Öffnet sich die Blauhöhle für Touristen?

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Schwäbische Zeitung
Ilja Siegemund
Redakteur

„Deutschlands schönste Höhle“: Diesen Titel hat die Zeitschrift „National Geographic“ der Blauhöhle in Blaubeuren im vergangenen Jahr gegeben. Bisher können sich nur Höhlenforscher mit eigenen Augen davon überzeugen, dass der Titel gerechtfertigt ist. Alle anderen müssen sich mit Fotos begnügen, auf denen das Höhlensystem des Blautopfes zu sehen ist. Doch das soll sich ändern: Die Stadtverwaltung möchte einen Teil der Höhle für Touristen öffnen.

„Wir erhoffen uns davon eine positive Wirkung für die Stadt und die Region“, sagt Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold und ergänzt: „Das Potenzial der Blauhöhle ist enorm.“ Das zeige sich zum Beispiel regelmäßig, wenn die Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft Blaukarst über ihre Erkundungstouren in dem unterirdischen System berichten. Die Vorträge, beispielsweise bei der Sommerbühne am Blautopf, seien immer sehr gut besucht, betont Jörg Seibold.

Auf 340 Metern das Höhlensystems erkunden

Deshalb ließ die Stadtverwaltung vom Büro Geotechnik Hundhausen aus Ditzingen im Kreis Ludwigsburg prüfen, wie der öffentliche Zugang zur Höhle erfolgen könnte und wie viel Geld dies kosten würde. Bislang gibt es nur zwei Zugänge zum Höhlensystem: Ein Zugang befindet sich 21 Meter tief unter Wasser im Blautopf. Der andere entstand im September 2009: ein etwa 18 Meter tiefer Schacht, direkt neben der B28, durch den die Höhlenforscher bisher in das Höhlensystem hinabsteigen. Beide Eingänge sind für Touristen ungeeignet, weil man dabei durch den Blautopf tauchen muss beziehungsweise weil sie nicht sicher genug sind. Die Planer schlugen deshalb einen Zugang im Bereich des Mörikedoms vor, der beeindruckenden Höhle hinter dem Blautopf mit einem etwa 340 Meter langen Wegesystem. In Absprache mit dem geologischen Landesamt in Freiburg und den Naturschutzbehörden stellte sich heraus, dass von dem Eingriff nur etwa drei Prozent des gesamten Höhlensystems betroffen wären und dass dies akzeptabel sei.

Ungeklärt sind indes noch folgende Fragen: Wie viele Besucher verkraftet das Höhlensystem? Und in welchen Dimensionen soll der Zugang erfolgen? „Wir wollen keine großen Verluste machen“, sagt Jörg Seibold über die geplante Schauhöhle. Es sei ein Unterschied, ob 1000, 10000 oder 100000 Menschen im Jahr die Höhle betreten. Auf der anderen Seite stehe der ökologische Faktor: Das Höhlensystem solle nicht unter dem Ansturm der Touristen leiden.

Unterirdische Seen

Mit diesen Details soll sich nun ein Kenner der Szene beschäftigen, ergänzt Seibold: der Diplom-Museologe Michael Brust aus Thüringen. Für seine Arbeit soll er 21420 Euro erhalten. Mit großer Mehrheit beauftragten Blaubeurens Stadträte kürzlich den Thüringer mit einer Machbarkeitsstudie. Darin soll der Experte unter anderem darlegen, was das Alleinstellungsmerkmal der Schauhöhle sein kann. Schließlich befinden sich in der Region mehrere bereits begehbare Höhlen, wie in Laichingen, Westerheim und Heroldstatt. Keine jedoch verfügt über unterirdische Seen, wie sie im Mörikedom zu sehen sind. „Es ist ein hoffnungsvolles Projekt“, betont Michael Brust, der zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details nennen möchte.

Es bestehe derzeit kein Zeitdruck, was die Fertigstellung der Schauhöhle betrifft, verdeutlicht Jörg Seibold. Zunächst einmal müsse die Schutzzeit der Fledermäuse abgewartet werden, die in dem weit verzweigten Höhlensystem überwintern. Diese endet im April, ergänzt der Bürgermeister. „Dann können wir loslegen.“

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