Aus Gehörtem entstehen Skulpturen

Lesedauer: 4 Min
Das Phänomen des Hörens wurde bei der Vernissage vorgestellt.
Das Phänomen des Hörens wurde bei der Vernissage vorgestellt. (Foto: SZ- kö)

Seit vielen Jahren ist Mirja Wellmann dem Phänomen des Hörens, des Schalls und der Akustik nachgegangen, hat ihre Erlebnisse sorgsam protokolliert und aus dem Gehörten und akustisch Erlebten Skulpturen geschaffen. Entstanden sind dabei Hörnester und Hörwolken, die die Künstlerin aus Mehrstetten jetzt in der Städtischen Galerie im Speth’schen Hof ausstellt.

Rund 80 Kunstfreunde waren zur Vernissage gekommen, Melanie Klier aus München führte in die Ausstellung ein, stellte die Künstlerin mit deutschen und finnischen Wurzeln und ihren Werdegang vor

„Mirja Wellmann selbst bezeichnet sich als Klangkünstlerin, sie hat auch akustische Bilder der Alb geschaffen und mit dem Schneefall in Mehrstetten, dem Sprudeln der Lauterquelle erlebbar gemacht“ sagte Melanie Klier. Hörnester oder Hörwolken oder plastische Gebilde, die im Raum stehen, sind aus ausgesägten Autos, Flugzeugen, Vögeln, Blättern entstanden. Beim Zuhören bekommt Mirja Wellmann Inspirationen zu ihrer Arbeit, sie schreibt Hörprotokolle und setzt dann das Gehörte mit Laubsäge und Stichsäge aus Flugzeugsperrholz, Palisander, Kiefer, Buche um, ölt oder färbt das Holz weiß oder schwarz, seltener farbig ein.

Eine richtige Entdeckungsreise macht der Betrachter einer der Skulpturen, sieht Lkw, Fensterläden, Tiere, Menschen, Blätter in einer Skulptur verwoben, darf das Erraten vom Ort des Gehörten seiner Phantasie überlassen oder anhand der GPS-Daten nachschauen, wo Mirja Wellmann die Geräusche dieser Dinge protokolliert hat. Manchmal überlagern sich viele Geräusche zu einem Ballungsraum, mal sind es nur wenige, eher überschaubar angeordnet. Bei der Vernissage bekam jeder der Besucher ein Klemmbrett mit Stift. Mirja Wellmann gab ihnen fünf Minuten, in denen sie alle Geräusche, die sie in dieser Zeit hörten, notieren sollten.

„Wie klingt der Raum, welche Geräusche hören wir?“, fragte sie die Gäste der Vernissage. Und obwohl es eigentlich still war, gab es unendlich viel zu hören: das Knarren der Treppenstufen, Räuspern, Husten, Klacken der Kameras der Fotografen, Füße scharren, Klirren der Gläser, die vorbereitet wurden, das Aneinanderschaben von Kleidungsstücken, alles wurde protokolliert. Anschließend wurden die Blätter an einer Leine aufgehängt, es ist anzunehmen, dass sie irgendwann Mirja Wellmann zu einer neuen Skulptur anregen werden.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen