Wenn Kreativität auf Tempo trifft

Lesedauer: 7 Min
Das Profi-Rennen des Seifenkistenverbandes Baden-Württemberg beim Berghüler Rennen lockte mehr Fahrer und Zuschauer nach Berghül
Das Profi-Rennen des Seifenkistenverbandes Baden-Württemberg beim Berghüler Rennen lockte mehr Fahrer und Zuschauer nach Berghülen. (Foto: chs)
Christian Scharbert

Zum 14. Mal sind am Sonntag in Berghülen die buntesten Seifenkisten über die Blaubeurer-Straße gebraust. Anders als in den vergangenen Jahren standen nicht nur der Spaß und die Kreativität der Tüftler im Vordergrund: Denn der Seifenkistenverband Baden-Württemberg nutzte das Berghüler Rennen für seine Rennserie. Und da ging es nur um Geschwindigkeit.

Auch deshalb vermeldete der Württembergische Christusbund als Veranstalter Rekordteilnehmerzahlen. In der Einsitzer- und Zweisitzerklasse gingen insgesamt 35 Kisten an den Start. „Ein weiterer Grund dürften einige neue Kooperationen mit Schulen und Vereinigungen sein, die Teilnehmer an den Start schicken“, erläutert Streckensprecher Simon Werner. So stellte die Realschule Blaustein etwa sechs Kisten, die Schüler in einer Arbeitsgruppe gemeinsam gebaut hatten. Zusätzlich fuhren Schüler der Realschule Uhingen und Ravensburg mit. Auch die Handwerkskammer Ulm schickte ihre Bauten ins Rennen, die vor zwei Jahren aus einem Projekt zur Nachwuchsgewinnung entstanden waren. „Die meisten Seifenkisten standen in vergangenen Veranstaltungen schon am Start. Für das Rennen werden sie jedes Jahr ein wenig aufgerüstet und sozusagen weitervererbt“, erklärt Werner.

Preis für fahrenden Farbeimer

Um den Kreativpreis des Christusbundes zu erhalten, ist aber mehr nötig, als ein Fahrzeug ein wenig aufzupäppeln. Geschwindigkeit spielt dann keine Rolle – es geht darum, einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern zu hinterlassen. Je verrückter, desto besser. Letztlich schaffte es Jan Seifert mit seinem fahrenden Farbeimer, die Jury am meisten zu beeindrucken. Für Simon Werner sind die bunten Seifenkisten die größte Attraktion in Berghülen. „Es ist schon beeindruckend zu sehen, welche Ideen die Tüftler jedes Jahr verwirklichen. Wir könnten auch mehrere Kreativpreise vergeben.“ Sicherlich hätten es auch eine fahrende Regentonne oder eine Seifenkiste mit eingebautem Radio verdient gehabt, sich den Preis zu holen. Mit leeren Händen ging aber sowieso niemand nach Hause. Zumindest einen kleinen Pokal konnte sich jeder Teilnehmer zumindest am Ende des Rennens abholen.

Verband sucht nach Rennen

Mit Schönheit gab es in der Konkurrenz der Baden-Württembergischen Rennserie aber nichts zu gewinnen. Das einzige was zählte: Geschwindigkeit. Mit dem Rennen der „Profis“ ist das Seifenkistenrennen in Berghülen sicherlich um eine Attraktion reicher. „Auf das Berghüler Rennen sind wir über die Internetseite des Christusbundes aufmerksam geworden“, erinnert sich Robert Brandelik, Vorsitzender des Seifenkistenverbandes Baden-Württemberg (SkBW). In fünf bis sechs Rennen wird in drei Klassen der Baden-Württembergische Meister ausgefahren. „Wir können diese Rennen selbst veranstalten. Einfacher ist es aber, sich einem schon bestehenden Rennen anzuschließen“, erklärt Brandelik.

Bevorzugt sucht sich der Seifenkistenverband dann Rennen auf dem Land aus. „Dort wird das Event besser angenommen, als in der Stadt. Zudem genießt der Seifenkistenrennsport dort einen etwas höheren Stellenwert.“ Viele Menschen würden von einer professionellen Rennserie im Seifenkistensport gar nichts mitbekommen. Für andere stammt der Event-Charakter aus einer anderen Zeit.

Sensation nach Ende des Zweiten Weltkriegs

Dabei seien Seifenkistenrennen nach dem Zweiten Weltkrieg die Sensation schlechthin gewesen. Tausende Zuschauer seien für ein Rennen auf ernsthafter Wettbewerbsbasis an der Strecke gestanden, erläutert Robert Brandelik. „Es bot den Menschen Action und Ablenkung. Heutzutage wird man durch den Medienkonsum mit spektakulären Effekten ausreichend bedient, sodass leider weniger Menschen zur Rennstrecke kommen.“ Bei den älteren Menschen sei die Begeisterung aber ungebrochen. Dies könnte der Hauptgrund sein, warum hauptsächlich Großeltern mit ihren Enkeln Seifenkisten bauen würden. „Die Kinder haben einen unglaublichen Spaß am Rennfahren und Bauen. Manche Eltern wollen die Zeit aber leider nicht investieren“, meint Robert Brandelik.

Beim professionellen Rennsport komme es besonders auf Lenkpräzision und Feingefühl an. „Es ist eine Mischung aus Material, Fahrzeugbeschaffenheit und fahrerischem Können, auf die es ankommt.“

Was die Fahrzeuge der Fun-Klasse angeht, sehe der Vorsitzende „teilweise“ Nachholbedarf – besonders was die Lenkung angeht. Diese dürfe nicht zu empfindlich sein, „sonst ist es enorm schwer, das Fahrzeug zu steuern“, erklärt er. Die Lenkung wurde einem jungen Fahrer zum Verhängnis, der einen Unfall hatte. Passiert sei ihm aber nichts, versichert der junge Mann: „Trotzdem habe ich für heute genug. Vielleicht greife ich im nächsten Jahr noch einmal an.“ Mehr Unfälle musste Simon Werner vom Christusbund nicht vermelden. Helm und Überrollbügel seien sowieso Pflicht, um schlimme Verletzungen zu vermeiden. „Bisher sind alle Stürze beim Rennen immer glimpflich ausgegangen. Das soll auch so bleiben.“

Die Sieger beim Seifenkistenrennen in Berghülen:

Fun Klasse 1-Sitzer: 1. Platz: Nico Seifert; 2. Platz: Paul Vetter; 3. Platz: St. Christina Schule Ravensburg

Fun Klasse 2-Sitzer: 1. Platz Simon und Tim; 2. Platz: Luka und Hannes (Haldenberg-Realschule Uhingen); 3. Platz Lotta und Jule

BW Meisterschaften luftbereift Geschwindigkeit: 1. Platz: Wiebke Brandelik; 2. Platz: Benedikt Klimpel; 3. Platz: Emely Werner

BW Meisterschaften Vollgummi Geschwindigkeit: 1. Platz: Benedikt Klimpel; 2. Platz: Levin Hoffmann; 3. Platz: Wiebke Brandelik

BW Meisterschaften Elite XL Geschwindigkeit: 1. Platz: Tim Reinicke; 2. Platz Yannick Herberth; 3. Platz Laura Herberth

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen