Stoppelcross lockt Fahrer aufs Getreidefeld

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Friedrich Hog

Bereits zum achten Mal fand am Samstag und Sonntag auf einem abgeernteten Getreidefeld bei Ermelau das Bergemer Stoppelcross statt. Auf der eineinhalb Kilometer langen Strecke waren Motocross-Maschinen, Quads und Buggies mit Spitzengeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern unterwegs. Ein zweieinhalb Meter hoher Hügel bot Gelegenheit zu Sprüngen in bis zu fünf Metern Höhe und 25 Metern Länge.

Die Bedingungen waren optimal auf dem Stoppelfeld, das von rund zwei Dutzend Helfern aus den Gemeinden der Lutherischen Berge eine Woche lang vorbereitet worden war. Am Samstag waren 220 Fahrer mit ihren Maschinen gekommen, am Sonntag 250. „Die Motocross-Maschinen mit ihren bis zu 75 PS schaffen locker 110 Stundenkilometer“, sagte Mitorganisator Martin Braun aus Hütten, der gerade von seiner Fahrt auf dem Stoppelfeld hinter die Theke zurückgekommen war. „20 bis 25 Minuten, dann bisch platt, dann hast Du keine Kraft mehr“, sagte er noch etwas außer Atem, und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Fahrer sind zwischen 16 und 50 Jahre alt

Die Maschinen, die keine Straßenzulassung besitzen, werden von Fahrern im Alter von 16 bis rund 50 Jahren gesteuert, die alles geben, und mit viel Körperbeherrschung den Rundkurs meistern. „Einer der Fahrer hatte einen zu langen Sprung, und kam auf der ebenen Fläche auf, was zu einem Sturz führte“, berichtete Braun. Die Folgen waren eine Fahrt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, um das ausgekugelte Schultergelenk wieder einzurenken. „Für acht bis zehn Wochen kann ich jetzt nicht fahren“, sagte der wieder anwesende Betroffene, der den rechten Arm nach dem Krankenhausaufenthalt in einem Kreuztuch trug, ihn aber wieder bewegen konnte.

Für Kinder ab fünf Jahren stand ein kleiner Parcours bereit, in der Mittagspause durften sie die große Strecke befahren. „Zwei Mopedfahrer haben vor einigen Jahren die Veranstaltung auf die Beine gestellt. Sie durften damals einen Acker befahren“, erinnerte sich Martin Braun. „Es waren Peter Rieger und Andreas Ganser, die heute noch dabei sind. Schon im zweiten Jahr stellten sie ein Zelt und einen Grill auf, seither wächst das Event von Jahr zu Jahr, und heuer machen wir es zum achten Mal“, ergänzte der Mitorganisator, der sich über Fahrer von Stuttgart bis zum Bodensee freute und auch aus Bayern begeisterte Biker begrüßen konnte. „Die Fahrer bezahlen 20 Euro pro Tag oder 35 Euro für beide Tage, und übernachten auf dem Gelände“, so Braun. „Einen Wettbewerb führen wir dieses Jahr nicht durch, alle können just for fun fahren wie sie es möchten“.

Topfahrer aus Reutlingendorf

Dann begrüßte er einen der Topfahrer an der Theke, Philipp Dornfried aus Reutlingendorf. „Er kann alles fahren, was Räder hat, außer Fahrrad“, lobte Braun, und schwärmte von Dornfrieds 250-er Suzuki. Auch Adrian Schmauder aus Mehrstetten sei ein eingefleischter und routinierter Fahrer, sagte Braun.

Geschützt waren die Fahrer durch Schutzbrille, Helm, Brustpanzer, Protektoren an Ellenbogen und Knien sowie Motocross-Stiefel. Kleinere Reparaturen an den Maschinen konnte Martin Braun vor Ort vornehmen. „Wir tun alles, damit sich die Fahrer wohl fühlen, und wir erhalten auch entsprechend positives Feedback“, berichtete Braun. „Dieses Jahr ist die Strecke trocken und es gibt keinen Regen, somit auch keinen Schlamm.“

Verpflegung für die Zuschauer

Für die Zuschauer, die bei freiem Eintritt die Fahrkünste der Biker bewundern können, und auch für die Fahrer und Helfer der Bergemer Stoppelcross-Jugend gab es Wurst, Steaks und Pommes, am Sonntag auch Kaffee und Kuchen. So konnte man auf mitgebrachten Klappstühlen oder an der Trassierung stehend aus unmittelbarer Nähe beobachten, wie sich mit viel Motorenlärm die Fahrer mit viel Körperbeherrschung, Können und Spaß am Spüren extremer physikalischer Kräfte am eigenen Körper Runde um Runde über die Strecke bewegten.

Der aufgewirbelte Staub gehörte dazu, und am Samstagabend heizte DJ Vemex bis in die frühen Morgenstunden im Rahmen der Ölkannen-Party kräftig ein. Die kleinen und größeren Ölkannen konnten mit allerlei leckeren Getränken befüllt, und unter Verzicht auf das Pfand auch in den eigenen Besitz überführt werden.

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