Künstlerinnen stellen Unikate aus Blaubeuren aus

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Elisabeth Schröders Häkeltiere haben schon Abnehmer gefunden. Die Künstler hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung der Ausstellu
Elisabeth Schröders Häkeltiere haben schon Abnehmer gefunden. Die Künstler hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung der Ausstellung. (Foto: Ilse Fischer-Giovante)
Ilse Fischer-Giovante

Drei Künstlerinnen mit je eigener Richtung haben sich zu einer Ausstellung im „Fröhlichen Nix“ Blaubeuren zusammengetan: Die Photographin Uta Weberruß, die Textilkünstlerin Elisabeth Schröder und die Filzkünstlerin Andrea Lonhard.

Uta Weberruß präsentiert unter dem Titel „Tanzen…. Schweben“ in großen Formaten gerahmte Photographien von jungen Ballettschülerinnen, aufgenommen bei DansArts in Ulm. In Pastelltönen gehalten wirken sie wie zarte Aquarellmalereien, anmutige Posen sind leicht und professionell eingefangen. Gesichter und Individuen sind nur zu ahnen, erkenntlich wird die Flüchtigkeit des Augenblicks.

Häkelarbeiten besonders beliebt

An der gegenüberliegenden Wand des Kleinkunstcafés findet sich ein Regalsystem, unauffällig befestigt an weißen Satinbändern: In sorgfältig mit rotem Stoff ausgelegten nach vorne offenen Kästchen befinden sich sehr lebendig wirkende kleine Häkeltiere: Haus-und Hoftiere wie Hase und Hund ebenso wie „Koala – Känguru – Kamel“ oder Krokodil. Mit dieser Technik hat die Künstlerin Elisabeth Schröder im „Corona-Lockdown“ experimentiert. Zunächst sollten die kleinen Tier-Individuen sich in einem Mobile tummeln. Gearbeitet nach Photographien ist das Wesen der jeweiligen Tierart sehr gekonnt getroffen: Als Tipp fürs eventuelle Nachmachen, rät die Künstlerin, am Kopf zu beginnen, typische Bewegungsmuster einzufangen und die Proportionen zu beachten. Ebenso muss Sorgfalt walten bei der Auswahl von Farbtönen und Material, um Echtheit zu erzeugen. Bei der Ausstellung deuten rote Verkaufspunkte an, dass viele der Tiere schon Liebhaber gefunden haben.

Die Kunst des Filzens

Die dritte Künstlerin im Bunde ist Andrea Lonhard, die eine Ausbildung zur Kunsthandwerkerin absolviert hat. Sie experimentiert unter anderem mit der neuen Technik „Eco-Print“, einer „Upcycling-Technik“, bei der alte Baumwoll-Leintücher oder Shirts wiederverwendet werden. Die Technik ist aufwändig: Nach dem Beizen des Stoffes erfolgt ein „Pflanzendruck“ mit speziell dafür geeigneten Blättern – als besonders geeignet haben sich Ahorn, Eiche, Pfingstrosen, Salbei, auch Zwiebelschalen erwiesen. Gefaltet, aufgerollt, gesiedet im Topf geht die Farbe der Pflanzen auf den Stoff über und kann als Wanddekoration gelten oder zu einem Kleidungsstück weiterverarbeitet werden. Die Filzkünstlerin hat damit eine alte australische Textiltechnik weiterentwickelt: „Traditionell war das Färben mit Pflanzenfarben ein Kulturgut in vielen Ländern“, sagt sie.

Techniken aus Japan und und Kirgisien

Auch bei ihren Filzwerken nimmt sie Traditionen aus anderen Kulturkreisen auf – beispielsweise „Nuno-Filz“ aus Japan, dort war besonders beliebt das Einarbeiten von Seide. Auf Reisen nach Kirgisistan, der Mongolei, der Türkei und Indien sammelte sie viele Eindrücke und kunsthandwerkliche Fertigkeiten, die in ihren Werken zum Ausdruck kommen: So ist ausgestellt die Nacharbeitung eines „Shyrdaks“, eines kirgisischen Filzteppichs, mit angedeuteten Familienwappen, zusammenrollbar, daher vom Nomadenvolk leicht transportierbar. Die Lust am Experimentieren mit allen Materialien, die die Natur hergibt, ist der Künstlerin anzumerken: Zottelige Wolle der Heidschnucken vom Schmiechtal findet sich ebenso als Ausgangsmaterial wie Farne und Wildseide, die in blau-grün-Tönen einen bildhaften „Traumgarten“ ergeben. In manchen Kunstwerken finden sich neben eingefilzten Materialien auch eingestickte Glitzerfäden.

Die Experimentierfreude kennt keine Grenzen: Auf einem Holzblock findet sich eine farbenfrohe Filzmatte in raffinierter „Boppel“-Technik: abgebunden, ausgestopft, plastisch. Sehr schön präsentiert sind die Wandgehänge an unsichtbaren Nylonfäden, befestigt an Schwemmhölzern vom Bodensee.

Eine sehenswerte Ausstellung, die Lust macht auf den Kauf von Unikaten und aufs Selbermachen und den Blick für kreativ zu nutzende Materialien weitet. Zu sehen ist sie offiziell noch bis Mitte Januar. Die Künstler hoffen, dass die Ausstellungsräume im „Fröhlichen Nix“ ab Dezember nach dem erneuten Lockdown wieder geöffnet haben.

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