Wie durch einen „Unfall“ vor 100 Millionen Jahren die Höhlen auf der Alb entstanden

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Knut Brenndörfer
Knut Brenndörfer (Foto: hog)

In die spannende Welt der Höhlenforschung auf der Blaubeurer Alb hat am Samstag im Musikerheim Weilersteußlingen Knut Brenndörfer eingeführt. Der stellvertretende Vorsitzende des Höhlenvereins Blaubeuren referierte auf Einladung des Bergemer Heimatvereins Grötzingen über Geologie und Hydrologie. Hautnahe Einblicke in die Höhlenforschung vermittelten seine Fotos und Filme aus mehreren Höhlen der Umgebung.

Wenn Knut Brenndörfer und seine Kollegen in die dem Höhlenverein Blaubeuren zugeordneten Höhlen tiefer und tiefer eindringen, entdecken sie absolutes Neuland. „Das ist wie Weltraumfahrt für den kleinen Mann“, sagte er und nahm die gebannt lauschende Zuhörerschaft mit auf eine Reise in die Vergangenheit und in die Tiefe der Schwäbischen Alb.

Knut Brenndörfer
Knut Brenndörfer (Foto: hog)

Zunächst ging er 200 Millionen Jahre zurück, als der ursprüngliche Riesenkontinent begann auseinander zu driften. „Es haben sich Binnenmeere gebildet, das Klima war sehr warm“, so Brenndörfer.

Als vor 100 Millionen Jahren die afrikanische Platte gegen die europäische Platte prallte, verschwand das von Korallen und Kalksteinbänken geprägte Paradies. Es bauten sich vor 30 beziehungsweise 40 Millionen Jahren die Alpen und die Schwäbische Alb auf, noch heute ist dieser Druck spürbar, weshalb die Alpen jährlich einen Millimeter höher werden.

Der Referent nannte dies einen „Verkehrsunfall, durch den die schwarzen, braunen und weißen Kalksteinschichten der Jurazeit aus der Waagerechten gerissen wurden. Bei diesem Vorgang verschwand bei uns das Binnenmeer, entstanden sind durch Zerrüttung der Kalkschicht und Auswaschungen die Höhlen der Schwäbischen Alb. Grötzingen habe im Gegensatz zum Rest der Alb eigenes Wasser, da wasserundurchlässiger Lössboden den Regen vor einem Ablaufen bewahrt.

Von den 2700 bekannten Höhlen der Alb stellte Brenndörfer die Vetterhöhle vor, die erst seit 2001 ausgegraben und von den zwölf aktiven Vereinsmitgliedern des Höhlenvereins befahren wird. Engstellen und große Räume wechseln sich ab. Untersucht werden Temperaturverhalten, Hochwasserereignisse und Alter sowie Knochenfunde.

Mit Tachymeter und 3D-Laserscanner werden die Räume vermessen. Weiter ging die instruktive Reise beim Farrenwiesschacht nördlich von Justingen, dem Jugendprojekt des Höhlenvereins. Entdeckt wurde diese Höhle von einem Jäger, der mit einem Fuß unvermittelt eingebrochen war. „In Höhlen zieht es wie Hechtsuppe“, erläuterte der Referent, was auch im Falle des Farrenwiesschachts sofort spürbar war und zu seiner Freilegung führte.

Auch die Bärentalhöhle bei Hütten und der Steebschacht bei Wennenden geben dem Höhlenverein in jüngster Zeit ihre Geheimnisse preis. Letzterer ist 151 Meter tief und wurde bereits 1680 erstmals beschrieben. Die Zuhörer durften anhand eines Films und vieler Fotos gemeinsam mit den Höhlenforschern in die unbekannte Welt des Steebschachts abtauchen. „Es gibt mehr zu entdecken als unsere Mitglieder erledigen können“, versicherte der versierte Referent.

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