Schlechtes Internet, kein Netz: Familienbetrieb klagt über Funkloch

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 Große Runde: Beim Betriebsbesuch der Handwerkskammer Ulm waren nicht nur der Präsident Joachim Krimmer und Hauptgeschäftsführer
Große Runde: Beim Betriebsbesuch der Handwerkskammer Ulm waren nicht nur der Präsident Joachim Krimmer und Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich sondern auch die Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Katrin Schütz (CDU), Landrat Heiner Scheffold, der CDU-Landtagsabgeordnete Manuel Hagel sowie die beiden Wirtschaftsförderer Roswitha Edenhofer (Alb-Donau-Kreis) und Jürgen Stoll (Blaubeuren) dabei. (Foto: Scholz)

Der Erfolg eines Unternehmens hängt nicht nur von einem guten Betriebsklima, Erweiterungspotenzial und guten Auszubildenden, sondern auch von der Anbindung zur Firma – sowohl mobil über das Internet als auch für Mitarbeiter in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr – ab.

Das verdeutlichte Thomas Böttinger, der Inhaber des Betriebs Böttinger Maler & Werbung in Seißen. Ihm hörten gespannt Joachim Krimmer, der Präsident der Handwerkskammer Ulm, Tobias Mehlich als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Katrin Schütz als Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau (CDU), Landrat Heiner Scheffold, der CDU-Landtagsabgeordnete Manuel Hagel und die beiden Wirtschaftsförderer Roswitha Edenhofer (Alb-Donau-Kreis) sowie Jürgen Stoll (Stadt Blaubeuren) zu.

 In der Werkstatt von Böttinger Maler & Werbung.
In der Werkstatt von Böttinger Maler & Werbung. (Foto: Scholz)

Handwerk trifft auf Politik und Verwaltung: Einmal im Monat gibt es solche Betriebsbesuche seitens der Handwerkskammer. „Wir wollen sehen, welche Nöte es gibt, Situationen spüren und können miteinander ins Gespräch darüber kommen, was funktioniert und wo gehandelt werden muss“, zeigte Tobias Mehlich auf und schaute sich in den Räumlichkeiten von Böttinger Maler & Werbung um. Krimmer fügte an: „130 Lehrberufe haben wir im Handwerk. Wir wollen mit den Besuchen die Eigenheiten kennenlernen.“

Im Bereich der Handwerkskammer Ulm gebe es 19 000 Betriebe und 130 000 Mitarbeiter: Da lohne doch ein genauerer Blick. Den boten Nicole und Thomas Böttinger – mit Lob und auch Kritik.

Betrieb und seine Mitarbeiter

1963 wurde der Malerbetrieb von Willi Böttinger im Blaubeurer Teilort Gerhausen gegründet – als einer von zwölf. Heute sei es das letzte verbliebene Malerunternehmen. Um sich zu vergrößern und zu entwickeln, erfolgte der Umzug nach Seißen im Jahr 1999. „Dabei hat uns die Stadt sehr geholfen“, so Thomas Böttinger mit Blick auf Erweiterungsflächen. Stoll: „Entwicklungsperspektiven sind uns ein wichtiges Anliegen und ein fundamentales Element – obwohl wir dabei natürlich Optionsflächen binden.“

 Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch.
Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch. (Foto: Scholz)

Doch genau darin liege die „Schlagkraft der Region“, war Mehlich der Meinung. Das Handwerk würde wachsen, brauche Flächen und die Möglichkeiten für diese. Böttinger stimmte zu: „Flächen in Reserve zu haben, ist schon Luxus. Das gibt es in der Stadt nicht.“

Wir haben auch ein gutes Image. 

Thomas Böttinger

In Sachen Auszubildende habe Böttinger keine Probleme. „Wir haben auch ein gutes Image“, so der Firmenchef. Mitarbeiter – 30 an der Zahl – seien stolz darauf, Teil des Betriebes zu sein. Das Betriebsklima passe und sei dem Familienunternehmen ein großes Anliegen. Ebenso seien aber Breitbandausbau und Telefonie wichtig. Netzempfang beim Mobiltelefon suche man in Seißen vergebens.

Manuel Hagel stellte klar: „Wir teilen die Einschätzung. Das geht nicht“, sagte er. Doch es gebe auch ein Aber. „Wir sind auf dem Weg, aber das bedarf Anstrengung. Breitband ist die Zukunft“, merkte Schütz an. Der Blaubeurer Wirtschaftsförderer gab den Politikern dahingehend auch noch etwas mit auf den Weg: „Wir haben ein enormes Investitionsvolumen. Es ist ein Brocken und wir sind dringend auf Landesmittel angewiesen.“

 Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch.
Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch. (Foto: Scholz)

Doch der Schuh drücke auch noch an anderen Stellen. Wie kommen Auszubildende vor allem in der Ferienzeit zum Betrieb? Öffentlicher Personennahverkehr? Das sei schwierig, verdeutlichte Böttinger.

Der Landrat dazu: Es müssten Alternativen ausgearbeitet und angeboten werden. Doch diese müssten auch seitens der Bevölkerung angenommen werden. Bei Abschaffung eines nicht rentablen Angebots gebe es sonst sofort Aufschreie. Das sei nicht gut. Ein Beispiel brachte Jürgen Stoll ein: Im Rahmen des lokalen Onlinemarktplatzes denke die Stadt Blaubeuren an die Einführung eines so genannten „Schlaubussle“ – als Ergänzung zum ÖPNV. Menschen und Waren werden gemeinsam transportiert.

Potenzial des Handwerks

Auszubildende, Fachkräfte halten, Entwicklung ermöglichen, sich der Konkurrenz stellen können: Das Handwerk soll nicht abgehängt werden. Im Rahmen der Haushaltsdebatte des Landes Baden-Württemberg gebe es deswegen auch einige Forderungen, die Mehlich verdeutlichte. „Geldströme bilden Bildungsströme“, sagte der Hauptgeschäftsführer und meinte damit: „Studenten werden anders gefördert als junge Menschen in der beruflichen Bildung. „Es geht nicht 0:0 auf und das empfinden wir als ungerecht. Es muss eine Lücke geschlossen werden“, erklärte Mehlich.

Der Vorschlag beziehungsweise die Forderung: eine Meisterprämie. In 13 anderen Bundesländern gebe es diese schon. In Bayern erhalte ein Absolvent der Meisterprüfung 1500 Euro; in Niedersachsen seien es 4000 Euro. „Das muss auch bei uns in Angriff genommen werden“, drängte Mehlich. Es gehe um Wertschätzung und Motivation.

 Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch.
Beim Unternehmen Böttinger Maler & Werbung zu Besuch. (Foto: Scholz)

Das Potenzial des Handwerks sprach Staatssekretärin Katrin Schütz an: „Menschen sind Visitenkarten für ihre Branchen.“ Mit Blick auf eine Meisterprämie sagte sie: „Wir nehmen viel Geld für unterschiedliche Förderungen in die Hand. Wir müssen überlegen, wo wir das Geld hingeben.“ Schließlich lasse es sich nur einmal ausgeben. Es gebe einige Möglichkeiten, die es auszuloten gelte.

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