96 Hilfscontainer nach Tansania verschickt

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Im Mädchen-Internat in Kifungilu, wo sich die Afrika-Gruppe der Kolpingsfamilie seit vielen Jahren engagiert, heißt es für die S
Im Mädchen-Internat in Kifungilu, wo sich die Afrika-Gruppe der Kolpingsfamilie seit vielen Jahren engagiert, heißt es für die Schülerinnen in der Küche mitanpacken, wenn es was zu essen geben soll. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz
Freier Mitarbeiter

Was vor 36 Jahren mit einem Hilferuf aus Tansania begann, hat sich in der Zwischenzeit zu einer außergewöhnlichen Partnerschaft entwickelt: Die Afrika-Hilfe der Kolpingsfamilie Ertingen hat in dieser langen Zeit viele Projekte unterstützt und durch ihren Einsatz Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. „Das ist und bleibt auch weiterhin unser Ziel und die Frucht, die wir dabei gesät haben, ist mehr als aufgegangen“, so der Motor und Initiator der Afrika-Hilfe, Richard Neubrand. In Zukunft liege die Arbeit vor allem in der Infrastrukturverbesserung der Region um Kifungilo, denn, so Neubrand, „wir müssen dafür sorgen, dass die Bevölkerung Arbeit im eigenen Land findet und dadurch auch ein menschenwürdiges Leben führen kann“.

Angefangen hat alles im Jahr 1983. Bruder Winfried Wetzel, ein gebürtiger Ertinger und Mitglied der „Weißen Brüder“ in Tansania, richtete einen Hilferuf an die Ertinger Kolpingsfamilie. Durch eine Hungersnot im Land bat er um Lebensmittel aus seiner Heimat. Das löste bei der Ertinger Bevölkerung eine ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Kolpingsmitglieder trugen durch eine Haussammlung 10 000 Mark zusammen. Mit dem Geld wurden Lebensmittel gekauft und tansanische Daresalam zu Bruder Winfried Wetzel geschickt, der damals zudem für den Import von Hilfsgütern für verschiedene Ordensgemeinschaften zuständig war. Doch bei dieser einen Paketlieferung blieb es nicht. Ab dem Jahr 1984 bis 2000 wurden dann 16 Jahre lang insgesamt 96 Hilfscontainer nach Tansania geschickt. Vor allem Medikamente, Bekleidung, Fahrräder und Nähmaschinen fanden den Weg auf den schwarzen Kontinent.

Wofür und für wen die Hilfsgüter aus Ertingen in Tansania verwendet werden, davon machte sich Richard Neubrand im Jahr 1988 selbst ein Bild, als er erstmals nach Tansania reiste. Das sollte dann auch der Grundstein für sein weiteres Engagement in diesem Land sein, das bis heute Bestand hat. Bei seinem Besuch kam er auch nach Kifungilu in den Usambarabergen und hier vor allem in das dortige Mädchen-Internat. Die Ordensschwestern baten ihn, den Zimmermann, um Hilfe, denn das Dach des Konventgebäudes verlangte nach einer dringenden Sanierung. Zwei Jahre später war es dann soweit. Eine fünfköpfige Truppe von Freiwilligen der Kolpingsfamilie Ertingen startete zum ersten Arbeitseinsatz in Kifungilu. „Von da ab“, so Neubrand, „waren wir im Rhythmus von zwei Jahren jedes Jahr mit verschiedenen Teams bei den Arbeitseinsätzen in Tansania und vor allem in Kifungilu, und das bis zum heutigen Tag“, berichtet er stolz. Denn, sagt Neubrand: „Afrika ist zu meinem Kontinent geworden.“ Dabei opfert jeder der Teammitglieder einen Teil seines Jahresurlaubs und bezahlt den Flug aus eigener Tasche. Ein ehrenamtliches Engagement sondergleichen.

Bei diesen Arbeitseinsätzen in Tansania und hier vor allem in Kinfungilu wurden in den vergangenen 30 Jahren Dächer der Station frisch eingedeckt, Wasserleitungen gelegt, Kirchenbänke geschreinert, Hallendecken erneuert, Schlafräume eingerichtet sowie viele weitere Sanierungsarbeiten an der Missionsstation vorgenommen, worauf Richard Neubrand stolz verweist. Dabei konnte die Afrika-Gruppe auch auf die finanzielle Hilfe der Bevölkerung aus Ertingen und Umgebung sowie von Unternehmen zählen.

„Was wir seit 1990 in der Missionsstation Kifungilo gemacht haben, ist alles noch in einem Top-Zustand, denn in der Schule herrscht Disziplin“, so Neubrand. Und auch nach 36 Jahren ist die Begeisterung der Teams, die alle zwei Jahre nach Tansania unterwegs sind und auch von Seiten der Bevölkerung in Tansania ungebrochen. „Wir werden immer noch mit offenen Armen empfangen“, strahlt Neubrand, Motor und Initiator der Afrika-Hilfe. Auch die Lebensfreude und die Dankbarkeit der Menschen sei unbeschreiblich, und: „Wir sehen, es kommt was zurück und unsere Hilfe wird angenommen.“ Daher ist es für ihn beschlossene Sache, sich auch weiterhin zusammen mit den Teams in den Usambara-Bergen zu engagieren, denn Hilfe zur Selbsthilfe bleibt das Ziel und dafür ist die Afrika-Gruppe der Kolpingsfamilie Ertingen weiterhin auf finanzielle Hilfe angewiesen. „Wir wollen die Lebensbedingungen für die Menschen in Tansania verbessern, damit sie eine Zukunft im eigenen Land haben“, so Richard Neubrands Zielvorgabe für die nächsten Jahre.

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