60 Jahre vereint: Ehinger Paar feiert Diamantene Hochzeit

Lesedauer: 4 Min
Die neun Monate alte Urenkelin Marie ist der Liebling von Anni und Siegfried Wiesemann.
Die neun Monate alte Urenkelin Marie ist der Liebling von Anni und Siegfried Wiesemann. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Trjochdworka, einst Paradeningken und von 1938 bis 1946 Paradefeld, ist ein winziger Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Dort wurde der Ehinger Siegfried Wiesemann am 14. August 1934 geboren. Am Donnerstag feierte er mit seiner Frau Anni, geborene Axmann, Diamantene Hochzeit.

Das Ehepaar Wiesemann ist ein Beispiel dafür, was kriegsbedingtes Schicksal bedeutet und wie es bestenfalls zu einem guten Ende führt. Am Beuthener Weg, rechts im ersten Haus, wohnen zwei Menschen, die bei anderem Verlauf der Geschichte kaum zusammengefunden und sich schon gar nicht in Ehingen niedergelassen hätten. Dass es trotzdem so kam, ist in einem Fall der Flucht vor der herannahenden russischen Armee und im anderen der Vertreibung aus der Heimat zu verdanken.

In Hessen geheiratet

Geheiratet haben die beiden Lebensgefährten vor 60 Jahren im hessischen Wetzlar. Dorthin hatte es die Familie der achtjährigen Anni Axmann nach der Ausweisung aus der Tschechoslowakischen Republik am Ende einer drei Tage und drei Nächte dauernden Eisenbahnfahrt verschlagen. Aus ihrer Heimat Frankštát (deutsch Frankstadt) im Bezirk Mährisch Schönberg (tschechisch Šumperk) hatte man sie vertrieben.

Nicht nur Oberamtmann Zick, der Pächter von Gut Paradeningken, zog 1945 die Flucht aus Ostpreußen einem ungewissen Schicksal vor, sondern auch alle, die bisher auf den wenigen Gutshöfen ihr bescheidenes Leben gefristet hatten. Weil Siegfried Wiesemanns Mutter ein Baby hatte, durften sie und ihre Kinder von Insterburg mit dem Eisenbahnzug bis Borna in Sachsen fahren. Siegfrieds Stiefvater wurde aus der Gefangenschaft nach Westdeutschland entlassen und holte die Familie nach.

Im bayerischen Deggendorf vor die Wahl zwischen dem amerikanisch besetzten Bayern und dem französisch besetzten Südwürttemberg gestellt, entschied sich die Familie zur Übersiedlung nach Oberstadion und fand später in Emeringen bei Zwiefalten eine Unterkunft. Nach der Schreinerlehre in Obermarchtal diente Siegfried Wiesemann beim Bundesgrenzschutz. 1956 schloss er sich der neu gegründeten Bundeswehr an und wurde nach Wetzlar versetzt. Hier lernte er Anni Axmann kennen. Beide heirateten am 16. August 1958 und bekamen bald die Söhne Peter und Wolfgang.

Nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst fand Siegfried Wiesemann 1964 für 30 Jahre bei der Ehinger Baufirma Freudigmann eine Anstellung. Im gleichen Jahr begannen Wiesemanns ihr Haus zu bauen und zogen am 15. März 1966 ein. Bis 1998 bügelte Anni Wiesemann 29 Jahre lang bei der Firma Gessler Röcke. Sohn Peter blieb in Ehingen und bescherte dem Paar die Enkelinnen Melanie und Jessica. Sohn Wolfgang zog weg. Seine Kinder heißen Denise und Max-Lukas. An Urenkelin Marie haben die Wiesemanns ihre besondere Freude.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen