Einzigartig in Berghülen: Carsharing mit E-Auto soll kommen

Lesedauer: 9 Min

Mit einem der Fahrzeuge als Vorzeigemodell in Berghülen (von links): Katrin Albsteiger, Uwe Kunath und Thorsten Stumpf von den
Mit einem der Fahrzeuge als Vorzeigemodell in Berghülen (von links): Katrin Albsteiger, Uwe Kunath und Thorsten Stumpf von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm. (Foto: Scholz)

Mehr Mobilität für Bürger und Mitarbeiter, verblüffend einfach und schnell am Ziel: Damit wirbt Thorsten Stumpf, der Gruppenleiter im Bereich Kraftfahrzeuge und Fuhrparkmanagement der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), in der Sitzung des Gemeinderats Berghülen am Dienstagabend. „Swu2go“ heißt das Konzept, das letztlich das Carsharing-Angebot aufgreifen und spezialisieren möchte. Das heißt: Die Stadtwerke wollen gemeinsam mit der Gemeinde Berghülen ein Elektrofahrzeug samt Säule anbieten, das von den Bürgern sowie Mitarbeitern der Gemeinde gebucht und dann genutzt werden kann. Die Idee traf beim Berghüler Gremium auf eine breite Zustimmung.

Ergänzung zum ÖPNV

Alles soll laut Stumpf und seiner Kollegin Katrin Albsteiger ganz einfach sein. SWU biete den kompletten Service, installiere und warte die Ladesäule und kümmere sich um den Unterhalt, rechne mit den Nutzern dieses öffentlichen Ladepunkts ab, stelle eine Service-Hotline zur Verfügung und übernehme die Reinigung und Wartung der Fahrzeuge. Alles sei in einer Hand – somit der perfekte Einstieg in die E-Mobilität ohne Risiko für Berghülen. Die Kommune müsse allerdings gemeinsam mit den Stadtwerken einen geeigneten Standort für die Ladesäule finden und einen einmaligen oder auch auf drei Jahre verteilten Zuschuss bezahlen. Wie hoch dieser tatsächlich ist, dazu wollten sich Stumpf und Albsteiger nicht äußern.

Großer Schritt: Erste E-Ladesäule auf der Laichinger Alb
Auch wenn die Auswahl an Modellen langsam größer wird: Die Elektromobilität steckt noch in den Kinderschuhen.

Im Vertrag mit der Kommune ist diese Summe allerdings schon festgeschrieben. Die Ratsmitglieder kennen sie. Öffentlich soll sie laut Albsteiger aber nicht bekannt werden. Der Berghüler Bürgermeister Bernd Mangold versucht sich an einem Kompromiss: Die Summe bewege sich in jener Größenordnung, die die Gemeinde für die Ladesäule in der Ortsmitte investierte. Gut 6000 Euro musste die Kommune für diese berappen. Für Mangold stehe aber fest: Diese vierstellige Zahl belaste den Berghüler Haushalt nicht groß.

So soll es funktionieren: An einem möglichen Standort in Berghülen wird die Ladesäule für das Elektroauto der Marke Renault mit zwei Anschlüssen installiert. Einer ist davon stets für das E-Fahrzeug vorgesehen. So auch der entsprechende Parkplatz. Der Nutzer kann sich via Internet mit seinem Zugang anmelden und schauen, wann das Auto zur Verfügung steht und dieses dann für die benötigte Zeit buchen. Mit eingerechnet sei eine Pufferzeit für eine eventuell spätere Rückgabe durch einen Stau und die benötigte Ladezeit des Fahrzeugs. Hat der Interessierte das Auto gebucht, so kann er mit einem so genannten LapID-Siegel, das direkt auf dem Führerschein angebracht wird, das Fahrzeug öffnen. Das Siegel dient nicht nur als Türöffner sondern stellt laut Stumpf gleichzeitig sicher, dass der Nutzer eine gültige Fahrerlaubnis hat. Der Schlüssel befinde sich dann beispielsweise im Handschuhfach. „Reinsetzen und losfahren“, wirbt der SWU-Mitarbeiter weiter. Stumpf sehe den Vorteil in der Flexibilität und Mobilität als ergänzendes Angebot zum öffentlichen Personennahverkehr – gerade in ländlichen Strukturen.

Das sechste Windrad bekommt seine Rotorblätter

Auf spektakuläre Art und Weise sind am Donnerstag die Rotorblätter an das sechste Windrad in Berghülen angebracht worden.

Zu den Kosten: Im Renault sind fünf Sitze vorgesehen. Die Reichweite des E-Autos liege „realistisch bei 240 Kilometern“, so Stumpf. Der gefahrene Kilometer werde mit zehn Cent berechnet. Hinzu komme ein Stundenpreis von 2,50 Euro, der beim Abendtarif auf einen Euro zurückgehe. Der Höchstpreis liege allerdings bei 25 Euro. Die Rechnung komme monatlich, so auch eine Gebühr, die Stumpf nicht weiter konkretisierte. Da gebe es viele mögliche Modelle, die er in der Sitzung nicht alle erläutern wolle.

Berghüler sind die Ersten

Für die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm ist die Präsentation in Berghülen die erste. Albsteiger: „Wir sind Pioniere.“ Die Berghüler Gemeinderatsmitglieder wollten gleich Nägel mit Köpfen machen, sprachen sich mit zwei Enthaltungen für das Angebot der Stadtwerke aus. Mangold: „Ich würde es gerne probieren.“ Nur dann könne man sehen, ob das Konzept aufgehe. Ratsherr Konrad Schwarzenbolz dazu: „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Finde ich gut – gerade auch für Senioren.“ So sah es auch Walter Nessyt. „Wir können mit wenig Geld eine große Attraktion hinstellen“, meinte der Gemeinderat. Berghülen könnte der erste Standort für „swu2go“ werden. Weitere Kommunen im Alb-Donau-Kreis könnten folgen.

Rotor für Windrad montiert

Letzte Bauarbeiten im Berghülener Windpark.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen