„Absolutes No-Go“: Ehingens OB erlebt emotionale Debatte um Baugebiet

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OB Baumann ging in der alten Schule auf jede Frage ein.
OB Baumann ging in der alten Schule auf jede Frage ein. (Foto: SZ- dtp)

Knapp zwei Wochen vor der Wahl des Oberbürgermeisters in Ehingen hat OB Alexander Baumann auf seiner Dialog-Tour am Montagabend in Heufelden haltgemacht. Das Interesse war groß, vor Beginn mussten in der alten Schule noch weitere Tische und Stühle für die Gäste aufgestellt werden. Der größte Teil der Diskussion in den folgenden knapp zwei Stunden drehte sich um das Neubaugebiet im Luckeweg. Es war ein sehr emotionaler Dialog.

Warum es immer noch keinen Fuß- oder Radweg im Neubaugebiet gibt, wollte ein Teilnehmer wissen. Die Antwort, es gebe in dem kleinen Gebiet nur wenig Verkehr, ließ er nicht gelten. Gerade am Morgen würde der Schulverkehr zum Liebherr- und Müllverkehr dazukommen.

Ein absolutes No-Go

Dann brach es aus ihm heraus: „Es ist ein absolutes No-Go, was da gelaufen ist“, sagt er. Im Juli hätten die Anlieger ein Schreiben von der Stadt erhalten. Demnach sollen sie insgesamt 120 000 Euro für die neue Straße im Baugebiet zahlen, Infos habe man keine bekommen. Die gesamte Maßnahme würde 330 000 Euro kosten „und das alles für drei neue Bauplätze“. Eine Frechheit sei es, dass selbst die zahlen müssten, die dort seit 100 Jahren leben. Eine betroffene Frau meldete sich zu Wort und erklärte, sie solle 36 000 Euro zahlen. Und auch ihre Söhne hätten für das gleiche Grundstück eine Rechnung erhalten. Informationen erhalte man dagegen nicht.

„Das ist keine Rechnung“, stellte der Oberbürgermeister klar, und auch kein Bescheid. „Wir sind verpflichtet, wenn Erschließungsstraßen gebaut werden, Erschließungsbeiträge zu erheben.“ Betroffen seien alle Grundstücke, die durch die Straße erschlossen werden. Was die Anlieger bekommen hätten, sei eine Ablösevereinbarung, die sie unterschreiben könnten. Wenn nicht, würde zu einem späteren Zeitpunkt abgerechnet, erst dann gebe es einen Bescheid. Nach den Einwendungen werde jetzt noch einmal geprüft, welche Grundstücke wie betroffen sind. „Ich bitte um Verständnis, dass das dauert.“

Es war der Wunsch der Bürger, weiterzubauen

Es sei der Wunsch der Bürger gewesen, weiterzubauen, erklärte Baumann. Die neue Straße werde wie auf jeder Baustelle gemäß den Vorschriften recht breit gebaut, es müssten ja auch zum Beispiel Müllautos durchkommen. Der Gehweg sei gescheitert, weil die Grundstücke nicht zur Verfügung standen, erklärte ein weiterer Teilnehmer der Diskussion. Weil letztere kein Ende nahm, bot Baumann ein separates Treffen mit den Betroffenen an.

Die Konzeption des Neubaugebiets gehe weiter, erklärte der Oberbürgermeister auf Nachfrage. Manche äußerten den Wunsch, gleich mehr zu erschließen. Baumann erläuterte hingegen die Zielsetzung, in den Ortschaften den Bedarf der dort ansässigen Bürger zu decken. Der weitere, große Bedarf an Bauplätzen solle durch das Gebiet Rosengarten gedeckt werden. Ein Zuhörer merkte an, dass man so aber das Aussterben der kleinen Orte nicht verhindere, die Kirchenchöre etwa nicht halten könne. „Wir können uns nicht unendlich in die Fläche hinaus entwickeln“, erklärte Baumann.

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