Die „Venus vom Hohle Fels“ wandert in die Vitrine

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Die „Venus vom Hohle Fels“ ist das neue Herzstück der Ausstellung.
Die „Venus vom Hohle Fels“ ist das neue Herzstück der Ausstellung. (Foto: SZ- aeh)
Schwäbische Zeitung
Anja Ehrhartsmann

Die „Venus vom Hohle Fels“ hat am Montag ihr künftiges Zuhause im Urgeschichtlichen Museum (Urmu) in Blaubeuren bezogen. „Sie war Kernstück der Landesausstellung und jetzt kommt sie nach Hause“, sagt Nicholas J. Conard, unter dessen Leitung die Venus im Jahr 2008 bei Ausgrabungen gefunden wurde. Fundhöhle der Statuette ist die Karsthöhle Hohle Fels bei Schelklingen im Urdonautal. „Wir wussten schon, dass wir es dort mit sehr bedeutenden Schichten zu tun haben“, sagt Nicholas J. Conard.

Die sechs Zentimeter große Figur ist 35000 bis 40000 Jahre alt und wurde aus einem Mammutstoßzahn geschnitzt. „Die Venus ist der Star. Man muss sich klar machen, das ist das älteste Kunstwerk, das wir kennen“, sagt Stefanie Kölbl, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Urmu. Die Figur zerbrach im Laufe der Zeit im Erdreich, doch die Fragmente konnten fast vollständig zusammengefügt werden.

Die überdeutlichen Geschlechtsmerkmale der Venus fallen sofort ins Auge. Das Schamdreieck mit der offenen Vulva ist deutlich zu erkennen. Die Taille ist im Verhältnis dazu relativ schmal. Bei der Darstellung handelt es sich damit nicht um eine Schwangere. „Vielleicht hat die Frau gerade geboren. Der große Busen zeigt, dass die Frau in der Lage ist zu ernähren, ohne Jagen zu gehen“, sagt Stefanie Kölbl. Anstatt des Kopfes befindet sich im Halsbereich eine Öse, weshalb es sich bei der „Venus vom Hohle Fels“ um ein Stillamulett handeln könnte, erklärt Kölbl. Die Figur symbolisiere Weiblichkeit und Fruchtbarkeit, losgelöst von einer real existierenden Frau.

Ausstellung wurde erweitert

Neben der Venus gibt es im neu gestalteten Museum noch allerlei anderes aus der Urgeschichte zu entdecken. Denn das Urmu wurde zum zentralen Museum für Altsteinzeit in Baden-Württemberg ausgebaut. „Wir zeigen die älteste Kunst der Menschheit, die hier aus der Region kommt, das ist einmalig“, sagt Stefanie Kölbl. Aus der direkten Umgebung stammen zahlreiche Exponate wie Elfenbeinfiguren, bemalte Steine oder die ältesten Musikinstrumente der Welt. Die Ausstellung umfasst unter anderem zehn Schatzkammern der Eiszeitkunst und führt durch das Leben der steinzeitlichen Jäger und Sammler.

Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold ist begeistert vom neuen Urmu: „Ich find’s ganz fantastisch. Das ist eine riesen Chance für die Region und für die Stadt, dass hier die älteste Geschichte der Menschheit ausgestellt wird, ganz in der Nähe der Fundorte.“

Für Besucher öffnet das Urmu am kommenden Sonntag seine Tore.

Die Neueröffnung des Urgeschichtlichen Museums ist am Sonntag, 18. Mai. Besucher haben von 10 bis 18 Uhr die Möglichkeit, die Ausstellung bei freiem Eintritt zu besichtigen.

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