Heike Siegemund

Kurz vor 9 Uhr am Samstagmorgen in Bad Ditzenbach: Die Eingangstür der Vinzenz-Therme ist noch zu, draußen warten bereits zahlreiche Badegäste. Es ist bestes Thermalbadwetter: Bei Nieselregen präsentiert sich der Himmel Grau in Grau. Die Vorfreude ist bei allen riesengroß. Sie können nun nach vielen Wochen der Zwangspause, in der auch die Vinzenz-Therme geschlossen bleiben musste, endlich wieder das Bad im warmen Thermalwasser genießen.

Saunagänge haben ihm ein Vierteljahr gefehlt

„Ich habe jeden Tag im Internet geschaut, wann das Thermalbad wieder öffnet“, erzählt Sandra Gadaleta aus Jebenhausen, die regelmäßig die Bad Ditzenbacher Therme besucht. Online hat sie ihren Besuch tags zuvor angemeldet. In der Nacht zum Samstag konnte sie kaum schlafen vor lauter Vorfreude, sagt sie.

Auch Rainer Stephan aus Holzmaden kann es nicht erwarten, endlich eingelassen zu werden. „Ich war extra rechtzeitig da, um gleich reinzukommen. Ich bin auch regelmäßiger Saunagänger. Das hat mir schon gefehlt im vergangenen Vierteljahr“, erklärt er. Weil die Thermalbäder in Bad Überkingen, Bad Boll und Beuren noch geschlossen haben und die Vinzenz-Therme somit die erste in der Region ist, die wieder öffnet, war es für Rainer Stephan klar, gleich am Samstagmorgen nach Bad Ditzenbach zu fahren.

Die Bestimmungen umzusetzen, bedeutet großen Aufwand

Und so ist er denn auch der Erste, der das Drehkreuz passieren darf. Zuvor aber lassen es sich Betriebsleiter Michael Skorzak und Bürgermeister Herbert Juhn nicht nehmen, die Gäste am Eingang willkommen zu heißen und ein großes Banner zu enthüllen, das auf die Wiedereröffnung und die erforderliche Reservierung hinweist. „Ich freue mich, dass Sie gekommen sind“, ruft Skorzak den Gästen unter seiner Schutzmaske zu. An seinen Augen erkennt man ein freudiges Lächeln. Auch bei ihm ist die Erleichterung groß.

Genauso groß ist allerdings der Aufwand, den die Verantwortlichen nun betreiben müssen, damit die Abstands- und Hygienevorgaben eingehalten werden, sagt der Betriebsleiter. So kann der Einlass nur mit vorheriger Reservierung online oder telefonisch erfolgen sowie mit einer Begrenzung der Badezeit und einem angepassten Preismodell. Zutritt erhalten gleichzeitig maximal 75 Badegäste. Vorgeschrieben sei für vier Quadratmeter eine Person, was in der Vinzenz-Therme 100 Gästen entsprechen würde, sagt Skorzak. Man habe sich aber zunächst auf weniger beschränkt.

Von Eingang bis zum Spind gilt Maskenpflicht

Für die Gäste gilt vom Eingang bis zum Spind und beim Verlassen der Therme Maskenpflicht. Sie dürfen sich nicht länger als zwei Stunden im Thermalbad und bei Mitbenutzung der Saunalandschaft maximal drei Stunden in der Therme aufhalten. An der Kasse erhalten sie einen Schlüssel für einen zugewiesenen Spind. Nachdem sie das Thermalbad verlassen haben, reinigen die Mitarbeiter die Spinde.

Auch alle Umkleiden werden mehrmals am Tag gesäubert und desinfiziert, ergänzt Skorzak. Ebenso die Dusch- und WC-Bereiche sowie die Handläufe und Föhnplätze. Die offenen Duschen sind aufgrund der Aerosole außer Betrieb; es stehen die geschlossenen Duschkabinen zur Verfügung, informiert der Betriebsleiter weiter. Im Wasser selbst bestehe durch das Chlor keine Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Trotzdem sei auch hier auf den erforderlichen Abstand zu achten; dieser wird am Beckenrand durch Punkte markiert.

„Unter diesen Voraussetzungen unwirtschaftlich“

All dies sei nur mit einer „erheblichen Steigerung des Personaleinsatzes“ möglich. Das weiß auch Bürgermeister Juhn: Unter diesen Voraussetzungen könne das Bad nicht wirtschaftlich betrieben werden. Trotzdem freut auch er sich über die Wiedereröffnung, die wichtig sei für den Kurort Bad Ditzenbach.

Geschlossen sind derzeit noch die beiden Therapiebecken im Innenbereich. Die Wiedereröffnung solle stufenweise erfolgen, sagt Skorzak. Momentan konzentriere man sich auf die Bade- und Saunagäste; die Kurs- und Therapieangebote sollen erst nach und nach wieder stattfinden.

Schließwochen aus August wurden vorgezogen

Die Zwangspause haben die Verantwortlichen genutzt, um Renovierungsarbeiten vorzunehmen. Zum Beispiel wurden kaputte Fliesen ausgetauscht und allein für 40 000 Euro neue Unterwasserscheinwerfer eingebaut. Die sonst üblichen Schließwochen im August, die für Reparaturen genutzt werden, seien vorgezogen worden. Mit Blick auf die Kosten und die Einnahmeausfälle hofft Skorzak, dass der gestellte Antrag auf Soforthilfe bewilligt wird.

Unterdessen erholen sich die Badegäste längst im Wasser und im Saunabereich, unter ihnen Brigitte Ruhland. Auch ihr ist die Freude spürbar anzumerken: Im Außenbecken schwimmt, krault und taucht sie. Dann relaxt die Merklingerin in einem der Massagesprudler und ruft mit zur Seite ausgestreckten Armen begeistert aus: „Das ist ein Stück Lebenskraft“.

Ohne Termin geht nichts

Auf ihrer Homepage wirbt die Bad Ditzenbacher Vinzenz-Therme damit, die einzige Therme „im Großraum Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb“ zu sein, die bereits am Samstag wieder geöffnet hat.

Zwingend erforderlich ist eine Terminreservierung auf www.vinzenztherme.de oder telefonisch unter 07334/76600. Der Verkauf der Eintrittskarten erfolgt weiterhin an der Kasse des Bades.

Die Therme hat täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Die Kasse ist bis 19 Uhr besetzt. Danach ist kein Eintritt mehr möglich. Badbesucher bezahlen zehn Euro. Der Saunatarif inklusive Thermalbad liegt bei 25 Euro. Die heiße Sauna sowie die Panorama- und Bio-Sauna können jeweils von drei bis vier Personen gleichzeitig benutzt werden. Das Dampfbad ist wegen der Aerosole geschlossen.

Das Thermalbad-Café hat bereits seit 18. Mai wieder geöffnet. „Hier sind wir momentan bei einem Drittel des Umsatzes. Tendenz steigend“, sagt Michael Skorzak. Auch in die Vinzenz-Klinik kehrt wieder Leben ein: 110 Rehabilitanden sind aktuell dort untergebracht. „Damit sind wir bei einer Auslastung von 70 Prozent.“

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