Ein Festjahr der evangelischen Kirchengemeinden

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Schwäbische Zeitung
Brigitte Scheiffele

2017 jährt sich die Reformation zum 500. Mal. Doch wie begehen die evangelischen Kirchengemeinden dieses Weltereignis im Kirchenbezirk Blaubeuren? Dekan Frithjof Schwesig und Vertreter der ökumenisch aufgestellten Arbeitsgruppe „Reformationsjubiläum“ stellten am Donnerstag die dazu entstandene Broschüre mit allen Veranstaltungen im Kirchenbezirk vor. Sie wird Kirchenbesuchern in den Weihnachtsgottesdiensten ausgehändigt.

Mit über 60 Aktionen zu „500 Jahre Reformation“ laden der evangelische Kirchenbezirk Blaubeuren und seine Kirchengemeinden zum Reformationsgedenken ein. „Doch nicht nur die Evangelischen feiern ihren Luther, sondern wir feiern ein Christusfest und machen uns miteinander auf den Weg“, betont Dekan Frithjof Schwesig. Wie ernst diese Aussage zu nehmen ist, beweist das in einer Broschüre zusammengestellte Angebot: Ökumenische Bibelabende, Autorenlesungen und Gesprächsmöglichkeiten mit hochqualifizierten Referenten, ausgesuchte Filme, spezielle Angebote für Jugendliche aus Jungschar- und Konfirmandengruppen, historische Angebote wie zum Beispiel die Geschichte des Klosters Blaubeuren bei einem Tag der offenen Tür im Evangelischen Seminar oder eine Lesung „Die Flügel der Freiheit“ mit Tilman Röhring, sind ein Teil davon.

Gnade in Nellingen

Musikalische Verlockungen wie „Luthers Laute“ – ein Abend mit Lutherliedern – sowie Französische Musik der Reformationszeit, grundlegende Informationen zur Reformation und sogar Kochkünste aus Luthers Zeiten runden das Angebot ab. Und es wird noch ergänzt: Ein Bilderverbot in der Bibel? – hier wird nachgefragt. Auch in Nellingen, wenn Martin Wendte, Lehrbeauftragter der Universität Tübingen, über die Gnade spricht, die in einer Leistungsgesellschaft notwendig ist. Natürlich spielt auch Katharina von Bora, die Frau an Luthers Seite, eine Rolle, die Luther gerne „den Morgenstern zu Wittenberg“ nannte. Eine Churchnight mit Lutherchorälen als Popsongs, ein zentraler Schulgottesdienst, ein Gospelchor und noch vieles mehr werden Besucher ins Grübeln bringen: Wohin zuerst?

„Alles mündet am 31. Oktober 2017 in das große Bezirksfest in und um den Klosterkirchensaal Blaubeuren zum 500. Reformationsjubiläum. Das ist in diesem Jahr ein Feiertag“, sagt Stephanie Ginsbach. Sie ist Pfarrerin in Stubersheim mit einer 50 Prozent Stelle als Pfarrerin zur Diensthilfe im Kirchenbezirk Blaubeuren. Und sie koordiniert und organisiert das Reformationsjubiläum. „Was Religion für uns bedeutet und welche Auswirkungen damit verbunden sind, steht im Mittelpunkt unserer Begegnungen“, sagt sie. Die Broschüre beinhaltet Programmpunkte der Gemeinden des Kirchenbezirks, aber auch eigens organisierte Angebote.

Bodo Ramelow kommt vorbei

Hervorzuheben wäre hier Heiner Geißler mit seinem Buch „Was müsste Luther heute sagen?“ und der Möglichkeit, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ebenso konnte Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen für einen Austausch zur adäquaten Rolle von Religion in Gesellschaft und Politik gewonnen werden. Schwester Marlies von der Vinzentinischen Gemeinschaft ist Bildungsreferentin des Katholischen Klosters Untermarchtal und hat sich in der Blaubeurer Arbeitsgruppe ebenso engagiert. Sie bietet mit Ephorus Henning Pleitner vom Evangelischen Seminar eine Begegnungsreise mit Erklärungen und eigenem Erleben zu Klostertraditionen auf evangelischer und katholischer Seite. Beispielhaft finden diese Begegnungen im 1095 gegründeten Benediktinerkloster Blaubeuren mit Seminarschule und dem Kloster Untermarchtal als katholischem Bildungshaus statt.

In diesem Jahr habe der katholische Pfarrer zum ersten Mal auf der Kanzel der Stadtkirche bei einem ökumenischen Gottesdienst gepredigt, erwähnt Schwesig und spricht von einem „sehr berührenden Gottesdienst“. Im Mai werden dann die Gemeindeglieder der evangelischen Kirche die Katholische Liturgie mitfeiern und Schwesig wird die Predigt mitbringen.

Dekan freut sich auf Dialog mit Menschen

Seine Lieblingsveranstaltungen Jubiläumsjahr der Reformation seien die, bei denen man mit Menschen in den Dialog trete. „Es bedeutet für mich, das Gespräch mit der Welt zu suchen und am Ende des Jahres ein Stück weiter zu sein, um sagen zu können, warum wir evangelisch sind“, fügt er hinzu. Jochen Schäffler, Pfarrer in Seißen und Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Blaubeuren ergänzt: „Das Reformationsjahr lädt gewiss nicht dazu ein sich selbst zu feiern.“ Schäffler legt dann eine These des Evangelischen Jugendwerks Bezirk Blaubeuren auf den Tisch, die in diesen Tagen an manchen Kirchentüren prangt. Zu lesen ist: „Fakt ist: wir wenden viel Kreativität auf, um die Kritik und Provokation der Weihnachtsgeschichte geschmeidig, harmlos und festtagstauglich zu halten.“ Darüber sollte man diskutieren, bemerkt Schwester Marlies: „Ich werde sie bei uns im Kloster auch auf den Tisch legen.“

2017 jährt sich zum 500. Mal der Thesenanschlag in Wittenberg. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther 95 Thesen zum Ablasswesen der katholischen Kirche. Diese Thesen wurden zum Auslöser einer Entwicklung, im Laufe dessen die evangelischen Kirchen entstanden sind. „Kerngedanken der Reformation, wie die Berufung auf das persönliche Gewissen und das Priestertum aller Glaubenden und Getauften, wurden zu Quellen von Menschenrechten und Demokratie, von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit“, sagt Dekan Frithjof Schwesig und lädt in diesem Geiste zum Gedenken an die Reformation ein.

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