Hilfe bei Hitzewallungen

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Auch der männliche Körper verändert sich im Alter. Im Fokus des Vortrags in Blaubeuren standen aber die Wechseljahre bei Frauen
Auch der männliche Körper verändert sich im Alter. Im Fokus des Vortrags in Blaubeuren standen aber die Wechseljahre bei Frauen und wie frau mit diesen umgehen kann. (Foto: DAK)
Schwäbische Zeitung

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen verändern den Alltag während der Wechseljahre und haben starken Einfluss auf die Lebensqualität. Die meisten Symptome können eindeutig auf eine nachlassende Hormonproduktion zurückgeführt werden. Andere dagegen sind eher unspezifisch und bedürfen einer genaueren Diagnose. Lassen sich Beschwerden der Wechseljahre effektiv behandeln? Gibt es Risiken? Muss ich Hormone einnehmen? Gibt es alternative Therapiemöglichkeiten? All diese Fragestellungen hat Dr. med. Martin Bäuerle, einer der leitenden Ärzte der Fachabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Alb-Donau Klinikum, Standort Blaubeuren beim Gesundheitsforum in Blaubeuren erörtert.

Was sind die Wechseljahre?

In Fachkreisen spricht man auch von „Klimakterium“. Wichtig zu wissen: Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern gehören zum natürlichen Alterungsprozesses der Frau, bei dem sich der Hormonhaushalt umstellt – insbesondere der Anteil der Geschlechtshormone, den Gestagenen und den Östrogenen. Der Prozess beginnt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr und endet spätestens etwa mit 60 Jahren. Die Dauer beträgt im Schnitt 10 bis 15 Jahre. Doch was verändert sich im Klimakterium und warum kommt es zu diesen hormonell bedingten Veränderungen, von denen Stimmung, Haut, Konzentrationsfähigkeit, Knochen, Gelenke, Gewicht, Haare und vieles andere mehr betroffen sind? Martin Bäuerle: Wenn die Funktion der Eierstöcke nachlässt, werden zunächst weniger Gestagene und dann auch Östrogene im Körper gebildet. Durch dieses verschobene Gleichgewicht komme es schließlich zu einer letzten gesteuerten Regelblutung, der so genannten Menopause, die im Schnitt mit 51 Jahren eintritt.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche am Tag und in der Nacht, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen, Unruhe, Gewichtszunahme, trockene Schleimhäute: Die Liste der Beschwerden ist lang. Ob und wie stark Frauen leiden, sei sehr verschieden. Statistisch kommt etwa ein Drittel aller Frauen gut damit zurecht und hat kaum bis gar keine Probleme, ein Drittel hat geringe, aber ein Drittel sehr ausgeprägte Beschwerden, die behandelt werden sollten.

Wie kann Therapie aussehen?

Pflanzliche Wirkstoffe und Therapien werden weiter erforscht und es werde teilweise mit Studien versucht, deren Wirkung zu belegen. Pflanzliche Präparate, die in verschiedenen Nahrungsmitteln vorkommen, aber auch homöopathische Präparate können in einzelnen Fällen schon ausreichend sein. Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze können sich regulierend auf den Hormonhaushalt auswirken.

Melisse und Baldrian helfen

Melisse, Baldrian oder Passionsblume helfen bei Schlafstörungen. Pflanzliche Medikamente können sich auch zur Ergänzung der ärztlich verordneten Hormontherapie eignen – dies mit Rücksicht auf mögliche Wechselwirkungen immer in Absprache mit dem Mediziner. Pflanzliche Medikamente können ebenso Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Ausgewogene, kohlenhydratreduzierte Ernährung, weniger Fleisch dafür mehr Gemüse und Obst ist sehr empfehlenswert. Außerdem fühlen sich viele Frauen besser, wenn sie sich ausreichend bewegen – im Ausdauerbereich, wie Walking und Tanzen, oder aber mit Bewegung, die sich in den Alltag integrieren lässt. „Der Verzicht auf zu viel Genussmittel, wie Nikotin, Alkohol, oder Kaffee, unterstützt im Grunde jede therapeutische Maßnahme“, sagt Dr. Bäuerle.

Bei extremen Hitzewallungen ist es ratsam, Wäsche aus Naturfasern wie Baumwolle zu tragen oder sich in Zwiebelschalentechnik zu kleiden – will heißen: Kleidung in mehreren Schichten, die man je nach Wärme-/Kälteempfinden an- oder ausziehen kann. Oftmals eignen sich auch kühle Abwaschungen, lauwarme Halbbäder oder Wechselduschen, um die Begleiterscheinungen der Wechseljahre ein wenig im Zaum zu halten. Massagen und Saunabesuche sind nicht nur für die Beschwerden gut, sie schmeicheln auch noch der Seele.

Sterblichkeit sinkt sogar

Ob eine Hormontherapie sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab und wird zwischen Patientin und Arzt erörtert und entschieden. Die primäre Indikation zur Hormonersatztherapie (HET) sind ausgeprägte Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Rechtzeitig begonnen und nach Ausschluss von Gegenanzeigen hat die HET auch günstige Sekundäreffekte und schützt vor Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Hormontherapie galt jahrelang als zu risikoreich: Brustkrebs und kardiovaskuläre Erkrankungen waren es, die mit ihr häufig in Verbindung gebracht wurden. Die sogenannte WHI-Hormonstudie „wurde leider missinterpretiert“.

Die Frauen erhielten eine Hormonmischung, die heute so nicht mehr üblich ist, die HET wurde bei vielen Frauen zu spät jenseits der 60 begonnen und hatten Risikofaktoren, die nach heutigen Maßstäben eine HET ausschließen. Aktuelle Auswertungen von früheren Daten zeigen allerdings, dass sich die Sterblichkeit nicht erhöht, sondern im Gegenteil sogar senkt.

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