Eine 150 Kilo schwere Stadt zum Anfassen

Lesedauer: 4 Min
Anna-Lena Kast

Schwerter schmieden, Zinn gießen, steinzeitliche Speere bauen, an Führungen teilnehmen, spannende Geschichten hören, Spitze klöppeln oder es sich einfach bei einem Gläschen Prosecco, einer Tasse Kaffee oder einem Stück Kuchen gut gehen lassen: Den Besuchern des Blaubeurer Museums- und Stadtfestes war am Sonntag rund um den Kirchplatz ordentlich was geboten. Im Mittelpunkt stand ein Modell der Stadt Blaubeuren.

Bereits zum dritten Mal haben das Urgeschichtliche Museum (Urmu) und die Stadt Blaubeuren zu ihrem gemeinsamen Fest auf dem südlichen Kirchplatz eingeladen. Der Einladung folgten etliche Blaubeurer und Gäste aus Nah und Fern. Und sogar das Wetter hat mitgespielt: Kein Tropfen Regen fiel während des Festes vom Himmel. Ein Höhepunkt des Museums- und Stadtfestes war zweifelsohne die offizielle Einweihung des Blindenstadtmodells, das vom Blaubeurer Architekturbüro Gebhardt initiiert wurde.

Stefan Gebhardt bezeichnete das Modell „nicht nur als einen künstlerischen, sondern auch menschlichen Beitrag zur Integration blinder Mitbürger“, das jedoch auch Sehenden eine neue Perspektive auf die Heimatstadt ermöglichen soll. Das Modell selbst besteht aus 150 Kilogramm Bronze und steht auf einem 3,5 Tonnen schweren Sockel. Es ist ein Kunstwerk des nordrhein-westfälischen Bildhauers Egbert Broerken und wurde zum größten Teil durch Spenden finanziert. Insgesamt kostete das Modell rund 33 000 Euro, wie Markus Gebhardt berichtete.

Besondere Sicht auf Stadt

Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold zeigte sich vom Modell, das seinen Platz zwischen der Blaubeurer Stadtkirche und dem Urgeschichtlichen Museum gefunden hat, schwer beeindruckt: „Ich finde es ganz fantastisch gelungen“, merkte er an und ergänzte in Richtung der Gebhardt-Brüder: „Sie tun dieser Stadt gut.“ Ein kurzes Grußwort sprach auch Gertrud Vaas, die Leiterin der Bezirksgruppe Alb-Donau-Riss im Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg. „Ich war ganz begeistert, als ich das Modell zum ersten Mal in den Händen hatte. Es ist wirklich ganz toll geworden.“ Sie merkte zudem an, dass das Modell selbst für Sehende neue Perspektiven auf die Stadt eröffne: „Man kann zwar von unten nach oben schauen, aber nur selten auch von oben auf die Dächer der Stadt.“

Stefanie Kölbl, geschäftsführende Direktorin des Urmu, zeigte sich am Sonntagnachmittag zufrieden mit dem Verlauf des Museums- und Stadtfestes: „Das Programm heute war richtig klasse, es war richtig viel los. Vor allem war für Familien einiges geboten.“ Natürlich gab es im Vorfeld Bedenken und Sorgen wegen des Wetters, doch schlussendlich hat alles optimal geklappt: „Das freut uns natürlich sehr.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen