Am Ende geht den Steeples die Luft aus

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 Die Steeples (links Rayshawn Simmons, hier gegen die Hamburger Justus Hollatz, Nummer 21, und Justin Raffington, verloren nach
Die Steeples (links Rayshawn Simmons, hier gegen die Hamburger Justus Hollatz, Nummer 21, und Justin Raffington, verloren nach Halbzeitführung gegen den Tabellendritten und Aufstiegskandidaten aus dem Norden. (Foto: SZ- mas)

Erstmals seit dem 14. Spieltag Mitte Dezember haben die Zweitliga-Basketballer des Teams Ehingen Urspring wieder ein Heimspiel verloren. Die Steeples unterlagen am Sonntag dem Tabellendritten und Aufstiegsanwärter Hamburg Towers mit 70:83. Nach dem ersten Viertel und zur Halbzeit hatte der Gastgeber noch knapp in Führung gelegen, doch im letzten Viertel ging Ehingen Urspring die Luft aus.

Hin- und hergerissen war Steeples-Trainer Domenik Reinboth nach der Begegnung, die bis in den Schlussabschnitt hinein auf Messers Schneide stand. Reinboth lobte seine Mannschaft dafür, dass sie der „Supertruppe“ aus Hamburg einen leidenschaftlichen Kampf geliefert und zeitweise sogar geführt habe. Andererseits bemängelte der Trainer, dass „freie Würfe und einfache Korbleger nicht getroffen“ wurden. „Wir hätten nicht nur mit einem Punkt Vorsprung in die Halbzeit gehen können“, sagte Reinboth.

Zunächst aber hatten die Towers geführt. Deren Topscorer Andrew Barham sorgte für die erste Veränderung auf der Anzeigetafel, die Steeples glichen durch Dominik Uhl postwendend aus. Uhl stand wie auch Gianni Otto diesmal in der Anfangsformation von Ehingen Urspring, weil Kevin Yebo und Rayshawn Simmons in der vergangenen Woche krank waren und nicht trainiert hatten. Reinboth setzte in der Folge Yebo und Simmons ein, doch war beiden anzumerken, dass sie an diesem Abend nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren.

Steeples übernehmen Führung

Hamburg verwandelte den ersten Dreier des Spiels durch Beau Beech zum 7:4, doch Seger Bonifant antwortete mit dem ersten erfolgreichen Distanzwurf der Steeples zum 7:7. Die Gäste gingen noch einmal in Führung (9:7), dann übernahm Ehingen Urspring. Tanner Leissner erst mit einem Treffer in Korbnähe und kurz darauf mit einem Dreier sorgte für erstmalige Führung für die Heimmannschaft (12:9). Die Steeples bauten sie auf 18:13 aus und führten kurz vor Ende des ersten Viertels mit 20:16, ehe der junge Justus Hollatz mit einem Dreier auf 20:19 verkürzte.

Im zweiten Viertel deutete sich eine Wende an: Nach Leissners 22:19 erzielten die Towers sechs Punkte in Folge zum 25:22. Kurz darauf lagen die Gäste sogar mit 32:24 vorn, ehe Reinboth eine Auszeit nahm. Danach lief es wieder bei den Steeples, mit einem 9:0-Lauf rissen sie die Führung wieder an sich (33:32). Zur Pause stand es 37:36 für Ehingen Urspring – sehr zum Ärger der Gäste mit den früheren Steeples-Spielern Achmadschah Zazai, Justin Raffington und Malik Müller, die sich das Spiel bis dahin anders vorgestellt hatten. Zu leicht gab Hamburg die Acht-Punkte-Führung wieder her, was bei den auswärts nicht immer überzeugenden Towers nicht zum ersten Mal vorkam. „Der Gegner macht die Körbe, wir nicht, und dann dauert es immer einen kurzen Moment, bis wir uns wieder gefasst haben“, sagte Müller. Zu viele Einzelaktionen, so die Kritik des früheren Urspringschülers am Spiel seiner Mannschaft, was man in der Pause auch ansprach. „Danach haben wir zusammengefunden und als Team gespielt.“

Vorgeschmack aufs vierte Viertel

Hamburg ging im dritten Viertel in Führung, lag zurück, legte wieder vor. Die Steeples ließen sich nicht abschütteln. Tanner Leissner, am Ende mit 26 Punkten erfolgreichster Werfer, verkürzte mit einem seiner insgesamt vier Dreier auf 47:48. 51:54 stand es kurz vor Schluss des dritten Abschnitts, ehe Tevonn Walker einen Dreier zum 57:51 für Hamburg verwandelte. Es war ein Vorgeschmack auf das, was im letzten Viertel folgen sollte. die Towers hatten nun ihr Visier exzellent eingestellt, kamen aus der Distanz auch immer wieder frei zum Wurf. 26 Punkte erzielte Hamburg im Schlussabschnitt, davon 15 von jenseits der Dreierlinie.

Beim 63:53 nach einem Dreier von Max Montana hatten die Gäste erstmals zehn Punkte Vorsprung, kurze Zeit später, nach Distanzwürfen von Justus Hollatz und Malik Müller, waren sie auf 17 Punkte davongezogen (72:55). Beau Beech sorgte mit dem nächsten Dreier für das 75:57, den deutlichsten Abstand in diesem Spiel. In den letzten sechs Minuten kam Ehingen Urspring wieder ein wenig heran, doch in Gefahr geriet der Sieg der Hamburger nicht mehr.

„Begeistert“ sei er von seinem Team, sagte hernach der frühere Ulmer Mike Taylor, der seit vergangenen Sommer die Towers trainiert. Besonders bei einem Spieler geriet er ins Schwärmen: Justus Hollatz, gerade einmal 17 Jahre alt. Weil bei Hamburg gleich drei Point Guards verletzt fehlten, erhielt Hollatz als Vertreter von Zazai gut eine Viertelstunde Einsatzzeit – und löste seine Aufgabe aus Sicht des Trainers perfekt. „Justus hatte großen Einfluss auf das Spiel“, lobte Taylor den Youngster. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit ein besseres Zusammenspiel und mehr Ballbewegung“ – und Hollatz habe daran einen großen Anteil gehabt.

Nicht auf der Rechnung

Auch Steeples-Coach Domenik Reinboth sah in Justus Hollatz einen wichtigen Faktor bei den Towers. „Wenn ein Spieler, den wir nicht auf der Rechnung hatten, zu einem ohnehin schon starken Team dazukommt, wird es schwer“, so Reinboth, der in der Presskonferenz auch auf den Nachteil hinwies, dass aus seiner Mannschaft in Simmons und Yebo zwei wichtige Spieler die ganze Woche über krank gewesen waren. „Wir nehmen das nicht als Ausrede, aber es ist mit ein Grund, dass uns am Ende die Puste ausging.“

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