Neue Intensivstation in Blaubeuren mit modernster Technik geht in Betrieb

Genügend Freiraum für die Pflegekräfte: Das ist besonders wichtig, da ab und an auch mehrere Pflegekräfte zusammenarbeiten.
Genügend Freiraum für die Pflegekräfte: Das ist besonders wichtig, da ab und an auch mehrere Pflegekräfte zusammenarbeiten. (Foto: Schiffl)
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Der Eingangsbereich zur neu umgebauten Intensivstation im Alb-Donau Klinikum Blaubeuren sieht so aus, wie die meisten Eingänge zu der Krankenhausabteilung, in der die sensibelsten und schutzbedürftigsten Menschen versorgt werden. Hintern den Türen befinden sich jedoch Krankenzimmer mit sehr vielen technischen Besonderheiten. Insgesamt zwölf Patienten können hier nach 16 Monaten Bauzeit versorgt werden.

Die Kosten des Umbaus, der auf der Ambulanz und den Operationssälen errichtet wurde, betrugen 6,6 Millionen Euro. Ein Teil der bisherigen Intensivstation wurde entkernt und umgebaut, jedoch entstand ein Großteil der neuen Fläche in Modulbauweise. Grund für den kompletten Umbau war die hohe Akzeptanz des Alb-Donau Klinikums sowie die Zunahme an schweren Operationen, bei denen eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig ist.

Spannendes Bauprojekt bei laufendem Betrieb

Projektleiterin Marion Langer und der Leiter der Bauabteilung Martin Rodi sind sich einig, dass es ein sehr spannendes Bauprojekt war. „Die beiden wichtigsten Fragen waren: Wo baut man die neue Intensivstation und wie?“, so Rodi. Projektleiterin Langer ergänzt: „Es waren ja auch Baumaßnahmen mit einem laufenden Betrieb im Krankenhaus.“

Markus Winter, der Chefarzt der Anästhesie, erklärt beim Rundgang auf der Station: „Die Tür direkt auf die Station öffnet sich erst, wenn man die Hände desinfiziert hat.“ So soll vermieden werden, dass Viren und Bakterien auf die Station eingeschleppt werden. Mit dem Umbau sollte auch eine zukunftsfähige Station, in der auch interdisziplinär, also fächerübergreifend, zusammengearbeitet wird, entstehen.

Bei der Planung der Intensivstation sei ein wichtiger Punkt gewesen, dass für die Patienten sehr wenig Stress durch äußere Reize wie Lärm und andere Störungen entstehen. Dafür gebe es auch schon Forschungsergebnisse die belegen, dass durch Stress der Genesungsprozess verlängert wird. Dazu beitragen soll auch der Schallschutz der Zimmer.

Auch bei den Alarmen bei Veränderungen des Gesundheitszustands sei darauf geachtet worden, diese von den Patienten „wegzuschalten“. „Das betreuende Pflegepersonal bekommt von den Patienten die Meldungen auf ihr Dienst-Smartphone“, so Winter. Auf den Endgeräten hätte die Pflegekräfte auch Dank des digitalen Monitorings immer Zugriff auf aktuelle Vitalwerte wie Herzschlag und Blutdruck. Diese sind zudem auf zwei Bildschirmen auf dem Gang sowie beim Tresen, an dem die Pflegekräfte ihre kleine Zentrale haben, zu sehen.

Viele Maßnahmen um Lärm und Stress für Patienten zu vermeiden

Auf der Station stehen insgesamt acht Intensivbetten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung sowie vier Intermediate Care Betten. Letztere sind für Patienten, die bereits wieder selbstständig atmen können, aber dennoch mehr Überwachung benötigen, als dies auf einer Normalstation möglich ist. Roland Eisele, der Chefarzt der Inneren Medizin, erklärt: „Hier können sich die Patienten auch unterhalten und austauschen.“ Durch eine Trennwand könne trotzdem genügend Privatsphäre gewährleistet werden und auch das Bad sei geräumig genug für zwei Personen.

Neu bei den Zimmern ist auch, dass die Lüftung bei Bedarf auf Unter- oder Überdruck umgestellt werden kann. Bei den zwei Zimmern, die mit einer Schleuse versehen sind, kann zudem Unterdruck hergestellt werden, der verhindert, dass Keime nach draußen gelangen. In den Zimmern gibt es außerdem eine große Lichtfläche in der Decke, deren Licht sich mit dem Tagesverlauf ändert, was den Patienten die Tagesorientierung erleichtert.

Aber auch in den Zimmern gibt es ein weiteres technisches Hilfsmittel um unnötigen Stress durch Lärm für die Patienten zu verhindern, ein Sensor der die Lautstärke im Raum misst. Visuell wird dies auf einem Bildschirm dargestellt: Grün bedeutet, dass es angenehm ruhig für den Patienten ist, rot, dass es gerade viel zu laut ist.

960 Quadratmeter große Fläche mit Platz für 12 Patienten

Mit 960 Quadratmetern ist die neue Intensivstation mehr als das dreifache größer als die alte mit 315 Quadratmetern. Mehr Platz bedeutet auch, dass pflegerische Tätigkeiten leichter durchgeführt werden können. „Wichtig war uns, dass die Planung auch für unsere Mitarbeiter passt. Wir wollten die optimalen Bedingungen für sie schaffen“, so Chefarzt Roland Eisele. Es bringe nichts, wenn er oder auch Thomas Thernes, der Pflegedienstleiter des ADK, darüber einfach bestimme und am Ende seien die Mitarbeiter unzufrieden. Gerade auch Thomas Thernes sei es sehr wichtig gewesen, dass auch ein Arbeitsplatz entstehe, an dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen.

Um das zu gewährleisten, durften die knüftigen Pflegekräfte der Intensivstation auch selbst mitgestalten. Sascha Müßigmann, der Stationsleiter, berichtet: „Wir sind auch bei der Planung mit bei dem ersten Gang auf dem Dach gewesen und hatten bei allen Gesprächen einen Vertreter dabei.“ Es sei schön gewesen, auch aktiv an der Gestaltung der Station mitzuwirken. In den zwei Zimmern mit der Schleuse könnten die Pflegekräfte durch die entsprechende Gestaltung beispielsweise einige Stunden völlig autark in den Zimmern die Patienten versorgen, da dort auch ein Computer vorhanden ist.

Wir sind auch bei der Planung mit bei dem ersten Gang auf dem Dach gewesen und hatten bei allen Gesprächen einen Vertreter dabei.

Sascha Müßigmann, Stationsleiter der Intensivstation

Hinter dem Tresen, dem zentralen Punkt der Station, befindet sich ein Arbeitszimmer für die Pflegekräfte. Ebenfalls, um Lärm von den Patienten fernzuhalten. Hier ordnen sich um eine runde Insel mit zwei Monitoren die Schränke mit Verbandsmaterial, Medikamenten und anderen wichtigen Arbeitsmitteln, die in der Pflege notwendig sind. „Über die beiden Bildschirme können wir beispielsweise die Medikamente und den Spiegel kontrollieren“, so Müßigmann. Frisches Material bekommen die Mitarbeiter der Station durch die Rückseite der Schränke. So werde ebenfalls wieder Lärm vermieden.

Mit der hellen Gestaltung und den vielen Bildern in den Gängen sollen sich auch Angehörige auf der Station wohlfühlen. Für den Fall, dass ein Patient dennoch aufgrund seiner schweren Krankheit sterben sollte, gibt es auch einen Abschiedsraum.

 Jetzt können die Patienten auf die neue Intensivstation des Alb-Donau-Klinikums in Blaubeuren umziehen.
Jetzt können die Patienten auf die neue Intensivstation des Alb-Donau-Klinikums in Blaubeuren umziehen. (Foto: PR/Daniela Rieker)

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