ARD-Wetterexperte Plöger warnt vor Klimakatastrophe

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Johannes (links) und Philip Hilker (rechts) von der Firma Kupil haben den Diplom-Meteorologen Sven Plöger nach Ehingen geholt.
Johannes (links) und Philip Hilker (rechts) von der Firma Kupil haben den Diplom-Meteorologen Sven Plöger nach Ehingen geholt. (Foto: SZ- götz)
Schwäbische Zeitung
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Beim Architektentag der Ehinger Firma Kupil im Businesspark Ehingen Donau hat ARD-Wetterexperte Sven Plöger eine Stunden lang über den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf unser Leben gesprochen. Sein humorvoller Vortrag fesselte die rund 100 Gäste des Ehinger Unternehmens, obwohl der Inhalt des Vortrags düstere Prognosen für die Zukunft aufweist.

Ein Mal im Jahr lädt der Ehinger Produzent von Fenstern und Türen, die Firma Kupil, Architekten, Bauträger und andere Experten zu einem gemeinsam Tag ein. Am Mittwoch ist der so genannte Architektentag mit einem Vortrag gestartet, der es in sich hatte. Zum einen, weil das Thema Klimawandel und seine Folgen ein drängendes ist, zum anderen aber auch, weil der Referent Sven Plöger, eigentlich für das Wetter bei der ARD zuständig, als ein in Bonn geborener Rheinländer sogar das Thema Klimakatastrophe humorvoll, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit rüberbringen konnte.

Population hat sich mehr als verdoppelt

„Was wir Klimawandel nennen, ist die Veränderung der Energiebilanz unseres Planeten“, macht Plöger deutlich. 7,5 Milliarden Menschen leben aktuell auf der Erde, vor 50 Jahren waren es noch 3,5 Milliarden. „Wir haben uns mehr als verdoppelt und nutzen aktuell die Ressourcen von 1,6 Erden“, sagt Plöger und schiebt sofort hinterher: „Damit sind auch alle Fragen zur Nachhaltigkeit beantwortet.“ So würde jeder Deutsche im Jahr rund 8,9 Tonnen CO verursachen, laut Klimaziel dürfte der Wert allerdings nur bei zwei Tonnen liegen.

Dass der Klimawandel alles andere als einfach zu besiegen sei, liege laut Plöger schon daran, dass die Eigeninteressen der Ölindustrie, anderer Unternehmen und Kulturen nur schwer unter einen Hut mit dem Klimaschutz zu bekommen sei. „Das Klima ist die Gesamtheit der Wetteruntersuchungen an irgendeinem Ort oder in irgendeiner Region während einer festgelegten Zeitspanne. Im Optimalfall wird bei Klimauntersuchungen ein Zeitraum von 30 Jahren genommen“, erklärt Plöger und sagt: „Wir können das Klima nicht fühlen, das Wetter schon.“

Wetter bringt seltsame Werte hervor

Und genau dieses Wetter bringt sogar in Deutschland seltsame Werte hervor. Erst kürzlich wurden am selben Tag in Brandenburg 26, in Greifswald fünf, in Freiburg zehn und am Main 21 Grad gemessen. „Ganz normal ist das nicht“, betont der Wetterexperte.

Dass es jedoch schon immer Wetterextreme gegeben hat, dafür hat der Experte natürlich auch passende Beispiele. So die Seegfrörne im Winter 1962/63 am Bodensee oder der so genannte Schneewinter 1978/79, der in Deutschland Temperaturschwankungen von bis zu 27 Grad brachte. Auch die Hagelunwetter nehmen laut Plöger zu, die größten Probleme würden aber aktuell Starkregenereignisse bringen. „Wenn mal rund 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen und das in kurzer Zeit, wird es problematisch“, sagt Plöger, der deutlich macht, dass alle Kommunen Hochwasserschutzkonzepte brauchen, weil Starkregen eben „überall fallen kann“.

Lösung für Eisschmelze

Auch von den so genannten Hitze-Inseln in Großstädten und Ballungszentren berichtete der Wetterexperte und sagt: „Wenn auf dem Land 22 Grad sind, kann sich die Stadt schnell auf 28 Grad aufheizen. Deswegen brauchen wir Konzepte zur Stadtbegrünung, nur so kann die dortige Erwärmung aufgehalten werden.“ Wie das Schmelzen des arktischen Eises allerdings gestoppt werden kann, weiß Plöger auf Anhieb auch nicht so genau. „Zwischen 1979 und 2013 sind 3,3 Millionen Quadratkilometer arktisches Eis geschmolzen. Das ist rund zehn Mal die Fläche von Deutschland“, so Plöger. „Die Sonne liefert 6000 Mal so viel Energie, wie wir alle verbrauchen. Darüber sollen wir mal nachdenken“, gibt Plöger den Zuhörern mit auf den Weg.

Klimawandel: So verändert sich der Bodensee
Während sich Badegäste über wohlig warme Wassertemperaturen im Bodensee freuen, macht das Experten vor allem Sorgen. Besonders die milden Winter führen dazu, dass der See an der Oberfläche immer wärmer wird. Auf lange Sicht könnte das dem See die Luft zum Atmen nehmen. Welche Folgen das für die Fischer haben könnte, sehen Sie im Video.
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