Bürgermeisterkandidat mit speziellen Ansichten

Lesedauer: 5 Min

Das Blaubeurer Rathaus.
Das Blaubeurer Rathaus. (Foto: Scholz)

Seine Bewerbung ging laut Aussagen der Stadtverwaltung Blaubeuren „kurz vor knapp“ ein. Karl Scherm aus Nattheim bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters am Blautopf. Die Kommune zählt derzeit 12 100 Einwohner. 9666 wahlberechtigte Bürger können am Sonntag, 15. April, für ihr Stadtoberhaupt abstimmen. Drei Kandidaten stehen zur Wahl: der derzeitige Amtsinhaber Jörg Seibold (parteilos), Friedhild Anni Miller aus Sindelfingen und Karl Scherm aus Nattheim. Letzterer wurde 1950 geboren und ist laut der amtlichen Bekanntmachung der zugelassenen Bewerbungen Beamter im Ruhestand.

Klagen gegen Trump, Merkel, Seehofer

Ein Gespräch mit dieser Zeitung für ein Kandidatenporträt lehnte Karl Scherm ab. Ebenso möchte er nicht abgebildet werden. Telefonisch hagelte es in Form eines Monologs Vorwürfe des 68-Jährigen. „Ich kann beweisen, dass sämtliche deutsche Gerichte Klagen nicht annehmen. Ich habe 100 Klagen laufen“, so Scherm. Er klage gegen den US-Präsidenten Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel oder auch gegen Innenminister Horst Seehofer.

"Es gibt nur eine Verfassung auf der Welt, die vom Volk abgestimmt ist"

Der in Nattheim Wohnende führte weiter aus: „Es gibt nur eine Verfassung auf der Welt, die vom Volk abgestimmt ist, und das ist die bayerische Verfassung.“ Thema war dann auch das Atomkraftwerk in Gundremmingen. Scherm wohne 20 Kilometer von diesem entfernt, prophezeit Schlimmes.

Außerdem kommt Karl Scherm auf Europa zu sprechen. Das gibt es seiner Meinung nach nicht: „Es gibt Eurasien und es gibt auch keine Wiedervereinigung“, wetterte er ins Telefon. Deutschland sei ein Verbrecherstaat. „Es gibt keine deutschen Staatsbürger“, so Scherm und kam zum nächsten Thema. Der italienische Politiker Benito Mussolini sei es gewesen, der den Nationalsozialismus erfunden und Polen das Land, das den Krieg begonnen habe. Ausführungen und Hintergründe zur Kandidatur zum Bürgermeister Blaubeuren waren nicht dabei. Eine Unterbrechung seiner Ausführungen am Telefon durch die „Schwäbische Zeitung“ war nicht möglich, bevor Scherm auflegte.

Wahl findet am 15. April statt

Die Wahl zum Bürgermeister in Blaubeuren findet am Sonntag, 15. April, statt. Wahlberechtigt sind deutsche Bürger der Europäischen Union, die mindestens 16 Jahre alt und seit mindestens drei Monaten mit Hauptwohnsitz in der Stadt gemeldet sind. Ein Eintrag im Wählerverzeichnis, so Kay Friedrich von der Stadt Blaubeuren, ist zwingend erforderlich, da Personen auch aufgrund eines Richterspruchs vom Wahlrecht ausgeschlossen werden können.

Die Bürgermeisterwahl wird laut Mitteilung in 14 Urnenwahl- und zwei Briefwahlbezirke unterteilt. Die Stadt Blaubeuren wird am Wahlsonntag von insgesamt 131 ehrenamtlichen Wahlhelfern unterstützt. Zwei Wahlbezirke müssen ausnahmsweise in die Stadthalle verlegt werden. Eigentlich sind seit vielen Jahren zwei Wahllokale im Johannes-Montini-Haus eingerichtet. Die Bürger wohnen laut Mitteilung geografisch im Bereich „Café Dir“ bis zur neuapostolischen Kirche sowie in der Region um den Bahnhof und dem ehemaligen Zementwerk.

Anderes Gebäude für Urnengang

Da am 15. April die Erstkommunion gefeiert wird, steht das Gebäude für die Wahl nicht zur Verfügung. Deswegen wird in die Stadthalle ausgewichen. Laut Mitteilung der Stadt Blaubeuren werden der Bezirk 002 im Vortragsaal und der Bezirk 003 im Foyer zu finden sein.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen