Drei Kandidaten: Nur einer kommt zur offiziellen Vorstellung

Lesedauer: 8 Min

Der amtierende Bürgermeister Jörg Seibold hatte 30 Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Die beiden anderen Kandidaten – Friedhil
Der amtierende Bürgermeister Jörg Seibold hatte 30 Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Die beiden anderen Kandidaten – Friedhild Anni Miller und Karl Scherm – waren nicht in die Stadthalle Blaubeuren gekommen. (Foto: Scholz)

30 Minuten Redezeit, 30 Minuten Fragezeit: Die Uhr in der Blaubeurer Stadthalle tickte. Zur offiziellen Vorstellung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Blaubeuren am Sonntag, 15. April, war nur einer gekommen: Jörg Seibold. Der derzeitige Amtsinhaber (parteilos) machte zu Beginn seiner Vorstellung auch gleich deutlich: Er will Donald Trump nicht verklagen und auch kein Bundeskanzler werden. Er will Bürgermeister von Blaubeuren bleiben. Diese Anspielung war auf die Ziele und Vorhaben der anderen beiden Kandidaten im Rennen um das Amt am Blautopf angelegt. Die beiden Mitbewerber um den Posten – Friedhild Anni Miller und Karl Scherm – waren nicht zur Vorstellung in die Stadthalle gekommen. Eine Präsentation ihrer Person, die Miller vorab an die Stadtverwaltung geschickt hatte, wurde nicht gezeigt. „Kandidaten müssen sich persönlich vorstellen. Das ist in der Gemeindeordnung und in der dazu gehörigen Verwaltungsvorschrift so vorgesehen“, erklärte der Blaubeurer Hauptamtsleiter Reiner Striebel.

50 Zuhörer sind gekommen

Etwa 50 Interessierte waren zur Kandidatenvorstellung gekommen. Viele der gestellten Stühle blieben frei. Seibold hoffe allerdings, dass die Wahlbeteiligung höher ausfalle, die Einwohner Blaubeurens die Möglichkeit dieser speziellen Form der Bürgerbeteiligung nutzen und „möglichst Ihr Kreuzchen für mich setzen“, so der 49-Jährige, der den Rückhalt in seiner Familie betont.

Seibold verknüpfte in seiner Vorstellung die ihm wichtige Bürgerbeteiligung mit der Frage nach der Gestaltung von Leben im ländlichen Raum. Seine Formel: wohnen + arbeiten = leben. Bürgerschaftliches Engagement lasse sich in viele Bereichen erkennen. Seibold denke da beispielhaft an die Bürgerstiftung, an die Sommerbühne oder auch an die Ortschafts- und Gemeinderäte. Die Arbeit im und mit dem politischen Gremium bereite ihm Freude – auch, wenn Diskussion anstehen. Auch unterschiedliche Meinungen müssten ausgehalten und gelöst werden. Bei Abstimmungen gehe es nicht um Macht, sondern darum, die Stadt in ihren Planungen voranzutreiben. Aus Ehrenamt und Hauptamt – 240 Personen arbeiten derzeit für die Stadt Blaubeuren – entstehe ein so genanntes „Wir“. Dieses „Wir“ wolle Seibold auch weiter vorantreiben – als Macher, Impulsgeber, Gestalter und mit der richtigen Portion Leidenschaft.

Chancen nutzen

„Wir haben in Blaubeuren schon viele Chancen genutzt und neue aufgetan“, meinte das Stadtoberhaupt. Natürlich sei der Weg nicht immer einfach, sondern auch von Steinen gesäumt gewesen. Seibold denke da an die finanzielle Situation der Stadt. Maßnahmen wie die temporäre Schließung des Hallenbads seien nötig gewesen. „Projekte müssen finanziell machbar sein. Manchmal müssen auch Einschnitte gemacht werden“, regte er an. Ihm seien aber klare Handlungsrichtlinien wichtig. Gedanken über Schwerpunkte seien eine Grundvoraussetzung.

Leben im ländlichen Raum lasse sich auch an Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten fest machen. 75 Erzieher gebe es derzeit in Blaubeuren. Kinder seien die Zukunft und es müsse in die Betreuung investiert werden. Beispiel seien Projekte der Kita-Pusteblume und ein Neubauvorhaben in Seißen. Weiterführend gehe es dann um Schulen. Die Blautopf-Schule soll behindertengerecht gestaltet werden. Gewerbe müsse gestärkt, damit Arbeitsplätze erhalten werden und neue entstehen. Aufwachsen und leben: „Hier in Blaubeuren fehlt es an der Tagespflege. Ich halte diese für eine wichtige Ergänzung“, meinte Seibold. Derzeit würden schon Gespräche mit dem Landkreis laufen.

Weitere Themen seien die Innenstadt und der Tourismus. Letztere bilde einen Teilbereich, sei natürlich keine umfassende Lösung für den hohen Leerstand im Zentrum Blaubeurens. „Wir haben zu wenig Frequenz und wenn, dann sind wir nicht da“, sagte der 49-Jährige. Der Service-Gedanke müsse als Vorteil gesehen und genutzt werden. 100 000 Übernachtungen, 40 000 Besucher im Urgeschichtlichen Museum: Es gebe gute Ideen und Vorschläge, um die Innenstadt zu stärken, doch Kunden, Händler und die Kommune müssten gemeinsam an einem Strang ziehen. Seibold wolle Alle beteiligen.

Nachfragen aus dem Publikum

Alle Zuhörer waren es dann, die die Möglichkeit hatten, Fragen an den Kandidaten zu stellen. Zunächst trat eine verhaltene Stille ein, dann wagten sich doch noch einige Bürger vor. Da ging es beispielsweise um die Sanierung der Ulmer Straße. Ein letzter Bauabschnitt ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Planungsgelder sind bereits im Haushalt 2019 verankert. Diskutiert wurde auch der Roßmarkt, den Seibold als „einen Schandfleck“ bezeichnete. Der große „städtebauliche Entwurf ist uns noch nicht gelungen“, meinte der Bürgermeister. Dennoch sei versucht worden, eine pragmatische Lösung zu finden, um den Ist-Zustand zu verbessern. 47 Parkplätze sollen am Ende vorhanden sein – zehn mehr als derzeit. Um die Parksituation Auf dem Rucken ging es einem weiteren Bürger. Die erachte Seibold jedoch als „Entschleunigung für den Verkehr“. Es gebe keine Vorschrift, um die Bewohner anzuweisen, dass sie nur eine gewisse Höchstzahl an Autos abstellen dürfen.

Der fließende Verkehr in der Karlstraße wurde ebenfalls angesprochen. Ein Blaubeurer fragte nach, ob nicht die Möglichkeit eines Fahrverbots am Sonntag bestehe. Es gehe vor allem um den Abschnitt von Beckabeck bis zum Café Kuhn. Für Anlieger könnte die Straße frei bleiben. „Das haben wir mit Blick auf die Umstrukturierung der Innenstadt auch schon diskutiert“, sagte Seibold. Gelder für Poller seien im Haushaltsjahr 2018 vorgesehen. „Es fehlt noch an der Vereinbarung zum Ob und Wie“, so der Bürgermeister. Ihm sei wichtig, dass im Zuge einer solchen Maßnahme die Verkehrsströme funktionieren und beispielsweise die Webergasse nicht stärker belastet werde. Das sei dann nicht fair.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen