26 Jahren als Oberschützenmeister: Peter Banderitsch lebt das Ehrenamt

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Peter Banderitsch ist noch immer vielseitig engagiert.
Peter Banderitsch ist noch immer vielseitig engagiert. (Foto: SZ- Hog)

Es war eine denkwürdige und außergewöhnliche Jahresversammlung des Ehinger Sportschützenvereins am Samstag. Nach 26 Jahren als Oberschützenmeister war Peter Banderitsch nicht mehr angetreten. Nun ist der vielseitig ehrenamtlich engagierte Ehinger Ehrenoberschützenmeister.

Der gebürtige Ehinger Peter Banderitsch hat viele Hüte auf, ehrenamtlich und beruflich. Sein erster Hut war jener eines Zimmermanns. „Nach meiner Lehre in Schelklingen lebte ich mit Leib und Seele den Beruf des Zimmermanns“, sagt er. Aufgewachsen ist er ebenfalls mit Holz, nämlich im Wald, denn sein Vater war Jäger, mit Schrotflinte und Kleinkaliber. Der kleine Peter begleitete oft den Vater bei der Jagd, zuhause waren die Gewehre jedoch tabu. „Ich selbst ziele nicht auf lebende Objekte, also auch niemals auf Tiere“, betont er. Er ist vielmehr politisch ein großer Unterstützer des geplanten Waldkindergartens. „Die Stadt sucht gerade ein passendes Grundstück“, erklärt er.

Erste eigene Erfahrungen mit dem Gewehr machte Banderitsch beim Tontaubenschießen mit dem Vater. Und die Mutter habe gesagt: „Entweder Heiraten oder Jagen, beides geht nicht.“ Gemeinsam mit seinem Kumpel Andreas war Peter Banderitsch dann im Alter von ungefähr 18 Jahren in Ulm. An der Schießbude traf er alles, was den Kumpel veranlasste, ihn zu seinem Verein einzuladen, dem Sportschützenverein Ehingen. Diesem ist er 1979 beigetreten. Getroffen hatte man sich seinerzeit jeweils im Schwert in Ehingen. Den Schützenkreis Ehingen gibt es seit 1958, 1976 wurde der Schützenverein gegründet, dessen Vorsitz für 16 Jahre Heinz Fischer übernommen hatte, heute Schwiegervater von Peter Banderitsch und Ehrenoberschützenmeister. Und dessen Tochter Ursula war seinerzeit schon als Gründungsmitglied im Verein, was für Peter Banderitsch von Anfang an ein wichtiger Grund war, sich mit den Vereinsaktivitäten intensiver zu befassen. Hinzu kam, dass der Verein gerade anfing, sein Vereinsheim zu bauen. „Nach dem ersten Spatenstich konnten die einen Zimmermann gut gebrauchen“, sagt Banderitsch heute mit einem Augenzwinkern.

Ebenfalls mit einem Augenzwinkern berichtet er davon, dass der Vereinsvorsitzende Heinz Fischer ihn bald in sein Herz geschlossen hatte und auch die Beziehung zu seiner Tochter Ursula billigte, „obwohl ich als echter Lausbub bekannt war“. Nach einigen Jahren war das Schützenhaus fertig, und Peter heiratete seine Ursula. Sein erstes Amt im Verein war jenes des stellvertretenden Jugendleiters. Dann wurde er als Nachfolger von Karl Frasch an der Seite von Heinz Fischer Zweiter Vorsitzender. Als ihm 1992 der Vorsitz angetragen wurde, winkte er im Hinblick auf seine im Aufbau befindliche eigene Firma ab. Was heute ein gut aufgestelltes mittelständiges Unternehmen ist, hat in jenen Tagen seine Anfänge genommen, und auch hier waren Peter und Ursula ein gutes Team. Der Sturm Wiebke im Frühjahr 1990 hatte sein Handwerk gefordert, und erwies sich als gute Basis für die Selbständigkeit. Die heutige Peter Banderitsch GmbH in der Berkacher Straße 78 wurde im Januar 1992 gegründet und ist mit über 50 Mitarbeitern inzwischen in Mitteleuropa eine gefragte Adresse für Profilmontage und Spenglerarbeiten. „Wir bilden auch aus, alle unsere Auszubildenden haben wir übernommen“, so Banderitsch.

Sein heutiger Gemeinderatskollege Thomas Sontheimer wurde 1992 für zwei Jahre Oberschützenmeister, ehe Peter Banderitsch 1994 das Amt schließlich doch übernahm. Unter seiner Führung wurde das Vereinsheim ausgebaut und modernisiert, viele sportliche Erfolge konnten verzeichnet werden. „Ich bleibe so lange Vorstand, bis der Verein schuldenfrei ist“, hat er im Zusammenhang mit den notwendigen Krediten einst gesagt, und beinahe wäre das so gekommen. „Wenn alles gut weiterläuft, ist der Verein in zwei Jahren schuldenfrei“, sagt Banderitsch heute und macht deutlich, dass seine anderweitigen Verpflichtungen die Fortsetzung des Amtes nicht erlaubt haben. Hierzu gehören seit 2016 die Aufgaben eines Gemeinderats, er war als erster Nachrücker eingezogen und wurde 2019 wiedergewählt. 2019 wurde Peter Banderitsch zudem auf Anhieb in den Kreistag gewählt. „Dass ich mich für den Kreistag beworben habe, ist der Initiative von Oberbürgermeister Alexander Baumann zu verdanken.“ Und der damalige Bundestagsabgeordnete Heinz Seiffert war es, der ihn im Zusammenhang mit seinem Vorwort zur Festschrift zum 25. Jubiläum des Sportschützenvereins zur CDU gebracht hat.

Sein bisher größter sportlicher Erfolg ist der dritte Platz bei den Württembergischen Meisterschaften im Zimmerstutzen. „Das ist ein historisches Schießen mit Einzelladung mit Randzündhülse mit getrennten Kugeln, die mit der Hülse in den Lauf eingeschoben werden,“ erläutert Banderitsch und ergänzt: „Ich habe 274 von 300 Ringen geschafft. Mit der gleichen Anzahl wurde ich 2019 bei den Bezirksmeisterschaften Zweiter“.

Trotz seiner beruflichen und sportlichen Erfolge ist Peter Banderitsch ein äußerst umgänglicher und offener Mensch geblieben. „Ich liebe die Bescheidenheit meiner Person und bin lieber im Hintergrund. Wenn es wichtig ist, sage ich etwas“, erklärt er hierzu. Zu seinen neueren Aktivitäten gehört für das Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seit vier Jahren die Begleitung seines Jugendfreundes Alexander Rothenbacher bei Waldwanderungen mit Kindern. „Mich hat es fasziniert, dass zehnjährige Kinder den Erhalt des Klimas als wichtiges Ziel benannt haben und den Verzicht auf Autos und Atomkraftwerke. Das muss man unterstützen. Hätte es zu meiner Kindheit solche Führungen in die Natur schon gegeben, wie sie Alex Rothenbacher heute anbietet, ich wäre dabei gewesen“, erklärt er.

Überhaupt sagt Peter Banderitsch zu seinen vielseitigen Aktivitäten: „Ich möchte Beispiel sein für andere, die ehrenamtliche Tätigkeiten ausführen. Ohne Ehrenamt stirbt der Verein und die ganze Gesellschaft.“ Ach ja, seit 28 Jahren ist er auch bei der Fasnet aktiv, konkret bei den Bütteln. Und seit er sich unlängst eine Wohnung gekauft hat, arbeitet er an einem neuen Projekt. Gemeinsam mit Gudrun Sigloch verfolgt er das Ziel, auf einem Parkdeck der Wohnanlage eine Blumenwiese zum Erhalt der Wildbienen zu realisieren.

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