„Die 2500 bis 3000 Übernachtungen werden wir 2020 nicht erreichen.“

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Reinhold Siehler
Reinhold Siehler (Foto: hjs)
Schwäbische Zeitung

Reinhold Siehler ist stellvertretender Vorsitzender des Wandervereins Weidacher Hütte. Er ist bereits seit 1954 Mitglied im Schwäbischen Albverein. Dort bekleidet er das Amt des Wegwarts für die Wanderwege um Blaustein, zudem ist er der ehemalige Leiter der Jugendgruppe und Wanderwart der ehemaligen Ortsgruppe Herrlingen. Im Interview spricht er über die Modernisierung der Weidacher Hütte, schöne Erlebnisse und gibt persönliche Einblicke in seine Wanderbegeisterung.

Herr Siehler, Sie kennen die Weidacher Hütte in und auswendig: Warum war jetzt eine Modernisierung nötig? Was wurde erneuert und wie lange hat das gedauert?

Dafür gab es mehrere Gründe. Neue hygienische Vorschriften, Erleichterung der Arbeitsabläufe in der Küche und Vergrößerung des Küchenraumes. Wir haben in Küche und Eingangsbereich investiert, aber da ordentlich. Jetzt haben wir deutlich mehr Platz. Die Küche wurde mit neuesten Geräten ausgestattet und eine Kühltheke eingebaut. Von der Planung bis zur Fertigstellung ungefähr drei Jahre. Die eigentliche Bauzeit ging vom 7. Dezember 2019 bis zum 31. März diesen Jahres.

Das ging gemmessen an vergleichbaren Projekten schnell – wie war das möglich?

Gut geplant vom Planungsbüro Gebhardt aus Blaubeuren, schnell umgesetzt von kleineren Firmen aus der näheren Umgebung und natürlich unschätzbar die ehrenamtlichen Stunden von Helfern und Helferinnen aus umliegenden Ortsgruppen.

Wie viele Stunden waren denn das und was wurde gemacht?

Oh je, wir haben gezählt und es sind bis heute über 800 Stunden zusammengekommen. Wir haben geräumt, verpackt, die alte Küche und Räumlichkeiten innerhalb eines Tages ausgebaut. In Kooperation mit den Handwerkern und ehrenamtlichen Helfern haben wir die Gewerke ausgeführt. Nachdem die Küche eingebaut, die Handwerker abgezogen waren, wurde geputzt und gereinigt und alles wieder neu eingeräumt.

Und dann kam Corona, hat sie die Pandemie ausgebremst?

Ja, das hat uns die Wiedereröffnung zu Ostern gewaltig verhagelt. Alles war vorbereitet, es hätte wieder ein großes Ostereier- suchen an der Hütte gegeben und eine Bewirtschaftung für Kinder und Eltern. Das war leider nicht möglich. Auch jetzt werden wir zurückhaltend mit der Bewirtung, entsprechend den Bestimmungen, beginnen. Also viel Platz zwischen den Tischen, nicht so viele Menschen, Desinfektion und alles was nötig ist damit die Gäste und die Mannschaften in der Küche und im Service geschützt sind und gesund bleiben.

Wieviel wurde denn investiert und wer hat das getragen?

Die Hütte ist im Besitz des Hauptvereins in Stuttgart. Dieser hat die Kosten von rund 100 000 Euro getragen. Das Projekt umgesetzt hat hauptsächlich der Wanderverein Weidacher Hütte hier vor Ort.

Wie wird es im Sommer weitergehen? Gibt es schon Buchungen?

Na ja, im Moment nehmen wir wegen Corona keine Übernachtungen an, wir wissen ja noch nichts Genaues. Absagen und neue Anfragen sind da, aber die 2500 bis 3000 Übernachtungen wie in den letzten Jahren werden wir 2020 nicht erreichen. Wir hoffen, dass das Evangelische Jugendwerk Göppingen ihr Zeltlager von zwei Wochen abhalten kann.

Sie sind schon sehr lange im Albverein, was sind Ihre schönsten Erinnerungen an die Hütte?

Da gibt es viele: Wir hatten schon mit der Jugendgruppe sehr schöne Feste auf der Weidacher Hütte. Lange Tage und kurze Nächte mit den Freunden aus Blaubeuren, Tomerdingen, Bermaringen und Herrlingen. Wir haben hier Fasnet gefeiert, und es gab Gausommerfeste mit Tanz. Das Haus war ein beliebter Treffpunkt der Jugend. Das Treffen unserer ehemaligen Jugendgruppe der Ortgruppe Herrlingen nach 20 Jahren im Wanderheim. Es war ein Fest, das ewig in Erinnerung bleiben wird. Und alle Jahre wieder, freue ich mich auf die Nikolausfeier mit den Kindern. Die bangen und erwartungsvollen Augen, wenn unser Nikolaus mit dem bepackten Esel kommt und die Päckchen aus den Säcken verteilt – das sind Momente, bei denen ich weiß, wofür wir gearbeitet haben.

Und gab es auch unschöne Dinge, die Sie erlebt haben?

Das schlimmste war ein Sturm in den achtziger Jahren während eines Zeltlagers auf unserem Gelände. Da hat der Sturm die großen Zelte weg- und kaputtgerissen mitten in der Nacht. Die Kinder wurden in die Weidacher Schule evakuiert, weil die Hütte belegt war. Gott sei Dank gab es keine Verletzten.

Wann ist die Eröffnung und was ist geplant?

Ab Samstag 4. Juli, wird das Wanderheim wieder von Ehrenamtlichen an den Wochenenden bewirtet. Wir arbeiten unter vorgegebenen hygienischen Bedingungen. Deswegen können wir leider auch kein großes Fest veranstalten, da hätte ich die Befürchtung, dass zu viele Menschen kommen. Wir hoffen auf schönes Wetter, damit wir draußen bewirten können.

Und worauf freuen Sie sich am allermeisten?

Dass wir endlich loslegen können und ich am Sonntagabend den treuen Helfern zum erfolgreichen Auftakt in der modernisierten Küche gratulieren kann, und mit ihnen auf weitere schöne Tage in unserer Weidacher Hütte anstoßen kann.

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