flaues Gefühl“ beschlichen habe. Das Gefühl trog nicht.

Unterm Strich war das 0:0 gegen Neckarrems für Süd glücklicher als für den Gegner, der Mitte der ersten Halbzeit die größte Chance des Spiels hatte. Eine „Großtat“ (Trainer Bochtler) von SSV-Keeper Benjamin Gralla bewahrte den Aufsteiger vor einem Rückstand. Ehingen-Süd hatte von Anfang an Schwierigkeiten, die Heimelf war mit der Defensive beschäftigt. Im Spiel nach vorn ging wenig, Timo Barwan und Filip Sapina wurden schmerzlich vermisst. Barwan war wegen Nackenbeschwerden gar nicht im Kader, Sapina nach einer gerade überstanden Krankheit im Kader, aber nicht von Anfang an auf dem Platz. Sapina kam im Laufe der zweiten Halbzeit und hatte kurz darauf die einzig richtig gute Chance für Ehingen-Süd.

Ernüchternd war für den SSV Ehingen-Süd nicht nur das eigene Spiel, sondern auch die Ergebnisse der Konkurrenz im Abstiegskampf. Der SKV Rutesheim überraschte mit einem 2:0-Heimsieg gegen Spitzenreiter Dorfmerkingen, der FC Wangen siegte beim bis dato Tabellenzweiten Hollenbach 1:0, der FC Albstadt stockte sein Konto ebenfalls um drei Punkte auf genauso wie die TSG Öhringen, die davor in der Tabelle hinter Süd lag, nach dem 3:2 gegen VfL Pfullingen aber auf den drittletzten Platz vorrückte. Süd ist nun Vorletzter und hat ein Spiel bei der TSG Tübingen vor Augen, die mit 1:0 in Essingen gewann.

Auch für die TSG Ehingen war es kein Wochenende nach Wunsch. Das 1:1 zu Hause gegen Straßberg war unterm Strich zu wenig, wenn man sich vor Augen hält, dass die Konkurrenz im Tabellenkeller gepunktet hat. Dem FV Ravensburg II gelang nach zwei Unentschieden nach der Winterpause nun mit dem 2:0 beim FV Altheim der erste Sieg. „Jetzt haben wir aus drei Spielen im Jahr 2018 fünf Punkte geholt. Das sieht doch schon viel besser aus“, sagte sich Nectad Fetic, Trainer der Ravensburger Oberliga-Reserve. Nicht nur die Ausbeute freute Fetic, seine offensiv eingestellte Mannschaft hatte die Partie in Altheim auch dominiert. „Wir schauen hoffnungsvoll nach vorn.“

Anders war die Stimmung beim FV Altheim. „Der FV Ravensburg war uns immer einen Schritt voraus“, sagte der enttäuschte FVA-Trainer Zoran Golubovic. „Der Gästesieg war in dieser Höhe verdient.“ Altheim muss aufpassen: Zwar liegt das Team als Achter auf einem einstelligen Platz, aber der Abstand zur Abstiegszone ist nicht allzu groß. Und alle hinter Altheim platzierten Mannschaften – außer die spielfreien Ostracher – haben am Wochenende zumindest einen Punkt geholt und damit Boden gut gemacht.

Dazu zählt der SV Weingarten, der nach dem Sieg gegen Ostrach eine Woche zuvor nun dem Aufstiegskandidaten FV RW Weiler einen Punkt abgetrotzt hat. Fast wäre es der zweite Dreier von Weingarten im Jahr 2018 geworden, doch Torjäger und Strafstoßspezialist Mathias Stadelmann rettete den Allgäuern mit einem verwandelten Elfmeter in der Schlussminute noch das 1:1. Zuvor hatte es der Tabellenvorletzte verpasst, den Sack zuzumachen. „Schade, dass wir das zweite Tor nicht gemacht haben“, so SVW-Trainer Thomas Gadek.

Bei Weiler, dem nächsten Gegner der TSG Ehingen, war man froh über den späten Ausgleichstreffer. „Wir haben vielleicht eher einen Punkt gewonnen – und Weingarten hat zwei verloren“, räumte FVW-Trainer Jürgen Kopfsguter ein. In der Tabelle mussten die Allgäuer den erst eine Woche zuvor nach dem Sieg gegen Weiler eroberten zweiten Platz wieder räumen. Nutznießer war Spitzenreiter Olympia Laupheim, der sein Heimspiel gegen den Tabellenvierten Friedrichshafen mit 3:0 gewann.

„In Summe waren wir heute nicht auf Augenhöhe“, sagte Christian Wucherer, Trainer des VfB Friedrichshafen. „Die Laupheimer haben verdient gewonnen und gezeigt, warum sie Tabellenführer sind.“ Von Platz eins ist der VfB nun ein gutes Stück entfernt und inwieweit er noch ein Kandidat für Rang zwei ist, wird sich zeigen. Trainer Wucherer wird sich mit dem bestmöglichen Ergebnis verabschieden wollen, seine Zeit beim VfB endet im Juni nach fünf Jahren. „Wir standen vor der Situation, dass sich Christian beruflich innerhalb der ZF Friedrichshafen verändert und er deshalb weniger Zeit hat, sich um die Mannschaft zu kümmern“, sagt VfB-Fußball-Abteilungsleiter Dalibor Buspanovic.

Wucherer selbst wäre trotz der beruflich neuen Aufgabe gern noch ein weiteres Jahr Trainer in Friedrichshafen geblieben, doch der Verein setzt in der Saison 2018/19 auf einen anderen Mann und eine interne Nachfolgeregelung: Daniel di Leo, bisher nur Spieler, wird Spielertrainer und vom bisherigen Co-Trainer Giovanni Rizzo unterstützt. (aw)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen