Schüler versprühen Pfefferspray in Toilette – und lösen so Großeinsatz aus

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Einsatzstelle
Zu einem größeren Rettungseinsatz kam es an einer Schule an der Alberstraße in Blaubeuren. (Foto: Thomas Heckmann)
Thomas Heckmann

Über 90 Schüler und Lehrer der Blaubeurer Förderschule klagten am Dienstagnachmittag über Atemwegsreizungen. Für die Feuerwehr und den Rettungsdienst wurde Großalarm ausgelöst, durch das besonnene Handeln aller Beteiligten musste aber niemand in ein Krankenhaus gebracht werden.

Kurz vor 14.30 Uhr bemerkte eine Lehrerin im Vorbeilaufen an den Toiletten im Untergeschoss einen stechenden undefinierbaren Geruch. Gleichzeitig mit der Alarmierung der Rettungskräfte wurden alle Schüler von den Lehrern aus dem Schulgebäude gebracht.

Die Feuerwehr Blaubeuren rückte mit 25 Feuerwehrleuten und neun Fahrzeugen an. Mit Atemschutzgeräten ausgestattete Feuerwehrleute suchten in zwei Stockwerken der Förderschule nach der Ursache. Der Umwelt-Messwagen der Feuerwehr Ehingen und der Feuerwehr-Chemiker Reiner Bacher unterstützten dabei.

Ursache für den Geruch gefunden 

Nachdem eine Spraydose mit Pfefferspray in der Toilette gefunden wurde, war schnell klar, dass dieses Tierabwehrspray die Ursache für den Geruch war. Mit Hochdrucklüftern wurde das Gas aus dem Gebäude gedrückt.

 Beim Einsatz in Blaubeuren.
Beim Einsatz in Blaubeuren. (Foto: Heckmann)

Geradezu begeistert zeigte sich Professor Matthias Helm vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm, der als leitender Notarzt den ärztlichen Teil des Großeinsatzes führte. Die Besatzungen der ersten Rettungswagen und des ersten Notarzteinsatzfahrzeuges hatten sofort dafür gesorgt, dass die Betroffenen weg vom Einsatzort kommen und in der benachbarten Stadthalle Ruhe finden. Dort wurden die Lehrer und Kinder nach Stärke ihrer Symptome sortiert und die insgesamt vier Notärzte konnten so schnell die Verletzten herausfiltern.

Bei einer Lehrerin und vier Kindern zeigten sich vor allem durch ein Kratzen im Hals die Wirkungen des Pfeffersprays, bei zwei von ihnen so stark, dass die Notärzte dazu rieten, in ein Krankenhaus zu gehen.

Die Eltern lehnten das jeweils auf eigene Verantwortung ab, so dass niemand vom Rettungsdienst transportiert werden musste. Der Rettungshubschrauber konnte daraufhin ebenso abrücken wie die vier Rettungswagen. Spätfolgen sind nach den Worten von Helm nicht zu erwarten.

Kinder werden untersucht

Parallel lief bereits ein Großeinsatz für die beiden Einsatzeinheiten des Alb-Donau-Kreises. 74 Sanitäter und Rettungsdienstmitarbeiter kamen mit 32 Fahrzeugen nach Blaubeuren, um die Kinder zu untersuchen und im Ernstfall in umliegende Kliniken zu bringen. Diese Helfer der Einsatzeinheiten sind genauso ehrenamtlich tätig wie das halbe Dutzend Mitarbeiter der Notfallseelsorge und des Notfallnachsorgedienstes, die für die psychosoziale Betreuung zuständig waren.

Weil Schüler Pfefferspray versprühten, ist die Förderschule in Blaubeuren evakuiert worden.
Weil Schüler Pfefferspray versprühten, ist die Förderschule in Blaubeuren evakuiert worden. (Foto: Heckmann)

Da die Schüler durch ihre vertrauten Lehrer sehr gut betreut waren, konnten sich die Notfallseelsorger um die aufgelösten Eltern kümmern, die ihre Kinder vorzeitig abholen mussten und voller Sorge um die Gesundheit ihres Nachwuchses waren.

Die Polizei ermittelt

Die Polizei ermittelte zwei 12 und 13 Jahre alte Schüler als Nutzer des Pfeffersprays. Nach ihren Geständnissen haben sie das Abwehrspray in der Mittagspause in einem nahegelegenen Drogeriemarkt gekauft und in der Toilette ausprobiert. Da sie selber nur kurz dem Gas ausgesetzt waren, blieben sie auch selber unverletzt.

Nach dem Belüften des Gebäudes und der ärztlichen Untersuchung durften die Schüler ihre persönlichen Sachen aus der Schule holen und gemeinsam mit ihren Eltern den Heimweg antreten. Am Mittwoch findet der Schulbetrieb wieder wie gewohnt statt.

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