Wer das Höhlensystem des Blaubeurer Blautopfs erforschen will, sollte furchtlos sein. Zunächst geht es unters Wasser, ehe sich (Foto: Andreas Kücha / Arge Blautopf)
Schwäbische Zeitung
Ilja Siegemund
Redakteur

Zahlreiche Menschen können ab Freitag ohne Furcht in den Tiefen des Blautopf-Höhlensystems in Blaubeuren ein Abenteuer erleben. Denn der „National Geographic Deutschland“, das Magazin für Abenteurer und Naturforscher, stellt die unterirdische Wasserwelt in einer exklusiven Reportage unter dem Titel „Expedition in Deutschlands schönste Höhle“ vor.

„Wir möchten unsere Leser über solche Naturphänomene staunen lassen“, sagt der stellvertretende Chefredakteur Siebo Heineken. Von der einzigartigen Unterwelt Blaubeurens sei man begeistert gewesen, als Höhlentaucher Andreas Kücha von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf mit einigen Fotos im Gepäck die Redaktion des Magazins in Hamburg besucht hatte.

Der Kontakt zu dem Höhlentaucher war es auch, der die Reportage erst ermöglichte. „Wir wussten schon lange, dass es den Blautopf und das Höhlensystem gibt“, erzählt Siebo Heineken. „Wir wussten aber auch, wie schwierig es wird, dort arbeiten zu können.“ Schließlich könne man nicht einfach so das Höhlensystem erkunden, in dessen Tiefen sich der Fluss Blau seinen Weg bahnt, ehe er im Blautopf an die Erdoberfläche dringt. Erst als Chefredakteur Erwin Brunner den Taucher und Forscher kennenlernte, erhielt die Zeitschrift den Zugang zu der beeindruckenden Welt. „Die Unterwasserwelt dort ist einzigartig“, schwärmt der 54 Jahre alte Siebo Heineken.

Was beeindruckende Geschichten betrifft, ist der Alb-Donau-Kreis dem Team des „National Geographic Deutschland“ schon längst ein Begriff. Siebo Heineken besuchte die Region vor einigen Jahren, als er eine Titelgeschichte über steinzeitliche Kunst schrieb – über die Venus vom Hohle Fels. Ein Kollege widmete sich vor einiger Zeit der hiesigen Archäologie.

Expedition für Lehnstuhlabenteurer

Seit etwa einem Jahr laufen die Recherchen für die mehrseitige Reportage der April-Ausgabe. Im Herbst begab sich Autor Tom Dauer, der für gewöhnlich die Abenteuer in den Höhen der Berge sucht, unter die Erde. Nur so konnte er genügend Eindrücke von Blaubeurens Unterwelt für die Leser sammeln, die sich selbst nie in die Tiefe und das Unbekannte wagen würden. „Man kann eine solche Geschichte nicht schreiben, ohne vor Ort gewesen sein“, ergänzt der stellvertretende Chefredakteur. Dadurch wird die Vorstellung des Höhlensystems lebendig. „Das ist eine Geschichte für Lehnstuhlabenteurer“, ergänzt der 54-Jährige schmunzelnd.

Dass sich die Zeitschrift „National Geographic Deutschland“ dem Höhlensystem widmet und ihren Titel mit einem Foto des sogenannten Mörikedoms – einer der größten unterirdischen Hallen –schmückt, dürften die Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft Blautopf als Ritterschlag für ihre Arbeit verstehen.

Gegründet, um die weißen Flecken der Welt zu erforschen

Vor 125 Jahren gründeten 33 Männer in den USA die „National Geographic Society“, um die Geheimnisse der Welt zu lüften, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unlängst schrieb. „Sie alle träumten davon, die weißen Flecken der Erde zu erforschen.“ Ihre Erkenntnisse wollten sie mit der Welt teilen. Mit der Zeitschrift „National Geographic“ sollten auch diejenigen an den Abenteuern teilhaben können, die mangels Mut, Geld oder Zeit niemals an solch einer Expedition teilnehmen würden. Am besten gelingt das mit beeindruckenden Fotos, die nun auch vom Blaubeurer Höhlensystem zu sehen sind.

Damit die Leser des „National Geographic Deutschland“ trotzdem das Gefühl haben, mit den Forschern durch das unterirdische Wasser zu tauchen und Mitglied der Expedition zu sein, ist in der April-Ausgabe eine Karte des Höhlenlabyrinths dargestellt. Darauf erkennen die Leser sogar, wo die Forscher ihr Biwak aufgeschlagen haben, verrät Siebo Heineken. „Alle sollen das Abenteuer nachvollziehen können.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen