Achmadschah Zazai: „Die Zeit in Ehingen hat mir gut getan“

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„Der Abstieg kratzt schon noch“: Achmadschah Zazai (rechts), bundesligaerfahrener Aufbauspieler, der zehn Spieltage vor Hauptrun
„Der Abstieg kratzt schon noch“: Achmadschah Zazai (rechts), bundesligaerfahrener Aufbauspieler, der zehn Spieltage vor Hauptrundenende zu den Steeples kam. (Foto: SZ- Scherwinski)
Schwäbische Zeitung

Als Ersatz für den verletzten Spielmacher Devon Moore haben die Zweitliga-Basketballer des Teams Ehingen Urspring Ende Januar Achmadschah Zazai verpflichtet. Der Berliner mit afghanischen Wurzeln kam mit der Erfahrung von mehr als zehn Jahren in der ersten und zweiten Liga und verlieh den Steeples im letzten Saisondrittel neuen Mut im Abstiegskampf. Am Ende reichte es nicht zum Verbleib in der ProA, doch Zazai überzeugte mit im Schnitt zwölf Punkten und acht Assists pro Spiel. SZ-Redakteur Andreas Wagner sprach mit dem 31-Jährigen über seine Zeit in Ehingen, die Probleme kleiner Vereine in der ProA und seine Zukunft als Spieler und später womöglich als Trainer.

Schmerzt der Abstieg noch immer?

Das kratzt schon noch. Zumal viele unsere Spiele verfolgt hatten. Unsere Partie in Karlsruhe haben sich die Jungs von Alba Berlin im Bus auf der Fahrt zu ihrem Spiel angeschaut und mir daraufhin geschrieben. Wir wollten auch gegen Hanau gewinnen, haben alles gegeben. Aber es hat am Ende nicht gereicht.

Wegen des Abstiegs: Betrachten Sie die Zeit in Ehingen für Sie als eine verlorene Zeit?

Nicht mal ansatzweise habe ich das gedacht. Ich wollte auch nicht die gesamte Saison aussetzen und wollte wieder in den Spielrhythmus kommen – das ist wichtig, wenn man länger nicht gespielt hat. Meine Überlegung war, in die BBL zu gehen, in einer Backup-Rolle, oder mehr Verantwortung zu tragen in der ProA.

Ihren Wechsel zu den Steeples haben Sie also nie bereut?

Nein, auf keinen Fall. Die Zeit in Ehingen hat mir gut getan, es hat Spaß gemacht. Nur schade, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben.

Sie kamen in einer schwierigen Phase, als der Verein am Tabellenende stand und den Anschluss zu verlieren drohte. Wie empfanden Sie die Situation Ende Januar, wie haben Sie das Team damals wahrgenommen?

Als ich kam, hatte ich gedacht, dass wir nicht viel gewinnen. Doch dann, nach drei Siegen in den ersten drei Spielen, bin ich nicht mehr davon ausgegangen, dass wir absteigen. Deshalb war das Ende doch überraschend. Aber so ist halt der Sport. Grundsätzlich fand ich das Team der Steeples in der vergangenen Saison stärker, als ich mit dem MBC gegen sie gespielt hatte. Als ich jetzt kam, waren nur drei Amerikaner da und viele junge deutsche Spieler. Letztes Jahr gab es mit Aminu, Jahn und Wolf drei Deutsche, die auf ProA-Niveau spielen können. Und dazu vier Ausländer.

Aber andere Vereine haben mehr Amerikaner. Hanau hatte fünf und drei funktionieren immer. Wenn man nur drei hat wie wir, müssen die immer funktionieren. Gegen Karlsruhe war das der Fall, gegen Hanau nicht.

Ist aus Ihrer Sicht etwas schiefgegangen bei der Kaderplanung?

Die Verantwortlichen sind ein hohes Risiko eingegangen, aber sie hatten auch keine andere Wahl. Das Budget lässt hier nicht mehr zu. Und wenn ein Spieler 200 Euro mehr verdienen kann, geht er woanders hin. Ich denke da anders und spiele dort, wo es mir Spaß macht.

Zum Steeples-Kader gehörten viele junge Spieler aus dem NBBL-Team aus Urspring, doch die Talente aus der eigenen Akademie taten sich in der ProA schwer.

Früher war Urspring in Deutschland die Nummer eins in der Nachwuchsarbeit, aber es war klar, dass andere Vereine aufholen und es besser machen – weil bei ihnen viel mehr Geld dahintersteckt.

Klingt danach, als wäre die ProB für einen Verein wie Ehingen Urspring die bessere Adresse?

Ich habe kürzlich mit den Jungs aus Ulm, von der Orange Academy, geredet. Sie sind ja auch abgestiegen, freuen sich jetzt aber auf die ProB. Für die meisten von ihnen war die ProA etwas zu hoch. Es entwickelt sich keine Gewinnermentalität, wenn man nur verliert. Als Coach würde ich nur ungern Spieler abgestiegener Mannschaften verpflichten. Wer dauernd verliert, spielt eher für sich, wer regelmäßig gewinnt, macht mehr fürs Team.

Wie sehen Sie die Zukunft der Steeples?

Das Projekt Urspring soll weitergehen, es muss weitergehen. Durch den Abstieg gerät man nicht auf die falsche Schiene wie in der ProA. Mal ehrlich: Hätten wir mehr gestandene deutsche Spieler oder mehr Amerikaner gehabt, hätten die Jungs aus Urspring nur selten gespielt. In der ProB kann man die Jungen alle spielen lassen, in dieser Liga braucht man deutsche Spieler, weil nur ein Amerikaner und ein EU-Ausländer spielen darf. Wäre man in der ProA geblieben, wäre es schwer gewesen, junge deutsche Spieler herzulocken. Der Abstieg hat auch eine gute Seite. Außerdem bietet sich für Ehingen nun wieder die Situation, um etwas zu spielen und nicht gegen etwas.

Teil des Konzepts in Urspring ist, Spieler bestmöglich zu entwickeln. Deshalb gehörten die NBBL-Talente zum ProA-Kader und deshalb hat sie Trainer Domenik Reinboth regelmäßig eingesetzt.

Domenik hat versucht, die Jungen spielen zu lassen, aber die Spiele gingen verloren. Er ist fair und gibt den Jungen die Chance, das Risiko hat er in Kauf genommen.

Sie kennen die ProA seit vielen Jahren. Ist die Liga nicht stärker geworden?

Sie ist ausgeglichener geworden, wie die BBL auch. Es gibt Teams, die wegen ihres Budgets herausragen wie in diesem Jahr Vechta und Crailsheim, der Rest der Liga ist ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen. Aber es gibt auch Vereine wie Ehingen, Paderborn und Baunach, die es wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten schwer haben. Solche Vereine finden Spieler, die kämpfen und scoren können, aber Spieler zu verpflichten, die ein Team führen, ist für sie nicht leicht. Es gibt mal einen Glücksgriff, aber darauf kann man nicht jedes Jahr hoffen.

Sie waren ein Glücksgriff, haben das Team geführt. Raten Sie dem Verein, auch nächstes Jahr auf einen erfahrenen Aufbauspieler zu setzen?

Point Guard ist eine wichtige Position, Erfahrung ist da sehr wichtig. Der Verein sollte unbedingt versuchen, Devon Moore zu halten. Er hätte uns in den vergangenen Wochen im Abstiegskampf sehr geholfen.

Sollte der Verein an Trainer Domenik Reinboth festhalten für den Neuanfang in der ProB?

Ja. Man wird kaum einen Besseren finden. Domenik macht einen guten Job. Sein Herz hängt an der Jugend. Aber vielleicht will er sich auch selbst weiterentwickeln bei einem anderen Verein. Es wäre ihm nicht zu verdenken.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Mein Herz steckt im Basketball, deshalb will ich da auch nach meiner Spielerkarriere weiterarbeiten. Aber so lange ich fit bin, spiele ich und nehme überall von den Trainern was mit – um zu lernen und irgendwann meine eigene Philosophie zu entwickeln. Deshalb habe ich in den vergangenen Wochen auch viel mit Domenik geredet.

Was nehmen Sie von ihm mit?

Ich bin jemand, der schnell auf 180 ist, aber Domenik bleibt immer ruhig, gerade auch bei den Jungen. Er ist immer positiv, erklärt den Spielern viel. Außerdem waren ein paar Übungen neu für mich, die nehme ich gern mit.

Wenn Sie eines Tages als Trainer arbeiten wollen, müssen Sie Ihre Ungeduld aber etwas zügeln.

Klar, ich muss ruhiger werden. Man kann nicht erwarten, dass Spieler immer sofort umsetzen, was ein Trainer will.

Noch aber sind Sie Spieler. Auf welcher Bühne sieht man Sie in der kommenden Saison: BBL oder ProA?

Ich wollte jetzt noch in die Bundesliga wechseln und hätte in dieser Saison gern noch ein paar Spiele gemacht. Gotha war interessiert, hat sich aber für jemand anderen entschieden. Für nächste Saison wäre die BBL eine Alternative, mit Spielen vor großer Kulisse. Aber es könnte auch eine Top-Mannschaft aus der ProA sein.

Wechsel im Basketball kommen nicht selten vor, Sie haben für rund ein Dutzend Vereine in der ersten und zweiten Liga gespielt. Stört es sie nicht, sich ständig in einer anderen Stadt zurechtfinden und sich auf neue Mitspieler und Trainer einstellen zu müssen?

Ich passe mich immer schnell an, hatte nie große Schwierigkeiten. Ich kenne in jeder Stadt Leute, wobei Ehingen schon speziell war – die Stadt ist sehr klein. Mit Teamkollegen gab es nirgendwo Probleme. Das kommt auch daher, weil man mit mir gern zusammenspielt, weil ich gern passe und nur dann auf den Korb werfe, wenn ich muss.

Hatten Sie nie den Wunsch, irgendwo mal länger zu bleiben statt im Jahres- oder Halbjahrestakt umzuziehen?

Ich würde gern zurück nach Gießen. Es gab auch Gespräche, aber letztlich will ich perspektivisch weiterkommen und nach der Spielerkarriere als Assistenztrainer arbeiten.

Ist Ihr Heimatverein Alba Berlin mit Blick auf eine spätere Trainertätigkeit keine Alternative?

In Berlin würde ich als Jugendtrainer anfangen und die Chance, nach oben zu kommen, ist bei Alba gering. Bei einem kleinen Verein ist die Chance größer.

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